frauen

Der Bar-Appeal.

Debatte 22.2.2012

Bereits Jack London schrieb in »König Alkohol« darüber. Frauen und Bars, ist das kompatibel? Einst stürmten sie die Lokale und forderten ein allgemeines Alkoholverbot. Als endlich die Prohibition durchgesetzt war, hielt ein neues Phänomen Einzug. Frauen gingen in Bars und amüsierten sich. Wozu das führt und was das mit Bartendern zu tun hat, erläutert aus eigener Erfahrung unser amerikanischer Autor.

Die Verbindung zweier völlig wesensfremder Organismen endet für gewöhnlich, wenn teilweise auch nach interessanten Ansätzen, in einer Katastrophe. Das gilt insbesondere für eine Liaison zwischen Dir und einem Bartender. Selbst beim unerschütterlichsten Glauben an die alles überwindende Macht der Liebe ist der Lifestyle eines Insiders (Bartender, Kellnerin, Koch, etc.) mit dem eines Outsiders (Steuerberater, Reiseverkehrskauffrau, Postbeamter, etc.) nicht kompatibel. Jedenfalls nicht auf lange Sicht.

Du hast es geschafft und den scharfen Neuzugang hinter der Theke klargemacht. Das szenige und topgestylte Geschöpf mit dem Shaker, den unzähligen Freunden und den besten Connections.

In Euren ersten Monaten genießt Du leidenschaftlichen Sex und die besten Cocktails. Dazu serviert man tiefe Blicke über den Tresen, kostenlose Drinks, Gratishäppchen und jede Menge neuer Freunde. Doch dann, ganz schleichend, verändert sich etwas. Du hast keinen Nerv mehr für Sex um 4 Uhr morgens, wenn Dein Lovebird nach Suff und Qualm stinkend ins Bett gekrochen kommt. Es macht Dich fertig, wie die ewig flirtwillige Konkurrenz auf dem Nachbarhocker lauert. Romantische Wochenenden sind dank Hochbetrieb in der Bar Fehlanzeige. Und der permanente Schlafentzug geht Dir mächtig auf den Wecker.

“Meine Mutter stellte ständig Fragen wie ’Was will er aus seinem Leben eigentlich machen? Er kann ja nicht für immer Bartender bleiben.’” – Lacy Wright*, bekennende Bartender-Userin und eine meiner Exfreundinnen.

Passt ein passionierter Vollblut-Bartender überhaupt mit jemandem zusammen, der vom schicken Büro in der Chefetage träumt? Der erst aus der wachsenden Höhe des Gehaltsschecks seine Existenzberechtigung zieht? Ich habe Ausnahmen erlebt, gebe aber einer karrieremäßig unausgewogenen Partnerschaft so gut wie keine Chance. Eine konfliktfreie Beziehung, in der sie 100.000 mehr verdient als er, gilt immer noch als Einzelfall.

“Sie verließ mich, weil ich ihrer Meinung nach zu unmotiviert war – ich schlief ja täglich bis 2 Uhr nachmittags. Dabei war ich derjenige mit den 1200 € pro Woche, nicht sie. Ich zahlte sogar ihre Hälfte der Miete, als sie ihren Anteil nicht aufbringen konnte.” — Craig Miller*, Bartender, Baltimore MD.

Die meisten der mir bekannten Barmänner und -frauen sind im Grunde auf eine monogame Langzeitbeziehung aus. Das Gerücht des Cocktail mixenden Casanovas, der wahllos Röcke lupft und Herzen bricht, findet allenfalls in meinen Kollegen bis Mitte 20 seine fleischgewordene Entsprechung. Auch wenn uns dank unseres alternativen Lifestyles besonders viele sexy Gelegenheiten über den Weg laufen, heißt das nicht, dass wir diese auch wahr- bzw. mit nach Hause nehmen. Auch wir suchen die große Liebe. Bedauerlicherweise ist das für den Großteil der Restmenschheit schwer zu glauben.

“Du sagtest, dass Flirten ein Teil Deines Jobs ist. Aber Du flirtest mit mir genauso wie mit Deinen Kundinnen! Wenn Du nachts nur noch schnell die Bar saubermachst und dann ganz offensichtlich betrunken um 5 Uhr morgens nach Hause kommst, kannst Du nicht erwarten, dass ich Dir vertraue. Das war unser Hauptproblem.” — Linda McCarthy*, Schullehrerin und eine weitere meiner Exfreundinnen.

Ist Vertrauen für zwischenmenschliche Verbindungen wichtig, so ist es bei einer Beziehung mit einem Barmenschen unerlässlich. Lange Abende getrennt zu verbringen, ist für jedes Paar eine unschöne Sache, aber stell Dir vor, Du sitzt allein zu Hause, während Deine hübsche Freundin mit anderen Männern zusammen ist. Größtenteils mit dubiosen Restaurantmanagern, betrunkenen männlichen Gästen und Kollegen mit Hinter(n)gedanken.

“Ich vertraute ihr bedingungslos und konnte mir nicht vorstellen, dass sie fähig wäre, mich so zu verletzen. Ihre nächtlichen Arbeitszeiten waren eben Teil des Jobs. Außerdem kam sie immer zu mir nach Hause ins Bett. Eines Tages fand ich heraus, dass sie mich betrog – mit einem ihrer Barkollegen. Der mit mir auch noch immer einen auf Kumpel gemacht hatte, wenn ich sie in der Bar besuchte. Ich denke, jeder weiß, wie sich in langen Arbeitsstunden zwischen Kollegen eine gewisse Anziehung entwickeln kann. Das ist praktisch unvermeidbar. Ich würde trotzdem nie so weit gehen wie sie – diese Barschlampen können mich alle mal am Arsch lecken. Einmal und nie wieder!” — Ron Ceccone*, Anwalt

Rons düsteres Fazit ist zwar extrem, seine Geschichte jedoch nicht ungewöhnlich. Auch wenn ich weiß, dass meine heiße Kollegin in einer festen Beziehung ist, werde ich es auf jeden Fall bei ihr versuchen. Diese unbequeme Wahrheit solltest Du Dir ins Gedächtnis rufen, wenn Du das nächste Mal versuchst, dem knapp bekleideten Prachtstück hinter der Theke die Telefonnummer zu entlocken. Du hast eine oder zwei Stunden, um bei ihr zu landen. Ich habe um die 50 Stunden die Woche. Klarer Punktsieg für mich.

Überzeugt Dich irgendetwas hiervon, die Finger vom Barpersonal zu lassen? Vielleicht nicht. Anziehung und Chemie sind zwei gerissene Luder, die sich selten von so trivialen Dingen wie einem Job selbigen vermasseln lassen. Versuchst Du es dennoch, bist Du hiermit gewarnt.

Und an alle Barmen und Barladies da draußen, seien wir ehrlich: Wir sind für Beziehungen mit unseresgleichen gemacht, die zu uns und unserem Lifestyle passen. Vögeln können wir alle anderen ja trotzdem.

 

*Namen von Red. geändert

 

(Dieser Artikel erschien erstmals in MIXOLOGY Issue 1/2011. Das Printmagazin MIXOLOGY erscheint alle zwei Monate. Informationen zum Abonnement finden Sie hier auf MIXOLOGY ONLINE.)

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