Hans Erismann tsyri

Der Brenner spricht: Hans Erismann

Drinks 25.11.2017

In Zeiten immer spitzer werdender Destillerie-Profile ist Hans Erismann einer der letzten Universal-Brenner. Der Schweizer hat sich zuletzt sogar widerstrebend dem Gin zugewandt. Darüber spricht der knorrige Brenner ebenso wie über seinen Whisky „Tsyri“ – und warum so mancher auf seinen „Härdöpfler“ als Mittel gegen Alterszucker schwört.

Das Spirituosenland Schweiz wird immer noch auf den Kirsch reduziert, selbst den zwischen Limmat und Rhein gerne getrunkenen „Pflümli“ kennt man im Ausland kaum. Hans Erismann widmet sich aber nicht nur den Fruchtbränden, der im Kanton Zürich beheimatete Brenner probiert gerne auch anderes aus – zuletzt mit einem „Weihnachtsgin“, der in forderte.

Denn wenn etwas wie sein Whisky Tsyri die Destillerie in Bülach verlässt, dann muss es für den Brenner in vierter Generation auch passen. Was der Schweizer darunter versteht, erzählt Hans Erismann in der aktuellen Folge von „Der Brenner spricht“.

MIXOLOGY: Herr Erismann, Sie sind Brenner in vierter Generation in Bülach. Wie hat sich der Spirituosenkonsum gegenüber der Zeit, – sagen wir: Ihres Vaters – verändert?

Hans Erismann: Der große Unterschied zu meinem Vater besteht darin, dass die Fruchtdestillate in den letzten Jahren immer weniger nachgefragt werden. Früher hatte jedes Restaurant noch einen kleinen Tank mit einem Kräuterbrand und Kernobst für all die Kaffees. Diese Zeiten sind vorbei. Natürlich kompensiert der Gin und Whisky-Konsum diese Ausfälle aber.

MIXOLOGY: Ihr Portfolio ist bewusst breit angelegt – vom Grappa bis zum Kernobst, vom Absinth bis zum Likör. Nimmt der Markt das an oder geht es da um den Brenner-Stolz?

Hans Erismann: Mein Portfolio habe ich bewusst breit gehalten, denn ich mache gerne alles und probiere auch gerne Neues aus.

MIXOLOGY: Die Schweiz ist das ewige „Kirsch“-Land. Nervt das Klischee – vor allem im Ausland – einen Brenner?

Hans Erismann: Nein, mich stört das Image wenig, dass wir ein Kirschland sind. Dieser Brand ist auch bei mir stark nachgefragt. Dies hängt stark mit den Schweizer Nationalgerichten Fondue und Raclette zusammen. Zum Fondue nehmen Herr und Frau Schweizer eben gerne ein „Kirschli“.

MIXOLOGY: Sie betonen die Jahrgangsunterschiede beim regionalen Obst, spürt man da auch den viel beschworenen Klimawandel? Und wenn ja, wie?

Hans Erismann: Betreffend Klimawandel kann ich keine Auskunft geben. Ich glaube eher, dass es von Jahr zu Jahr Unterschiede gibt.

„Auf die Goldmedaille für meinen Tsyri bin ich stolz.“

MIXOLOGY: Abgesehen von den Wetterkapriolen: Welches Obst fordert Sie am meisten am Brennkessel?

Hans Erismann: Am Brennkessel fordert mich eigentlich nichts, außer die Früchte mit wenig Zuckeranteil. Die hat man nicht so gerne.

MIXOLOGY: Vor allem junge Brenner klagen immer wieder über die „teuren“ Exporte aus der Schweiz – trifft das auch Sie?

Hans Erismann: Ich mache keine Exporte. Natürlich würde es mich freuen, wenn ich meine beiden Gins oder den Whisky in Deutschland oder anderswo verkaufen könnte. Es hat sich halt nie ergeben. Mir fehlen auch die Beziehungen ins Ausland. Also: Interessenten sind herzlich willkommen!

MIXOLOGY: Der Whisky hat das Bild ein wenig geändert, hier gilt die Schweiz als eine der besten Erzeugernationen am Festland. Sie machen auch Whisky, was waren da die größten Lernpunkte?

Hans Erismann: Beim Whisky macht mich stolz, dass die World Spirits meinen „Tsyri“ mit einer Goldmedaille und über 93 Punkte ausgezeichnet hat. Natürlich ist das Fass jedes Mal eine Herausforderung. Beim Whisky allerdings hat mich noch kein Fass enttäuscht. Ich schaue halt, dass ich nur gute Fässer kriege. Auch lasse ich den Whisky fünf Jahre im Fass reifen. Für mich sind die dreijährigen Abfüllungen zu wenig ausbalanciert.

MIXOLOGY: Wie verkauft sich der „Tsyri“-Whisky eigentlich am Heimmarkt Schweiz? Und was sind aktuell die Bestseller zwischen Genf und St. Gallen?

Hans Erismann: Wie überall in Europa wird nur noch Whisky und Gin getrunken.

„Ich dachte immer, Gin sei ein reines Bargetränk.“

MIXOLOGY: Sie waren kein großer Fan des Gins, jetzt machen Sie mit „Züri“ (Eigenmarke) und „Seefelder“ (Lohnbrennerei) gleich zwei. Warum?

Hans Erismann: Den Seefelder Gin mache ich im Lohnauftrag. Damit habe ich keine Probleme. Beim Gin dachte ich immer, dass es ein reines Bargetränk sei, und ich komme ja von den Fruchtdestillaten her. Mittlerweile mache ich es gerne. Ich habe auch einen neuen Winter Gin lanciert mit viel Zimt; dafür brauchte ich aber fast 20 Versuche, bis die Harmonie stimmte.

MIXOLOGY: Wie kam es eigentlich zum Härdöpfler (Schwyzerdütsch für Kartoffel, Anm. d. Red.), dem Brand, der gegen Alterszucker helfen soll?

Hans Erismann: Beim Härdöpfler habe ich noch nie einen Doktor gefragt. Diejenigen Leute, die ihn gegen Alterszucker nehmen, schwören drauf.

MIXOLOGY: Wenn Sie nur ein Destillat erzeugen dürften, was wäre das?

Hans Erismann: Ich könnte nie nur ein Destillat erzeugen. Jedes hat seine Geschichte und ist spannend.

MIXOLOGY: Von welchen Destillaten gibt es Ihrer Meinung nach zu viel am Markt?

Hans Erismann: Es gibt genug schlechte Destillate.

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