Ein Bier mit Schwingungen. Unertl Weißbräu aus Mühldorf.

Bier 8.8.2013

50 Kilometer östlich von München entsteht in Mühldorf am Inn ein famoses Weißbier. Vielfältige Faktoren kommen dabei ins Spiel: regionale Heimatverbundenheit und internationaler Weitblick. Beethoven und Beatles. Ein Ochse und ein Bundestagsabgeordneter. Sabotage und Neubeginn. Biergebote zwischen Rein und Schein. Aber dabei stets ein Augenmerk auf die Menschen und ihre Befindlichkeit und auf den Wert der Rohstoffe.

Die Geschichte beginnt im Jahre 1929, als Alois und Philomena Unertl im beschaulichen Mühldorf, auf halber Strecke zwischen München und Passau gelegen, eine Braustätte eröffnen, deren Augenmerk ausschließlich dem Weißbier gilt. Ein unruhiges Jahr am Ende eines Jahrzehnts, das zuweilen nicht so „Golden“ daher kam, wie manche behaupten. Der Schwarze Freitag an der Wall Street greift als Weltwirtschaftskrise auf Europa über, Alfred Döblin beschreibt in „Berlin Alexanderplatz“ die Widrigkeiten jener Tage, Remarques Roman „Im Westen nichts Neues“ ist sofort ausverkauft, die ersten Oscars werden verliehen und Tim und Struppi und Tempo-Taschentücher erblicken das Licht der Welt.

Keine einfache Zeit für junge Unternehmen. Glücklicherweise bleiben ausgerechnet die Getreidepreise stabil und ein erfrischendes Gebräu heißen die Menschen auch in Zeiten der Krise willkommen. Eine Erfolgsgeschichte beginnt.

Der Firmengründerin Philomena Unertl ist im aktuellen Sortiment des Hauses ein besonderes Bier gewidmet, die Bio-Dinkel Weiße. Die vierte Generation der Familie Unertl bestimmt heute die Geschicke der Brauerei. Mit Wolfgang Alois Unertl steht heute ein Mann aus dem Jahrgang 1965 am Sudkessel, dem es wichtig ist, bewährte Traditionen fortzuführen und zugleich den Weg in eine neue Ära der Bierkultur zu beschreiten.

Seit dem Gründungsjahr bildet der Klassiker, das Unertl Mühldorfer Weißbier, mit 5 % Vol. und den typischen subtilen Bananennoten, den Kern der Produktion. 2001 erfolgte eine Zertifizierung des Betriebs gemäß der strengen Bioland-Richtlinien. Unabhängig von jedem Siegel spielen die Qualität der Zutaten und der gute Kontakt zu den Landwirten eine große Rolle für Unertl. Den Großteil seiner Zutaten bezieht er aus der Region, 80 Prozent des Bio-Malzes kommen sogar direkt aus dem Landkreis. „Natürlich gibt es eine Heimatverbundenheit, aber kurze Wege der Zutaten und der Gespräche sorgen dafür, dass man gemeinsam viel intensiver hinter dem Produkt steht,“ so Unertl. Er sieht Handlungsbedarf in den kommenden Jahren: „Klimatische Einflüsse, Naturkatastrophen und Mangel an wichtigen Rohstoffen wie Wasser machen sich bereits heute bemerkbar. Regionale Anbauflächen und vernünftige Preise für die Bauern müssen stärkere Berücksichtigung finden. Wertigkeit muss wieder im Vordergrund stehen.“ Eine heikle Mission, den Endverbraucher zur Bereitschaft zu erziehen, einen angemessenen Preis zu entrichten in einem Land, in dem der Großteil des Bierverkaufs über Sonderangebote in Getränkemärkten umgesetzt wird. Er sieht den Verdrängungswettbewerb bei sinkendem Bierkonsum und geht davon aus, dass die Kreativität der Braumeister eine zunehmende Rolle spielt.

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