Rückblick auf die Destille 2013. Die Gewinner-Gins.

Drinks 26.11.2013 3 comments

Vom 21.-23. November fand in Berlin-Kreuzberg die zweite Destille statt. Das Craft Spirits Festival bietet Spirituosenherstellern aus Deutschland, Österreich und der Schweiz eine gesonderte Plattform um ihre Produkte zu präsentieren. Für drei Tage wurde das kulinarische Angebot der Markthalle Neun um edle Gins, Brände, Whiskeys, Liköre und flaschengereifte Cocktailansätze erweitert.

Mit dem Craft Spirits Festival möchten Veranstalter Theo Ligthart und seine Partner kleine Hersteller fördern, die naturbelassen produzieren und nach traditionellem Handwerk arbeiten. Denn diese haben oft nicht die nötigen Ressourcen sich einem großen Publikum zu präsentieren. „Größe und Kapazität unserer Aussteller reicht häufig kaum für einen überregionalen Vertrieb aus“, so Ligthart. „Auftritte auf Wein- oder Spirituosen-Fachmessen sind für die meisten kleineren Brennereien unerschwinglich.“ Das Festival sei auch eine „Initiative für mögliche Synergie-Effekte“ für die Hersteller untereinander, so der Veranstalter.

Ligthart ist für seine eigene Spirituose „das korn“ bekannt, vornehmlich aber als Künstler. So begann „das korn“ ursprünglich als Kunstprojekt. Die Idee war, ein wirtschaftliches Unternehmen zu gründen, das nicht nach ökonomischen, sondern nach künstlerischen Prinzipien geführt wird. Der Künstler als Unternehmer – Ligthart stellt mit seinem Projekt gleichzeitig die Kommerzialisierung der Kunst, aber auch ihre Autonomieansprüche in Frage.

Ob trotz oder gerade wegen dieser speziellen Entstehungsgeschichte, der GSA-Markt hat das Produkt gut angenommen und die MIXOLOGY BAR AWARDS nominierten „das korn“ 2009 in der Kategorie „Spirituose des Jahres“.

Als Aussteller waren Produzenten aller Spirituosen zugelassen, solange sie eine Reihe von Bedingungen, wie eine traditionelle Herstellungsweise, die Gewährleistung der Rückverfolgung jeder einzelnen Abfüllung oder den Verzicht auf künstliche Zusatzstoffe erfüllten.

Die besondere Aufmerksamkeit der Destille 2013 galt aber der Spirituose Gin. 21 Produkte hatten sich für die zwei Preis-Kategorien im Festival-Wettbewerb um den „Gin aus deutschsprachigen Ländern“ angemeldet. Einige Gin-Hersteller waren auch als Aussteller vor Ort. Der „Beliebteste Gin“ wurde vom Publikum gewählt, das alle Produkte in der Markthalle verkosten konnte. Der „Beste Gin“ wurde von einer Fachjury aus Vanessa Gürtler von Wodka Wanessa, Gastronomiejournalist und Spirituosenexperte Peter Eichhorn, Bartender Atalay Aktas und Thomas Hartges vom Spirituosenvertrieb Waldemar Behn GmbH in Blindverkostung ermittelt. Mit Ligthart und Lars Jäger von Slowfood Berlin waren auch zwei der Veranstalter unter den Juroren.

Shooting-Star Stauffenberg

Zufall oder Trinkgewohnheit, das Berliner Publikum blieb bei seinen Leisten: der heimische Adler Gin kam auf den ersten Platz. Die Gutsbrennerei Schloss Zinzow wurde mit ihrem Baltic Dry Gin zweiter. Dritter und vierter Publikumsliebling – es hatte gleiche Punktzahlen gegeben – waren der Stauffenberg Gin, erst seit wenigen Wochen auf dem Markt, und der Clouds Gin aus der Schweizer Humbel Brennerei.

Franz von Stauffenberg konnte sich gleich über zwei Preise freuen. Die Fachjury verlieh ihm als „Besten Gin“ Silber. Gold ging an den Blue Gin aus Österreich, Bronze zu Monkey 47 in den Schwarzwald.

Beim Verkosten war unter den Jurymitgliedern eine interessante These entstanden: „Vor ein, zwei Jahren hätten alle den Monkey 47 sofort rausgeschmeckt“, meinte Theo Ligthart. „Dass das jetzt nicht mehr so einfach war zeigt, was für einen Trend dieser Gin ausgelöst hat.“ In letzter Zeit seien viele neue Gins auf dem Markt gekommen, die den würzig-blumigen Aromen des Schwarzwald-Gins nacheifern würden. Ein neues Bewusstsein für dieses spezielle Gin-Geschmacksprofil ist entstanden.

Das Destille-Publikum war bunt gemischt und setzte sich nicht nur aus Fachbesuchern zusammen. Nach Ligtharts Einschätzung waren nur die Hälfte der Besucher aus der Gastronomie- und Barwelt. Der Rest, so Ligthart, seien Spirituosenliebhaber gewesen, oder auch Leute, die gerade erst anfangen, sich mit Spirituosen zu beschäftigen.

Das Interesse für Qualitätsprodukte bei den Berliner Verbrauchern bleibt beständig. Viele scheinen bereit zu sein, dafür auch tiefer in die Tasche zu greifen – zumindest im Slow Food-Paradies Markthalle Neun.

Wäre da nicht, zwar versteckt, aber doch sichtbar, in einer Ecke der Halle der KIK Markt gewesen, man hätte fast geglaubt er wäre wahr geworden, der Traum von einer  nachhaltigen Konsumwelt. Die Destille 2013 hat in jedem Fall dazu beigetragen, das Verbraucherbewusstsein für handwerkliche Qualität und regionale Herkunft auch im Bereich Spirituosen zu schärfen.

Weitere Informationen: destilleberlin.de

Bildquelle: Thomas Kochan

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