Grüne Wiese

Grüne Wiese: Feuchte Träume

Debatte 8.1.2012 1 Kommentar

Mit reißerischem und penetrantem Marketing versucht sich ein weiterer Energydrink einen Platz zu erobern. Die Grüne Wiese geht diesmal nach St.Gallen in die Schweiz.

Süße Träume hat jeder gerne, feuchte nur bedingt und auf Albträume kann man verzichten. Der Energydrink Sexergy hat klares Albtraumpotenzial. Es beginnt schon beim Namen: Auch wenn die Regel zutrifft, dass sex sells, reicht es kaum, das zu behaupten. Hier müsste schon zumindest der Geschmack überzeugen, oder zumindest die Wirkung wahre Hormonstürme auslösen. Sexergy ist aber nichts als heiße Luft.

Alle Energydrinks leiden ja bekanntlich unter ihrem intensiven Bonbongeschmack, mal mehr und mal weniger irritierend. Sexergy – nach eigenem Verständnis der Energydrink mit Alleinstellungsmerkmal – toppt das ganze noch mit einem synthetisch anmutenden Sauerkirschgeschmack. Dann noch ein wenig Koffein, Guarana und Holunder und fertig ist die Mischung, auf die die Welt gewartet hat.

Richtig peinlich ist das Marketingkonzept. Da wimmelt es nur so von den abgeledertsten Begriffen einer Scheinwelt: Trend, Lifestyle, Sex. Die Spots sehen aus wie Parfümwerbung, und die Videoclips versprühen die prickelnde Erotik von abgestandenem Champagner am Morgen danach.

Herrlich auch der Shop. Da kann man mal was für ein Vermögen einen Hubschrauber, eine Luxusyacht oder einen auf Sexergy getrimmten Sportwagen bestellen. Tja, wo sich der Marktführer einen ganzen Formel-I-Rennstall leisten kann, muss man sich hier damit begnügen, die Präpotenzfantasien privatfersehengebildeter (Geld-)Prolls zu befriedigen.

Voller ungewollter Selbstironie auch der Claim: Mit Sexergy stehst Du immer auf der sexy Seite des Lebens! Soviel erotischen Gestaltungswillen hätte man den Schweizern gar nicht zugetraut. Selbst die Generation Porno ahnt aber wohl, dass sie mit diesem Produkt bis auf weiteres nur zur uncoolen Generation Softporno degeneriert.

 

// Die Grüne Wiese wird an Produkte verliehen, die sich durch besonders dreiste Werbeversprechen, stilistische oder geschmackliche Armut auszeichnen. Ursprünglich steht die Bezeichnung für einen Zweikomponenten-Drink aus Blue Curacao und Orangensaft, der dem Trinker die kulinarische Intelligenz eines Wiederkäuers unterstellt. //

 

(Dieser Artikel erschien erstmals in MIXOLOGY Issue 6/2010. Das Printmagazin MIXOLOGY erscheint alle zwei Monate. Informationen zum Abonnement finden Sie hier auf MIXOLOGY ONLINE.)

Ein Kommentar

  1. horizont

    Liebe Mixology Redaktion,

    was ist denn los? Stellt in diese Rubrik – die Debatte heißt -, doch wieder mal anregende, provozierende, zur Reflexion führende Artikel ein wie es euch doch schon öfters gelungen ist. Oder benennt die Rubrik um. Momentan wird’s langsam bißchen langweilig. “Grüne Wiese” ist für uns natürlich auch nett, aber letztlich doch nur “Beiwerk”.

    Grüße und ein gutes neues Jahr

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