Grüne Wiese: Bubble Tea.

Debatte 13.5.2012 3 comments

Diesmal geht die Grüne Wiese nach Asien und Kalifornien. Bubble Tea heißt auch in Europa dies merkwürdige Getränk, das sich überaus erfolgreich verbreitet. Erfolgsgeschichten sind zu respektieren. Gerade deshalb sind aber auch hinterfragende Polemiken erlaubt.

Alles begann in den frühen 80ern in Taiwan. Dann schwappte der Blasentee-Kult über China und Südostasien über den Teich nach Kalifornien. Und seit Kurzem eben auch nach Westeuropa. Bubble Tea ist eine Mischung aus gesüßtem Schwarz- oder Grüntee, mit Milch oder Sojamilch. Angereichert wird das Ganze mit Tapiokaperlen. Einem Stärkeprodukt aus Maniok, das – von Hause aus geschmacklos – mit Sirup aromatisiert wird. Maniok enthält viel Eisen, Vitamin C und Calcium. So weit so gut.

Diese Mischung wird nun in immer mehr Shops in Deutschland verkauft, sie schießen geradezu aus dem Boden. In durchsichtigen Bechern werden die grellfarbenen Kreationen an das – vorwiegend jugendliche – Volk gebracht. Die Shops sind beinahe ein Spiegelbild dieses Abklatsches der Moderne. Poppig-kitschig im Interieur, aus den Boxen schallt Viva-Quatsch. Kitsch as kitsch can ist das Motto.

Flüssige Marshmallows

Alle, die Bubble Tea verteiben oder importieren – heißen sie BubbleTea24 oder BoboQ – betonen, wie gesund das Produkt ist und dass man größten Wert auf Nachhaltigkeit lege. Zeitgeist eben. Das darf man zumindest aufgrund des Zuckergehaltes und der Tatsache bezweifeln, dass im Mai 2011 vom taiwanesischen Gesundheitsministerium festgestellt wurde, dass einer der Zulieferer (z. B. für den Erdbeersirup) das gefährliche DEHP verarbeitet hat. Ein krebserregender Weichmacher, der in der Kunststoffproduktion und in Schädlingsbekämpfungsmitteln Verwendung findet.

Da Geschmack eben immer Geschmackssache ist und Bubble Tea offensichtlich viele Anhänger hat, testeten wir diesen »Tee« auch in der Redaktion. Die Reaktionen waren niederschmetternd. Geschmack und Textur (insbesondere, wenn man die seifigen Kugeln zerkaut) sind degeneriert und synthetisch. Flüssige Marshmallows. Bubble Tea ist ein typisches Disneyland-Produkt, ein Auswuchs einer Scheinwelt. Angesichts der vielen hervorragenden asiatischen Teeprodukte geht er einem mächtig auf die Nieren – dieser Blasentee.

 

(Dieser Artikel erschien erstmals in MIXOLOGY Issue 1/2012. Das Printmagazin MIXOLOGY erscheint alle zwei Monate. Informationen zum Abonnement finden Sie hier auf MIXOLOGY ONLINE.)

 

3 comments

  1. Christian

    Man sollte euer (hartes) Urteil auf die europäische Version beschränken. Ist halt ähnlich wie wenn man bei uns zum Asiaten geht…

  2. Jean-Pierre Ebert

    Warum in die Ferne schweifen, Herr Orschiedt? Gibt es nicht ein Pendant in der Welt des gepflegten Cocktails?

    Molekulare Drinks, wenn man nicht gerade mit Naturgelatine und dem Bioei arbeitet? Oder hat sich die feste(re) Form des (flüssigen) Drinks bereits erledigt?

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