Debatte

Neuauflage des Charles Schumann Barbuch Klassikers. Ein Rückschritt der Barkultur.

Debatte 29.1.2012 17 comments

Sonntag ist der Tag, an dem bei MIXOLOGY ONLINE gerne mal heißere Eisen angepackt werden. Unser Autor Steffen Hubert hat sich für den heutigen Sonntag dem deutschen Cocktail-Guru Charles Schumann und besonders der Neuauflage seines American Bar Buches gewidmet. Anstatt in normaler Prosa-Form sind die Gedanken in Brief Form nachzuvollziehen. Dieser Brief wurde primär an Herrn Schumann gerichtet, soll aber nun hier ebenfalls eine Plattform zur kontroversen Debatte bekommen.

„Die Jugend von heute liebt den Luxus, hat schlechte Manieren und verachtet die Autorität. Sie widersprechen ihren Eltern, kleckern mit dem Essen, legen die Beine übereinander und tyrannisieren ihre Lehrer.“ (Sokrates)

Lieber Herr Schumann,
ich war aufgeregt, als ich zum Bar Convent Berlin 2011 mit Ihnen die Bühne für eine Podiumsdiskussion teilen durfte. Es war mir eine Ehre, von der ich wohl noch viele Jahre erzählen werde. Denn ihr Schumann‘s American Bar Buch war für mich, und wie Sie wissen, für viele Andere, der erste Schritt in eine tiefere Auseinandersetzung mit der Barkultur. Selbstverständlich setzte ich mich, gleich vieler Anderer, auch mit Ihren jüngeren Veröffentlichungen auseinander. Doch das letzte Werk brachte mich etwas ins Grübeln und ließ teilweise sogar einen leichten Frust in mir aufkommen. Einige Gedanken, warum dies so ist, möchte ich Ihnen nicht vorenthalten.

Mit deutlicher Verspätung wurde Ende 2011 die Neuauflage Ihres Barbuch Klassikers veröffentlicht. Sie haben einige interessante Rezepturen aufgenommen, einige verbessert und besonders die Warenkunde erscheint im beeindruckenden, neuen Glanz. Dazwischen streuten Sie Ihre eigene Bar-Philosophie. Besonders diese möchte ich in Teilen aufgreifen, da ich persönlich bei Weitem nicht immer zustimmen kann. Schon in der Einleitung erwecken Sie in mir den Eindruck, eine gewisse Abneigung gegenüber der aktuellen, Sie nennen es im Verlaufe des Werkes „Contemporary Bar“, Barkultur entwickelt zu haben. So sprechen Sie zu Beginn von einem „Originalitätszwang“, der „albern“ erscheint (S.7). Noch im gleichen Satz feiern Sie aber die Lebendigkeit der Moderne. Immerhin der angebliche Grund zur Neuauflage des Klassikers (S.8). Warum der Seitenhieb auf die Originalität? Ist die Experimentierfreude nicht eine wesentliche Triebfeder, die unsere geliebte Barkultur blühen und gedeihen lässt?

Wenige Sätze später dann eine ziemlich abfällige Bemerkung über „endlose Diskussionen, die derzeit über die amtliche Tropfenmenge, über Schüttel-, Rühr-, und sonstige Zubereitungstechniken“ geführt werden (S.8). Ich glaube nicht, dass diese Diskussionen geführt werden, weil „manche Barleute zu viel Zeit haben“ und es „ihnen an Arbeit fehlt oder sie sich keine Zeit für Gäste nehmen“ (S.8). Die Identifikation der modernen Bartender mit ihrem Job ist enorm. Einige opfern für diese Debatten sehr viel Freizeit und bereichern dadurch die Arbeit hinter den Theken beachtlich. Es widerstrebt mir, dieses Engagement pauschal derartig negativ zu beurteilen. Sehen Sie hier nicht die „Gewissenhaftigkeit“ und „Liebe zum Beruf“, die Sie selbst fordern (S.230)?

Wer diese Debatten ernsthaft noch verfolgt, würde zum Beispiel nicht auf die Idee kommen, den „Japanese Hard Shake“ lapidar als „fast forward“ Technik zu beschreiben, der lediglich den Drink „sehr kalt“ macht (S.234). Ein wenig mehr steckt da schon dahinter. Oder den Unterschied zwischen Collins und Fizzes immer noch am Rühren und Shaken festsetzen (S.216). Oder seinen Sazerac (S.177) und einen Old Fashioned (S.149) mit „Wasser oder Soda“ einfach „auffüllen“. Einen Martinez als Martini Derivat aufführen (S.139). Wiederauferstehungen wie Old Toms Gin oder chininhaltige Aperitifweine völlig übergehen. Einen Singapore Sling (S.182) mit Soda kredenzen. Und … oder … und … oder … Details, die durchaus in der zeitgemäßen und von Ihnen stets betonten gewissenhaften Gästebetreuung von Vorteil sind. Man will ja nicht einfach irgendwas erzählen oder gar irgendwas auftischen, oder?

Erfreulich empfinde ich die erneute deutliche Betonung der Notwendigkeit von frischen Säften (S.230) und den Warnhinweis, dass besonders Zitrussäfte nicht immer gleich intensiv sind (S.235). Erschreckend in diesem Zusammenhang für mich, dass Sie unter Ihren „Bitte nicht!“ (S.263), folgenden Punkt aufführen:

„Einen Cocktail bitte nicht mit Strohhalm oder Löffel probieren, bevor er den Tresen verlässt. Das ist eine Unsitte vieler Barkeeper.“ (Charles Schumann)

Harte Worte. Jetzt mag man über die Ästhetik der unterschiedlichen Probiertechniken streiten. Übergeordnet sehe ich aber auch an dieser Stelle eher Ihre verlangte „Gewissenhaftigkeit“ als eine „Unsitte“. Wenn Bartender mit frischen Säften oder Gewürzen, eigenen Infusionen sowie hausgemachten Sirupvarianten arbeiten, sieht die Sachlage für mich so aus: Bitte im Zweifelsfall Drinks definitiv abschmecken, bevor diese zum Gast gehen. Der Gast möchte ein harmonisches und gleichbleibendes Getränk. Der Bartender ist dafür verantwortlich.

Sie schwärmen von frischem Zitronensaft (S.251) und behaupten auf einer anderen Seite, dass es „vermutlich besser“ ist, „wenn man gleich mit guten Säften arbeitet, die industriell zubereitet und abgefüllt wurden“ (S.240)? Nur weil die frischen Säfte jemand ein paar Stunden aufbewahrt hat? Quatsch. Selbst frischen Limettensaft kann man mit etwas Aufwand vorab pressen und so aufbewahren, dass er nicht umgehend bitter wird. Und bitte, „Rose‘s Lime Juice“ ist absolut keine Alternative zu einem frisch gepressten Limettensaft (S.251). Darüber hinaus fragte ich mich beim blättern erneut, wie man, ohne abzuschmecken, Ihre angegebenen Rezepturen sinnvoll verwirklicht, deren Mengenangaben 1/4, 1/2 oder 1 Limette beinhalten. Aus meiner Erfahrung bekomme ich aus einer halben Limette zwischen 1 und 4 cl Saft! Ihre Herangehensweise an Säfte ist summa summarum stiefmütterlich, inkonsequent und nicht den heutigen Ansprüchen genügend.

Inkonsequenz sehe ich auch an anderen Stellen. Sie wünschen keine „Fantasie-Martini-Namen?“ und keine Variationen des Cocktail-Urvaters (S.264)? Bitte nehmen Sie aber dann in der nächsten Auflage mindestens den Sakétini (S.175), eine Eigenkreation aus Ihrem Haus, aus dem Buch. Sie sind der Meinung, dass „Cocktails im Regelfall nicht mehr als drei Zutaten enthalten und ein Cocktail in den seltensten Fällen durch zu viele Zutaten besser wird.“ (S.230)? Erinnern sie sich an ihre eigenen Kreationen? Swimming Pool? Flying Cangaroo? Außerdem muss ich empfehlen, einen der aktuellen Wettbewerbe mal zu besuchen. Ihre erneut abgedruckte Abhandlung über Dekorationen (S.261) ist nämlich obsolet (Tiki-Wettbewerbe ausgenommen). Ich werde kleinlich und sollte zum Ende kommen.

Sie verlangen auf Seite 276, dass „Kinder“ die alte Riege in Ruhe lassen sollen, wenn diese „Whisky trinken“? Kann ich nachvollziehen und ich bitte, meine Störung zu entschuldigen. In diesem Fall war es mir leider nicht möglich, da Sie meines Erachtens nicht nur der Barkultur und dessen Nachwuchs einen Stein in den Weg gelegt haben, sondern auch den von Ihnen stets betonten Gästen. Ihr Werk transportiert in weiten Teilen leider ein veraltetes Bild der Barkultur. Ihr Name wird diese Karikatur tief in die Bevölkerung und in viele Bars tragen. Und ich sehe schon, wie mir wieder ein Old Fashioned mit einem Kännchen Soda serviert wird. Das ist ein Rückschritt, der mich schaudern lässt. Gerne hätte ich Sie und Ihr damaliges Werk weiterhin als außerordentlichen Meilenstein der deutschen und internationalen Cocktailgeschichte gesehen. Doch leider musste diese Idolisierung nun Trübungen hinnehmen.

Trotzdem verbleibe ich hochachtungsvoll, sogar in der Hoffnung selbst noch bei Gelegenheit eine echte „Watschen“ von Ihnen zu bekommen,
Steffen Hubert

„Ich habe überhaupt keine Hoffnung mehr in die Zukunft unseres Landes, wenn einmal unsere Jugend die Männer von morgen stellt. Unsere Jugend ist unerträglich, unverantwortlich und entsetzlich anzusehen.“ (Aristoteles)

 

Schumann’s Bar

Autor: Charles Schumann

Verlag: Colection Rolf Heyne

Preis: 35,00 €

 

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17 comments

  1. Jean-Pierre Ebert

    Für den anhaltendenden und absehbaren Bar-und Bucherfolg macht Charles Schuhmann ganz schön viel falsch. Ratlosigkeit bleibt.

    😉

  2. Jean-Pierre Ebert

    Zur Vermeidung von Fehlinterpretationen: Ratlosigkeit über den Autor des offenen Briefes.

  3. Helmut Adam

    Ach, JPE! Geh doch mal raus an die Sonne! Das Trollen hier steht Dir doch gar nicht. Du brauchst frische Luft! Herzlichst, HA.

  4. Steffen Lohr

    Well done und sowas von genau auf den Punkt gebracht Meister Hubert…..chapeau…you made my day;)

  5. marc stein

    Herr Hubert,
    ich muß zugeben, ich verstehe Ihr Anliegen! Ihre Art und Weise allerdings nicht!
    Ist es eine Abrechnung mit Herrn Schumann? Mit einem 70 jährigen Menschen, der auf sein Leben zurück blickt und sieht, daß Er viel bewegt hat, und vor allem auch weiß, mit was Er Geld verdient hat? Ich habe vor einiger Zeit noch sein Interview hier auf Mixology gelesen und für mich ist in etwa zu erkennen, was für ein Mensch Herr Schumann ist. Vielleicht hat Er zu gewissen Zeiten den Absprung verpaßt, vielleicht hätte Er sich schon in den 90ern nicht nur Nachahmer gewünscht.
    Vielleicht ist es jetzt nur noch eine Art Generations Konflikt? So wie wir VIVA nicht mehr verstehen?
    Ich finde, dieser Artikel hätte gar nicht sein müssen! Schumanns Ansichten sind 30 Jahre unantastbar gewesen und jeder hat genug Zeit gehabt, es für sich zu hinterfragen. Saft im Sour? Ja, nein, vielleicht….
    Die heutige Generation von Barbetreibern macht auch nicht alles richtig. Nachhaltigkeit? Fehlanzeige! Schnelles Geld ist auch schnell wieder weg! Bars auf Zeit, Clubs auf Zeit, Bars die es gibt, Bars die es nicht gibt:)!?

  6. nils wrage

    Ich muss sagen, dass ich mit der „Bar-Philosophie“ der neuen Auflage auch nicht wirklich viel anfangen kann – sicher, sie ist in vielen Momenten schumann-typisch amüsant, aber eben auch überaus revisionistisch, teilweise auch unangebracht. Wenn da, nur beispielsweise, lapidar von „Gemüsekisten“ gesprochen wird, die „hinter den Tresen geschleppt“ werden (falls ich nicht ganz sauber zitiere, tut mir das Leid, habe die Ausgabe nicht zur Hand), dann frage ich mich, wie Charles Schumann einerseits der Meinung sein kann, dass „sein“ Standardwerk einer Neubearbeitung unterzogen werden muss, obwohl er indes große Teile der aktuellen Entwicklungen in der Barszene nur mit Distanz oder sogar Häme zu betrachten scheint. Die zwei Dutzend neuen Rezepte können jedenfalls nicht der Anlass gewesen sein.
    Im übrigen finde ich es schade, dass in der überarbeiteten Warenkunde zugunsten einer etwas größeren Breite leider die Tiefe sehr gelitten hat, was die Herstellung gerade der zentralen Spirituosen u.ä. betrifft.

  7. Aron

    Interessehalber: Warum ist in Herrn Schumanns Buch eine ganz Seite Werbung für Mixology und Cocktailian gewidmet wenn das Buch so schlecht ist?

  8. Helmut Adam

    Hallo Aron (und andere Kommentatoren),

    die Tatsache, dass der Mixology Verlag und Charles Schumann eine Menge Sympathie füreinander empfinden, hindert beide Seiten nicht daran, sich mit den Produkten der jeweils anderen Seite auch kritisch auseinanderzusetzen.

    Dieser Beitrag war eine Initiative unseres Autors Steffen Hubert, dem Unstimmigkeiten in der Neuauflage aufgefallen waren. Hieraus eine generelle Verlags-Haltung abzuleiten, ist abwegig.

    Cocktailian und Mixology wurden nicht auf unsere Initiative in die neue Schumanns-Auflage integriert. Es war eine freundliche Geste von Charles, uns dort zu zeigen. Es handelt sich also nicht um eine Anzeige.

    Wer genau hinsieht, kann aber auch dort – so er diese Interpretation zuläßt -eine versteckte Kritik entdecken. Auf einem Blatt Papier ist ein Zitat aus Patrick Gavin Duffys „Official Mixers Manual“ untergebracht, das lautet: „The idea of calling a bartender a professor or a mixologist is nonsense (…).“

    Im Übrigen schreibt Herr Hubert nirgendwo, dass „das Buch so schlecht ist“.

    Mit freundlichen Grüßen, Helmut Adam.

  9. Helmut Adam

    Noch eine kleine Anmerkung aus aktuellem Anlass:

    Wer sich auf Amazon die Kritiken zur Schumanns-Neuauflage ansieht, findet dort auch den Namen Mangomix, der dem Buch volle fünf Punkte zugesteht.

    http://www.amazon.de/Bar-Charles-Schumann/dp/3899104161/ref=sr_1_4?ie=UTF8&qid=1330098455&sr=8-4

    Mangomix, für viele tiefergehende Cocktail- und Spirituosen-Beiträge auf Wikipedia verantwortlich, hat in der Vergangenheit vor allem Bücher des Autors Brandl erbarmungslos durch die Mangel genommen.

    Diese offensichtlichen „Formschwankungen“ in der Kritik erinnerten mich wieder einmal an den schönen Spruch: „Der Kritiker ist nichts, der Macher ist alles!“

    Charles Schumann ist ein Macher. Steffen Hubert übrigens auch.

    Prosit!

    HA

  10. mangomix

    [Hallo, hab leider nicht korrekturgelesen, bitte vorheriges Posting und diese Zeile vor dem Freischalten löschen]

    Danke für die Verlinkung, Helmut. Ich freue mich, wenn meine Lesermeinungen zu Cocktail- und Barbüchern auch von Profis gelesen werden 😉

    Aber was soll die “Spitze” über “offensichtliche Formschwankungen in der Kritik”? Erwartest du, dass ich ein Schumann-Buch schlecht bewerte, weil es Mixology gerade in den Kram passt, oder weil F. Brandl mal eines schrieb, das mir nicht gefiel? Zur Info, meine Rezension erschien bei Amazon im Dezember, einen Monat BEVOR Steffen sich hier äußerte. Darin habe ich Schumann’s widersprüchliche Haltung zu “modernen” Trends durchaus an einigen Beispielen aufgezeigt. Im Detail liegen Steffen Hubert und ich auch gar nicht wirklich auseinander, ich kann jeden einzelnen Kritikpunkt, den er hier darlegt, nachvollziehen. Wo wir uns sehr wohl unterscheiden, ist die Schlussfolgerung: Steffen nennt das Buch einen “Rückschritt in der Barkultur” – ich finde, es ist nach wie vor (und gerade in der Neuauflage) ein großartiger, lesens- und empfehlenswerter Klassiker. Ein “Macher”, ein Leser, zwei Meinungen, wo ist das Problem?

    Der Vergleich mit Brandl hinkt zudem gewaltig, schon in deiner Aussage, ich hätte in der Vergangenheit „vor allem“ Brandl-Bücher “ bewertet. Mit Verlaub, das ist Käse: Unter meinen 16 Rezensionen betreffen nur 2 ein Brandl-Buch (aus >30, die er wohl insgesamt schrieb), bei Schumann sind es ebenfalls 2 (aus ca. einer Handvoll). Hätte ich den Anspruch, “umfassend” zu sein, Brandl wäre eher unter- als überrepräsentiert.

    Mit der Formulierung “erbarmungslos durch die Mangel genommen” unterstellst du zudem einen bösen Vorsatz, ja unterschiedliche Maßstäbe, beides muss ich zurückweisen. Brandls “Cocktails hoch 3″ habe ich nur deshalb 2 von 5 Sternen gegeben, weil sich alle Produktempfehlungen darin als Schleichwerbung entpuppten. Man muss kein altgedienter “Macher” sein, um Schleichwerbung saublöd zu finden (sie ist immerhin in Deutschland verboten!) Und was “Liköre” zu einem m. E. sehr mittelmäßigen (2 von 5 Sternen) Buch macht, kann jeder bei Amazon selbst nachlesen. Und glaub mir, das Buch sachlich bewerten, obwohl dessen Autor mich mit Beleidigungen und persönlichen Attacken überzieht, war keine leichte Übung 😉

    Zurück zu Schumann, um den es hier ja eigentlich geht: bekanntlich ziert sein Name eine hübsche Serie von Bargläsern der Fa. Schott Zwiesel, die auch regelmäßig in der Mixology zu sehen sind. Trotz dieser Zusammenarbeit ist die Kollektion aber erst ganz am Schluss des Buches abgebildet. Für die Glassymbole bei den 500 Drinks im Rezeptteil verwendet Günter Mattei ganz schlichte, typisierte und “neutrale” Abbildungen. Dabei hätte Product Placement hier so nahe gelegen. Eine winzige Kleinigkeit nur, aber eine, die mir an dem Buch gefällt.

    Gruß, Chris aka “Mr. Mangomix”

  11. marc stein

    zwischen “ ich gebe dem Herrn Schumann mal volle 5 Punkte, weil er so ist, wie er ist und zu seinen Gedanken steht, seien sie noch so altbacken oder zerstreut!“ und “ Herr Brandel hat von mir abgeschrieben und deshalb kann ich ihm heute leider kein Foto geben“ liegen aber WELTEN Herr Adam

  12. Redaktion

    @mangomix

    Nur in Kürze, da muss man nicht mehr draus machen, als es ist:

    – „Spitze“: Ich lese in meinen Zeilen keine Spitze. Es ist eine Kritik am Kritiker, wenn Du so willst. Dementsprechend muss man nicht auch gleich zum Gegenangriff übergehen. 😉 So empfindlich?

    – „Vor allem“: Ich bezog mich auf Cocktailbücher. Deine vernichtenden Kritiken betrafen primär Bücher von Brandl. Oder liege ich da falsch? Ich werde jetzt nicht recherchieren oder textliche Haare spalten.

    – Die Schwäche Deiner Kritik sehe ich, wenn man die fachlichen Kritikpunkte vergleicht. (Um Kritik an werblichen Inhalten ging es mir nicht.) Wenn Du fachliche Aussagen von Brandl haarklein durchanalysierst…

    „(…) Manchmal ist Brandl ungenau (so bringt er beim „Swimming Pool“ statt des Originalrezepts eine pappsüße Variante) (…)“ – Mangomix bei Brandls „LIköre auf Amazon

    …Dir aber nicht auffällt, dass klassische Rezepturen wie der Julep oder der Sazerac nach wie vor fehlerhaft sind in der Neuauflage von Charles im Jahr 2011/12, ist das für mich Formschwäche. Ich schätze, der Kritiker hatte hier wirklich mal Respekt vor einem großen Namen. 🙂

    Und an dieser Stelle legt Hubert den Finger in die Wunde. Wenn man „O tempores, o mores“ ruft und warnend den Zeigefinger hebt angesichts der jugendlichen „Mixologen“, die überall aus dem Boden sprießen, sollten die Hausaufgaben bei den Klassikern gemacht sein.

    Was mich persönlich anbetrifft, so wären mir die Kritikpunkte von Steffen Hubert gar nicht aufgefallen. Der Beitrag hier auf MIXOLOGY ONLINE ist auf seine Initiative entstanden und veröffentlicht worden.

    Ich finde das Buch schön, den Leineneinband und das überarbeitete Design gelungen. Charles selbst äußerte mir gegenüber, dass er gar nicht so scharf auf eine Neuauflage war. Bei seiner Leistung, seinem Lebenswerk, verschieben sich mit der Zeit sicher auch die Prioritäten. Charles muss niemandem mehr etwas beweisen. Das Buch wird sich, Kritik hin oder her, auch weiterhin bombig verkaufen. Da bin ich mir sicher.

    Ansonsten ist das Äußern von Kritik, hier und woanders, natürlich immer willkommen. Nicht, dass man mich falsch versteht.

    HA

  13. mangomix

    Lieber Helmut, das war aber eine lange Antwort ;).

    Meine Rezensionen siehst du hier, das großartige PDT Cocktail Book von Jim Meehan kam gestern hinzu: http://www.amazon.de/gp/cdp/member-reviews/A1FRAFJV4CL5YU/ref=cr_cm_rdp_pdp_see_all?ie=UTF8&sort_by=MostRecentReview

    Zu „Formschwächen“ in der Kritik: Mag’s geben, schließlich schreibe ich als Leser und Privatperson, subjektiv, ohne den Anspruch alleiniger Deutungshoheit. Amazon ist ja nicht das Feuilleton der „Zeit“. Und ja, vor Charles Schumann habe ich sehr großen Respekt, was nicht gleichbedeutend ist mit bedingungsloser Lobhudelei – insoweit finde ich Steffens Kritik völlig in Ordnung, auch wenn ich das große Wort vom „Rückschritt in der Barkultur“ immer noch für übertrieben halte.

    Du findest, ich hätte bei Schumann fehlerhafte Rezepturen übersehen. In meiner Rezension schrieb ich: „der Schwerpunkt liegt auf vielfach erprobten Drinks und den großen Klassikern der Bar – allerdings oft „à la Schumann“ (also manchmal etwas eigenwillig) variiert oder vereinfacht“. Das meint auch den Mint Julep, den Sazerac oder O-Saft im Sour, ohne jedes der 500 Rezepte einzeln auseinanderzufieseln. Gleichwohl erscheint mir dein Urteil „fehlerhaft“ bei Drinks, deren Wurzeln in dunkler Vergangenheit liegen, sehr hart (war Harry Craddocks Aviation von 1930 „falsch“, weil er keine Crème de Violette benutzte?). Schumann hatte immer schon einen gewissen „Schumann-Style“. Und er sagt schließlich selbst, dass er von übertriebenem Originalitätszwang nichts hält. Würde er für sich reklamieren, DIE historisch „richtige“ Rezeptsammlung herauszugeben, wäre er angreifbar, genau das tut er aber m.E. nicht. Im übrigen: das Buch mag die „Bar-Bibel“ sein, aber ich komme aus dem protestantischen Norden, wir sind es gewohnt, heilige Schriften nach Bedarf ein wenig „auszulegen“ 😉

    Brandls „Liköre“ kann man mit „Bar“ eigentlich gar nicht vergleichen, es will ein Fachbuch über die wichtigsten und interessantesten Liköre sein, die Rezepte sind eher Beiwerk. Im übrigen hielt ich sie in meiner Rezension für „meistens (…) ganz gut gewählt“, der nicht originale Swimming Pool, auf den du abstellst, ist doch nur eine Randbemerkung. Verzichtbar ist das Buch aus ganz anderen Gründen: fehlende Neutralität, fragwürdige Produktauswahl, vor allem aber oberflächliche, schlecht recherchierte Produktinfos. Und das kann man von Gabanyis umfassender Warenkunde in Schumanns „Bar“ nun wahrlich nicht behaupten!

    Schöne Grüße, Chris
    aka „Mr. Mangomix“

  14. Helmut Adam

    @mangomix You’ve made your point, I’ve made mine. Jetzt können wir alle wieder arbeiten und trinken gehen. 😉 Prosit! HA

  15. Joerg Meyer

    Einen Finger in eine Wunde legen, so möchte ich bemerken, ist grundsätzlich eher schlechter Stil. Glücklicher weise gab es hier keine Wunden. Und keine gelegten Finger.

    Ein Basil Smash mit Minz Deko gehören, wie einige andere Fehler, zu den Klassikern in der ersten Auflage von Cocktailian 1. Bei Cocktailian 2 kam vor kurzen die Kritik auf, einige Produktbeschreibungen seien etwas zu ungefiltert von den kooperierenden Firmen übernommen worden.

    Beides sind dennoch großartige Bücher. Schumann’s Neuauflage in meinen Augen ebenso. Und einige Kritikpunkte, die Steffen nicht so sehr gefallen, finden bei mir anklang.

    Lassen wir die Kirche im Dorf.

    Steffen Hubert nennt Schumann’s Klassiker einen „Rückschritt in der Barkultur“. Das ist in meinen Augen unangebracht und vermessen. Man möge mich altbacken nennen. Aber Respekt und respektvoller Umgang miteinander, sind in meinen Augen dem KULTUR in „Magazin für BarKULTUR“ zuträglich.

    Gruß

    Jörg Meyer

  16. Helmut Adam

    Herr Meyer, wie Sie einem meiner Kommentare oben entnehmen können, kann man aus dem Artikel von Steffen Hubert keine Verlags-Haltung ableiten. Ich bitte das zu beachten. Respektlos finde ich persönlich seine Aussagen allerdings nicht. Aus seinen Zeilen klingt eher Enttäuschung. Er hatte sich offenbar mehr erwartet. Jedes Produkt da draussen muss sich der Kritik stellen. Und der Kritiker wiederum ebenfalls einer Überprüfung seiner Aussagen. Was hier ja nun ausreichend geschehen ist. Prosit!

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