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Mein Bier. Tegernseer Helles in der Berliner Stagger Lee Bar.

Bier 1.7.2011 1 Kommentar

Blocker: „Ein gutes Produkt überzeugt durch sich selbst“. Mit oberbayerischer Sturheit aber auch barockem Charme wehrt sich eine höchst erfolgreiche Tegernseer Brauerei gegen alle Marketinginstrumente. Aber ein kleines Zugeständnis macht sie dennoch. Jakob Etzold erläutert, warum auch er dem Bier und der Philosophie dahinter erlegen ist und man bei ihm, in der Cocktailbar Stagger Lee, ungeniert nach Bier fragen kann.

Großmäulig kann man im sicheren Windschatten des augenblicklichen Cocktailaufschwungs stehen und das oft als proletarisch verschriene Bier noch mehr verpönen. Und wenn Biertrinker dann auch noch in klassischen Cocktailbars zur Flasche greifen, werden sie nicht selten skeptisch beäugt. Nicht so von Jakob Etzold, Bartender und Zugpferd im Stagger Lee, der 2009 im Berliner Nachtschwärmerviertel Schöneberg eröffneten Western-Style-Cocktailbar. Dem seit einiger Zeit offenbar für viele geltenden Diktum, Bier sei ein minderwertiges Getränk, wird hier wenig Beachtung geschenkt. Im Stagger Lee wird Bier, neben unbestreitbar hochklassigen Cocktails, völlig selbstverständlich ausgeschenkt. Dem in Berlin geborenen Bartender ist es nicht unbekannt, dass Gäste sich bei ihm, „nahezu verschüchtert, durch den Umgang mit Biertrinkern in anderen Cocktailbars, nach Bier erkundigen.“ Für Jakob Etzold und Maureen Reichelt, der Inhaberin des Stagger Lee, gehörte Bier von Anfang an zum Barkonzept. Und wie bei den Spirituosen wurde auch beim Bier auf Qualität geachtet. Um den „ungewöhnlichen Spagat zwischen gehobener Cocktailbar und Berliner Kneipe zu gewährleisten“, entschieden sich die zwei in Berlin aufgewachsenen für das bayerische Tegernseer Hell, das tschechische Pilsner Urquell und das helle Weizen der Bayreuther Meisels Weisse Brauerei.

Zwischen Spätkauf und Sturheit

Jakob Etzold selbst hat das Export des Herzoglich Bayerischen Brauhauses zu Tegernsee in einem Berliner Spätkauf kennengelernt und Jahre später für die Bar vorgeschlagen, da es für ihn die nötige „Leichtigkeit und Frische besitzt.“ Zudem ist die Malznote anwesend, aber nicht zu präsent“, was ihn bei anderen Hellen stört. Heute würde er das Tegernseer Spezial bevorzugen, was kein wirkliches Problem für ihn ist, „da sich jede Bar, wie bei Cocktails, auch bei Bier weiterentwickeln sollte.“ Aus seiner Erfahrung heraus wünscht er sich auch kleinere Gebinde für das Exportbier: „Ein 0,33 l Bier bietet, abgesehen von den finanziellen und ästhetischen Vorteilen, für viele bis zum Ende den ausgewogeneren Geschmack und lässt auch noch Platz für Cocktails.“

Ursprünglich gab es im Stagger Lee die Idee mit Holzfässern auf der Theke zu arbeiten. So etwas mit der Tegernseer Brauerei zu koordinieren scheint jedoch nahezu utopisch, da die Oberbayern kaum dem Bedarf an ihrem Standardangebot nachkommen können. Der letzte Engpass trieb Etzold durch die an Biervarianten reichen Berliner „Spätis“, um die Versorgung im Stagger Lee aufrechtzuerhalten. Beim Versuch mehr Informationen über die Brauerei oder die temporären Lieferschwierigkeiten am Tegernsee zu erlangen, wird es dann noch enger. Falls sich Tegernseer selbst mit irgendwas schmücken würde, könnte es sich damit zum König krönen, dass es die einzige Brauerei ohne Werbung und nahezu ohne Kunden- oder Pressekommunikation ist. Es gibt weder eine Homepage der Brauerei noch einen Ansprechpartner. Beim ersten Anruf, auf der auch nicht einfach zu findenden Telefonnummer der Brauerei, wurde oberbayerisch und bestimmt dargelegt, dass der Geschäftsführer nie Fragen beantworte.

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