Im Editorial der aktuellen Ausgabe (Mixology Issue 2/2009), die die nächsten Tage in den Briefkästen unserer Leser zu finden sein wird, erwähne ich den Cocktail "Vanilla Daiquiri" und fordere die Leser auf, diesen Drink hier auf unserer Online-Plattform nachzulesen. Damit wollte ich auf die zwei Säulen unserer Berichterstattung hinweisen, auf denen unser Medium mittlerweile ruht. Was ist die Geschichte des Vanilla Daiquiri? Er ist ein schlichter, aber feiner Drink, den ich in meiner Londoner Cocktail-Zeit herstellen und mixen lernte. Weshalb "herstellen"?
Der Cocktail beruht auf einer Infusion als Basis. Den Vanilla Rum stellte unser damaliges Barteam selbst her, indem wir Matusalem Gran Reserva mit Vanilleschoten ansetzten. Generell reicht eine Vanilleschote guter Qualität, um dem Rum die gewünschte Abrundung zu verleihen. Man legt die Schote direkt in die Flasche ein (wir haben sie damals noch längs aufgeschnitten, aber ich denke dass Experten wie Heinz Kaiser das als unnötig erachten) und nimmt sie nach ca. einer Woche wieder heraus.
Die Lagerzeit hängt stark von der Umgebungstemperatur ab. Man sollte den Rum nach ein paar Tagen relgemäßig abschmecken, um zu sehen, welche Intensität er bereits erreicht hat. Gegebenenfalls läßt man die Schote auch länger im Rum. Alternativ zu Metusalem Rum kann man selbstverständlich auch andere, günstigere Rum-Sorten verwenden. Es empfiehlt sich allerdings ein gereifter Rum, da dieser mit seinen Holznoten die Vanille gut einbindet. Ein weißer Rum "kippt" möglicherweise, das heißt sein Eigengeschmack wird durch die Infusion übertönt. Und das will man bei einer Daiquiri-Variation ja auf keinen Fall!
Die Abbildung oben ist ein Ausschnitt aus meinem damaligen Rezepturheft. Die Zutaten sind, wie in London üblich, in Milliliter angegeben. Das heißt übersetzt:
Vanilla Daiquiri oder VDQ
5 cl Vanilla Daiquiri
2 cl frischer Limettensaft
2 Barlöffel Zuckersirup
Zubereitung: Shake & Strain
Glas: Martiniglas (bzw. Cockailschale)
Garnitur: Lime Squeeze (d.h. Limettenspalte)
Was mir an diesem Drink besonders gefällt, ist die Kurzform des Namens. VDQ (sprich: widikju) geht einfach jedem Gast schnell und gut über die Lippen. Der Name ist das Verkaufsetikett für einen Cocktail. Er ist fast ebenso wichtig in der täglichen Anwendung wie der Drink selbst. Simon Difford war damals ein Stammgast in Teatro, der Bar in der wir diesen Drink anboten. Er erinnerte mich, wie ich es auch im Editorial der Printausgabe schrieb, kürzlich daran, dass ich ihm dort diesen Drink servierte. Prosit!
René (3 years ago)
Für die Herstellung der Rum-Infusion empfehle ich zu probieren, wenige Stunden vor Entfernen der Vanilleschote etwas gemörserten Kümmel beizugeben. Dabei entsteht eine Variante mit sehr interessanter Würz-Kombi!
Partyboy (3 years ago)
Auf jeden Fall eni tolles Rezept! Vanille-Rum gehört schon lange zu meinen Standartzutaten.
Tipp: Vanilla-Magarita ist auch genial! Das Vorgehen ist das gleiche wie beim Daiquiri
heinzka1 (2 years ago)
Bin jetzt grad zufällig auf den Blogeintrag gestossen, und muß, spät aber doch, auch meinen Senf (oder meine Vanille?) dazugeben:
Lieber Helmut, ich erachte das Aufschneiden der Vanilleschoten nicht als unnötig, sondern, ganz im Gegenteil, als essentiell für das Gelingen, weil die dicken Schalen der Schote wenig Aroma enthalten, der Löwenanteil in den Samen enthalten ist und die Extraktion durch die Schale hindurch sehr lange dauert, bzw. überhaupt unvollständig bleibt.
Hingegen sehe ich keinen Grund, die Schote so bald wieder zu entfernen, da sie im Alkohol sowieso konserviert , also vor Verderb geschützt ist und das Aroma nur intensiver werden kann.
Bei meiner Version des VDQ verwende ich statt Zuckersirup auch noch selbstgemachten Vanillezucker um das Aroma und die Molligkeit zu verstärken.
(1kg Rohrstaubzucker + 4 Vanillestangen, aufgeschnitten und ausgekratzt, ca. 1Woche verschlossen in einem Glasgefäß warmstellen und immer wieder gut vermischen, dann den Zucker feinsieben und die Schoten entfernen).