Alexander Hildebrandt gewinnt Trollinger Cocktail Contest 2009

Von Helmut Adam | August 6, 2009 um 21:58 | 6 Kommentare | Cocktails, Wein, Wettbewerbe | Tags: , , , ,

TCC 2009

Am erstmals veranstalteten Trollinger Cocktail Contest 2009 nahmen 142 Bartender und Connaisseure teil. Im Finale in Stuttgart konnte sich Alexander Hildebrandt aus Nürnberg gegen ein starkes Teilnehmerfeld durchsetzen. 

Der erste Cocktailwettbewerb mit Wein, den wir bei Mixology mit ausrichteten, stiess in der deutschsprachigen Barszene auf Anhieb auf enorme Resonanz. Ein Preisgeld von insgesamt 6’000 Euro war ausgerufen worden für die besten Rezepturen mit Trollinger der WWG als Basis. Teilnehmen konnten am Wettbewerb sowohl professionelle Bartender als auch Connaisseure. Zum Finale trafen sich zehn Bartender im Stuttgarter Waranga, um den Sieger zu bestimmen.

Von den Namen der Bartender her war die Veranstaltung ein sehr stark besetztes Finish. Darüberhinaus hatte die Region Berlin mit fünf von zehn Finalisten eine starke Präsenz beim TCC. Die Bartender kannten sich also großteils von anderen Veranstaltungen oder gegenseitigen Besuchen, entsprechend gut war die Stimmung innerhalb der Gruppe und jeder Finalist wurde bei seinem Auftritt lautstark angefeuert.

Die Jury wiederum war aus Weinfachleuten und Stuttgarter Gastronomen zusammengestellt worden. Neben Edmund Diesler, dem Präsidenten des Bundes Deutscher Önologen und dem Geschäftsführer der Werbegemeinschaft Württembergischer Weingärtnergenossenschaften, Ulrich M. Breutner brachte auch der bekannte Weinjournalist  Rudolf Knoll vom Magazin Vinum sein Wissen ein. Die Finalisten mußten ungewöhnlicherweise sechs Cocktails für die Jury zubereiten, was bei komplexeren Rezepturen durchaus "finale Arbeit" bedeutet.

Verständlicherweise holte sich der eine oder andere einen Kollegen zum Shaken zu Hilfe. Was Bastian und mich sehr freute, war zu sehen, dass jeder der zehn Finalisten in der Lage war, einem eher barfernen Publikum in gut formulierten Sätzen seine Kreation und die verwendeten Produkte zu erklären. Barland in GSA-Land im Jahre 2009: wir sind schon ein ganzes Stück weitergekommen. Rock on! Irgendwann kommt die Fernsehsendung mit Barthemen, verlasst Euch drauf!

Der Bartender und die Medien

Die betreuende Agentur Brandplatform hatte zudem eine Unmenge an Medien vor Ort gebracht. Jeder der Finalisten mußte im Verlauf der Veranstaltung in mindestens eine Kamera und ein Mikrophon sprechen. Am Ende der Veranstaltung buhlten sage und schreibe fünf Fernsehkameras und vier Fotografen um die besten Plätze vor dem Tresen. Die Bar steht nicht im Fokus? Das ist vorbei, meine Damen und Herren. Nicht beschweren, Bartender, reinsprechen in die Kameras! Auch wenn die Fragen mal ungewöhnlich sind… ;)

Wer gewann nun die Trollinger Cocktail Competition? Es war am Ende kein Berliner, der auf dem Treppchen stand. Ein Nürnberger, Alexander Hildebrandt (Baranova-Event) hatte das richtige Händchen für die Jury aus Weinexperten und überzeugte mit einer Komposition aus Trollinger, Orangenmarmelade, Agavendicksaft und einem Schwarz-Grüntee-Gewürzmischungsaufguss. Als Garnitur hatte Alexander (siehe Bild oben), der übrigens auch einen Hintergrund als Gestalter hat (was ein Blick auf seine Internetseite beweist) eine Zitronenzeste und einen Rosmarinzweig gewählt. Eine schöne Komposition, mir persönlich allerdings war der Drink einen Tick zu wässrig.

Stuttgarter Lokalikonen Äffle und Pferdle überzeugen (nicht)

Auf dem zweiten Platz landete Stephan Hinz (Shepheard, Köln), laut Eigenaussage gebürtiger Berliner, mit einer sehr aromatischen Mischung mit dem Namen "Trobbler". Gemäß Auf dem Papier den Regularien des Wettbewerbs folgend, schlingerte seine Rezeptur allerdings etwas zu sehr in Richtung Spirituose. Der Jury gefiel wohl aber gerade diese Dichte und Würzigkeit. Den dritten Platz belegte der Kölner "Barpunk" Tom Jakschas (Rubinrot, Köln). Sein Cocktail war das beste "Produkt" unter allen Rezepturen. Extrem weinbetont, verständlich in der Komposition und mit einer schlüssigen Garnitur.

Die Krone setzte dieser Kreation aber der Name auf: "Äffle & Pferdle Cobbler". Zu unserem Erstaunen erkannten die anwesenden Stuttgarter ihre Lokalheroen aber nicht wieder. Die Reaktion auf diesen Drink galt eher Toms souveräner Performance, die auch von der im Publikum anwesenden Claudia Effenberg gelobt wurde: "Bei so einem Bartender sitzt man gerne am Tresen."

Für die Rezepturen der Siegerdrinks möchte ich die werten Leser auf den Beitrag des geschätzten Cocktailwelten-Bloggers verweisen, der sie bereits vor ein paar Tagen veröffentlicht hat. Mein persönlicher Favorit unter allen Rezepturen aber, und da stimmte auch der Präsident des Bundes Deutscher Önologen mit mir überein, war "Fresh & Fruity" von Thorsten Pannek (Vis á Vis, Berlin). Nicht wegen des Namens, sondern wegen der spritzigen weinbetonten Rezeptur:

 

Fresh & Fruity

6 cl Trollinger WWG

2 cl Triple Sec Giffard

1 cl Boudier Guignolet de Dijon

0.4 cl frischer Zitronensaft

2 cl Angostura Bitters

Glas: Weinglas (?)

Zubereitung: Alle Zutaten in ein Rührglas geben und kaltrühren. Ins vorgekühlte Gästeglas abseihen und mit Zitronenzeste abspritzen. 

 

Nach Ende der Veranstaltung zog die versammelte Bartender-Truppe in die naheliegende O.T. Bar zu Dino Zippe weiter, um bei einem Glas Perlwein zu rasten und den weiteren Abend auf sich zukommen zu lassen. Außerdem wollte man sich auch bei Dino bedanken, der dem einen oder anderen Finalisten noch kurz vor dem Beginn des Events im Waranga mit Spezialprodukten ausgeholfen hatte.

Der Fundus der O.T. Bar an Qualitätsprodukten ist schier unerschöpflich und ein Besuch sei hiermit wärmstens empfohlen. Im weiteren Verlauf des Abends erfolgten noch ein paar (leider erfolglose) Bekehrungsversuche lokaler Bartender zu 100% Agave Tequila an der Theodor-Heuss-Strasse und ein Besuch am Tresen eines sehr engagierten Bartenders im Club Tonstudio rundete schließlich die Nacht ab. Stuttgart – wir kommen wieder!

Nachtrag: Bevor ichs vergesse: besonders beeindruckt war ich von Ulf Neuhaus’ weißen Raver-Handschuhen, die er zum Zestenwringen ins Stroboskoplicht der Kameras reckte. Die 90er leben noch. Rock on! 

 

Weitere Artikel zum Trollinger Cocktail Contest:

http://cocktailwelt.blogspot.com/2009/07/trollinger-20-contest-die-gewinner.html

http://www.stuttgarter-nachrichten.de/stn/page/2147396_0_2985_–trollinger-2-0-cocktail-wettbewerb-im-waranga.html

http://www.mixology.eu/de/blog/die-finalisten-des-trollinger-cocktail-contest-2009-stehen-fest

 

Link: www.trollingerzweipunktnull.de

Der Autor

Helmut Adam

Helmut Adam ist Herausgeber von Mixology, Magazin für Barkultur, trinkt gerne Negronis, Tequila und den einen oder anderen Gin & Tonic. Bevor er sich zum Bar Manager an der Mixology Bar aufschwang, arbeitete er als Bartender in Zürich, Wien, Berlin und London.

6 Kommentare

  1. Ulf NewTown (2 years ago)

    @Helmut…Dresden ist immer wieder für eine Überraschung gut. Nein im Ernst.Wie seht Ihr das? Zeste mit Schweissfinger abspritzen und dann ins Glas oder doch lieber mit Handschuh arbeiten? Sehe ich das zu überspitzt?
    Lieber Gruß Ulf

  2. joerg.meyer (2 years ago)

    Ich finde weiße Handschuhe gehen gar nicht …

  3. Ulf NewTown (2 years ago)

    @ Jörg…okay deine Meinung aber nicht die Antwort meiner Frage.Oder anders gestellt,dann gleich die Eiswürfel mit den Händen in das Mixingglas.Ist nichts anderes…

  4. tom (2 years ago)

    ich glaube schweiss wäre noch der harmloseste bestandteil der zitrusschale, zudem bezweifele ich, dass die zitrone nur durch ein paar hände ging, noch stärker zweifel ich daran, dass eben diese hände behandschuht waren – aber darum geht es hier doch gar nicht, oder?

  5. joerg.meyer (2 years ago)

    Ok. – vielleicht habe ich auch Deine Frage falsch verstanden. Geht es nicht darum ob man mit weißen Handschuhen auf Wettbewerben arbeiten sollte? MEiner MEinung nach sind weiße Handschuhe auf Wettbewerben in der Regel unangebracht.

    Eis sollte, zumindest in unserem Kulturkreis, mit Zange/Schaufel genommen werden. Die Japaner haben, siehe Sushi Köche und Bartender die Eis mit der Hand bearbeiten, z.B. eine andere Kuttur zum “lebensmittel” direkt anfassen und dort ist das in meinen Augen in Ordnung.

    Weiße Handschuhe wegen “Schweissfindern” beim Zesten abspritzen scheint mir zu überkandidelt – Ein BArtender hat sich die Hände zu waschen und diese rein zu halten.

    Nach meinen Empfinden sind weiße Handschuhe “überspitzt”….

    (und gebe TOM recht … das was da sonst noch so in der Zeste ist, könnte durchaus ekeliger sein ….)

  6. Ulf NewTown (2 years ago)

    @Tom..ich gehe natürlich davon aus ,das Zitrusfrüchte vor ihrem Gebrauch gewaschen wurden..
    @Jörg…ganz deiner Meinung was die Sauberkeit der Hände betrifft…bei Wettbewerben ist man mit Handschuhen darüber hinaus auch schneller am arbeiten (z.B. Garnitur anstecken)..

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