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Pils für die Bar: Von Buddelship bis Fiege Pils

Drinks 16.11.2017

Unsere Rubrik „Bier für die Bar“ widmet sich dem Stil, der nach wie vor das Rückgrat der deutschen Bierwirtschaft darstellt: Pils. Der untergärige Bierstil-Klassiker aus Tschechien sorgt mit einer Vielfalt an Malzsorten und Hopfen für variantenreiche Braumöglichkeiten. MIXOLOGY ONLINE Bier-Experte Peter Eichhorn hat Tipps für die Bar parat.

Deutschlands wichtigster Bierstil ist und bleibt das Pils. Die Marktanteile liegen bundesweit bei über 50 Prozent – mit der großen Ausnahme Bayern, wo Weizenbier die meist getrunkene Bierart ist. Die Beliebtheit von Pils bedeutet daher auch, dass Gastronomen den Bierstil kaum ignorieren dürfen, wollen sie ihre Gäste glücklich machen. Nachbarstile wie Helles oder Lager mögen zuweilen eine Alternative darstellen, aber Markentreue, Loyalität zum Pils-Stil sowie die Vorfreude auf Schaumkrone und eine Mischung aus Spritzigkeit, Hopfen, dezenten Bitternoten und herben Abgang bleiben bewährt und beliebt.

Der Pilsner Ursprung

Seinen Ursprung hat der Bierstil in Tschechien. Im Jahre 1842 schuf der Brauer Josef Groll aus Vilshofen an der Donau im Städtchen Pilsen ein neues, goldenes und untergäriges Gebräu. Die Kombination aus dem weichen Wasser von Pilsen und dem Hopfen aus dem nahe gelegenen Saazer Land bot eine ideale Grundlage für seine neue Kreation.

Optisch wie geschmacklich läutete das Gebräu aus Pilsen ein neues Brauzeitalter ein. Das untergärige Bier nach Pilsener Brauart verbreitete sich rasch auch über die Grenzen Böhmens hinaus und verdrängte zunehmend die damals üblichen Braunbiere. Das berühmte Pilsner Urquell war geboren, und auch heute noch verweist die Jahreszahl 1842 auf jeder Flasche auf die Wiege des berühmten Braustils. Der böhmische Pils-Stil ist meist malziger und milder, gerne mit einer dezent buttrigen Note versehen.

Insbesondere in deutschen Landen wurde dieser Bierstil bald zum Favoriten der Gerstensaftjünger. Je nach Region ist das Wasser weicher oder härter, Lagerbedingungen und Geschmack wurden angepasst. So wurde Pils dann unverkennbar und doch vielfältig, im Vergleich zu dem Pilsner Original deutlich bitterer und schlanker.

Hier einige Empfehlungen von verschiedenen Pils-Varianten.

Schönramer Pils

Lederhose und Cowboyhut am Braukessel. Bald 20 Jahre betreut ein Braumeister aus Wyoming die Sude der Privaten Landbrauerei Schönram in Oberbayern. Eric Toft bewies bereits weit vor der Craft Beer-Welle, wie charaktervoll ein Pils munden und sich ausdrucksstark von langweiligen Industrie-Pilsen unterscheiden kann.

Die Brauerei besteht seit 1780, als der Landwirt Jakob Köllerer mit Braustätte, Gasthof und Stallungen einen beliebten Postkutschenstopp zum Pferdewechsel an der Strecke zwischen München und Salzburg schuf. Heute gelingt der familiengeführten Brauerei eine gelungene Mischung aus Traditionsbieren und innovativen Kreativbieren. Die Auszeichnung zum besten Pils der Welt im Rahmen des renommierten World Beer Cup im Jahre 2014 bestätigte die Braukunst von Eric Toft im Umgang mit dem beliebten Braustil, für den er ausschließlich ausgewählte Gerstensorten und einheimische, bayrische Aromahopfen verwendet.

Spritziger Antrunk mit zarter Zitrusfrische, dann vielschichtige Hopfenaromen werden begleitet von einer dezenten, malzigen Süße, die in einem langen Nachhall mit angenehm herber Note münden. Im Spätherbst, nach der Hopfenernte, kommt alljährlich für einen kurzen Zeitraum auch das Grünhopfenpils der Brauerei auf den Markt. Es wurde mit erntefrischem Hopfen eingebraut und zeigt eine weitere Facette von Hopfigkeit und Charakter im Pils.

Fiege Pils

Die Pilsbiere aus Süddeutschland zeichnen sich jedenfalls durch eher milde Wesenszüge aus. Im Gegensatz dazu erwarten die Fans des norddeutschen Stils eine knackige Bitternote und einen deutlich herberen Charakter. In diese Stilistik kann man auch das Pils der Privatbrauerei Moritz Fiege einreihen. Die Brauhistorie der Familie Fiege reicht bis ins Jahr 1878 zurück, seither existiert die Traditionsbrauerei in Bochum. Nie hörte die Familie auf, Innovationen aus dem Braukessel zu zaubern, und so kamen in den letzten Jahren immer wieder neue Kreationen heraus, die Tradition und Innovation verknüpfen, beispielsweise das Weizen, Gründer-Export oder das Moritz Fiege Alt.

Kernprodukt aber bleibt das Pils vom Fass oder aus der klassischen Bügelflasche. Gekrönt von einer stabilen, feinporigen Schaumkrone, verströmt das Pils dezente Hopfennoten und vollmundiges Getreide inmitten einer Frühlingswiese. Die Aromahopfensorten Perle und Tettnanger prägen den Charakter. Am Gaumen kommt dann die herbe Note zum Tragen, die sich im langen Abgang weiter fortsetzt.

Buddelship Mitschnagger Pils

Untergärige Biere sind meist etwas komplizierter zu brauen als obergärige Brauwaren. Aus diesem Grund wagen sich anfangs noch nicht allzu viele Craft-Brauer an Bierstile wie Pils. Einer, der von India Pale Ale über Baltic Porter bis Pils alle Braustile beherrscht, ist Simon Siemsglüss mit seiner Buddelship Brauerei in Hamburg. In einer früheren Fischkonservenfabrik im Ortsteil Eimsbüttel entstehen seit 2014 schmackhafte Handwerksbiere. Darunter das Mitschnagger Pils, ein unfiltriertes Pils mit den Hopfensorten Saaz, Ella und Saphir.

Die Nase wittert eine intensive  Fruchtigkeit, gepaart mit floralen Noten. Herb im Antrunk, kommt insbesondere im Abgang der klassische Pils-Charakter gut balanciert zum Vorschein. Das Buddelship Mitschnagger Pils ist ein herrliches Pilsbier, in dem Tradition und Avantgarde sich auf vorzügliche Weise ergänzen.

Lemke Bohemian Pilsner

Der Name verrät bereits, Braumeister Oliver Lemke ließ sich von der Ursprungs-Herkunft des Braustils inspirieren. Das Brauhaus Lemke zählt zu den Pionieren der modernen Berliner Braulandschaft und widmet sich der Innovation genauso wie auch der Klassik. Das Bohemian Pilsner ist ein europäisches Bier. Böhmisches Malz und Hopfen aus dem Saazer Land, gepaart mit East Kent Golding und weiteren Malzen, wie Carared und Wiener Malz. Das Ergebnis ist eine kraftvolle, dunkelgoldene Farbe und eine frische Nase mit floralen Noten und zartem Zitrus. Deftige Malznoten gesellen sich zu frischer Blumenwiese, dazu ein Hauch von Nuss. Süffig und sehr aromatisch und sauber, trocken und herb im langen Nachhall.

Fazit: Die Vielfalt an Malzsorten und der Variantenreichtum an Hopfen sorgen auch beim Pils-Stil für herrlich vielfältige Braumöglichkeiten.

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