Der Dirty Martini. Randerscheinung oder etablierter Cocktail?

Drinks 6.8.2013 6 comments

Der Legende nach soll Franklin D. Roosevelt mit einem Dirty Martini auf das Ende der Prohibition angestossen haben. Wo Wermut und Gin zu diesem Anlass ausgegraben wurden und ob die Legende der Wahrheit entspricht, lässt sich nicht mehr überprüfen. Sicher ist allerdings, dass der Drink bis heute überdauert hat und die Lager in Liebhaber und Skeptiker spaltet.

Der Dirty Martini sieht sehr nach einer amerikanischen Angelegenheit aus. Der legendäre Präsident Roosevelt soll nicht nur das Ende der Prohibition mit diesem Drink begossen haben, sondern war angeblich so angetan von der Mischung, dass er sie auch Stalin und Churchill anbot. Ob den damaligen Bündnispartnern der Cocktail ebenso mundete, ist leider nicht überliefert.

Aber blicken wir ins Heute und in die jüngere Vergangenheit. Im amerikanischen CHOW-Blog, einem Journal für Liebhaber guten Essens und guter Drinks, wurde schon vor zwei Jahren eine kontroverse Diskussion über den Dirty Martini geführt. Autor Jordan Mackay hadert mit seinem jugendlichen Ich über die Annahme, dass der Dirty Martinis die Krone des „sophisticated drinking“ sei. Heute sieht er sich eher in der Reihe der Kritiker.

Fans und Feinde

Die Bar „East Side Show Room“ in Austin, Texas, wiederum beschloss, sämtliche Oliven aus ihrem Angebot zu streichen. Ohne Olivenlake bestehe auch keine Möglichkeit für Gäste, einen Dirty Martini zu bestellen. „The Number of grossly dirty martinis served in this town is astounding“, war die schonungslose Analyse des ehemaligen Bar-Managers Adam Bryan zum Thema.

Eine Lanze für den Dirty Martini bricht dagegen seine Kollegin Misty Kalkofen, die unter anderem in der bekannten Bar „Drink“ in Boston tätig war. Als in den 90er Jahren die Cocktailszene von Vodka-geschwängerten Zuckerbomben beherrscht wurde, war der herzhafte Martini ihrer Meinung nach eine wahre Wohltat für gepflegte Geschmacksnerven. „If I had to choose between a sickly-sweet nightmare or a dirty martini, I’d go dirty martini as well“, gibt sie zu Protokoll.

Aber was macht den Dirty Martini denn genau wirklich aus? Sind es die eher ungewöhnlichen Geschmackserlebnisse, die die salzige Olivenlake hervorruft oder passt einfach die Kombination aus Wermut, Salz und Gin so gut? Und ist der Dirty Martini denn wirklich ein Cocktail, der sich global etablieren konnte oder eher ein rein amerikanisches Phänomen?

Cihan Anadologlu aus dem Münchner Schumann‘s verortet den „schmutzigen“ Cocktail ganz klar in den Vereinigten Staaten. „Zum ersten Mal ist mir der Dirty Martini in New Orleans begegnet. Der erste wurde über mich verschüttet, den zweiten habe dann ich bestellt.“ Und auch wenn Anadologlu seinen Martini klassisch und mit Zitronentwist favorisiert, sieht er im Dirty Martini durchaus eine Variante mit Berechtigung. „Für Liebhaber der Olive eine schöne Variante“, so sein Urteil.

Olivenbenetzung statt Fatwashing

Neil Sweeney, Chef de Bar in der Frankfurter Gekkos Bar, verbindet eine persönliche Erinnerung mit dem Dirty Martini. „Bei einer Super Bowl Party eines Freundes wurden die besten Hotdogs versprochen. Ich sollte einen dazu passenden Cocktail mixen und improvisierte einen Dirty Martini.“ Mit ein paar Ergänzungen fand er irgendwann seinen persönlichen Twist des Dirty Martini. „Meine Variante ist ein Mix aus Dirty Martini und Gibson.“ Der Olivenlake werden noch zwei Löffel Lake von Perlzwiebeln hinzugefügt. Und auch für die Garnitur werden Olive und Perlzwiebel gemeinsam auf einem Spieß gesteckt.

Sweeney präferiert auch die Variante mit Vodka statt Gin, da „man hier die Lake besser herausschmeckt, und die ist schließlich essenziell am Dirty Martini“. Generell fällt für ihn der Dirty Martini in die Reihe der „deftigen Cocktails“, aber ohne dabei so schwer auszufallen  wie ein „Fatwashed Bourbon Sour“. Die relative Leichtigkeit und der leicht salzige Geschmack funktionieren seiner Meinung nach bestens als Appetitanreger vor einem guten Essen.

Und ob Roosevelt nun wirklich die Prohibition mit Olivenwasser im Gin beendete, ist am Ende unerheblich. Es bleibt die Feststellung, dass der Dirty Martini ein interessanter Drink mit schönen Variationsmöglichkeiten ist und damit durchaus eine Daseinsberechtigung auf den Barkarten des Landes hat.

 

Dirty Martini Cocktail

5 cl Vodka oder Gin

1 cl trockener Wermut

1-3 Barlöffel Olivenlake (je nach Geschmack)

Glas: Cocktailschale

Garnitur: Drei grüne Oliven (mit Stein und direkt aus der Salzlake) am Spieß

Zubereitung: Alle Zutaten im Rührglas auf Eis miteinander verrühren und in das vorgekühlte Cocktailglas abseihen. Oliven hinzugeben.

 

Bildquelle: aboutpixel.de / XXL-Oliven © gammelstaad

6 comments

  1. JGatsby

    „Ist der auch vegan?“

    Leute, wer nicht die Eier hat für einen Three Martini Lunch, soll einfach Vodka trinken. Dafür wird schließlich das Zeug ja gekocht.

    Aber es ist kein Martini, weil dessen Idee neunmal das Zusammenspiel der Gewürze ist. Was Vodka bekanntlich nicht hat und Vodka-Liebhabern zu krass ist.

    Für meine kleine Nichte mache ich auch „Mädchen Cappuccino“ ohne Espresso. Also aufgeschäumte Milch mit Kakaostaub. Nur darf sie es so nennen, weil sie noch ein Kind ist. Eure Schuhmann-Duskussionen haben aber Null Legitimation und die will ich in meiner Bar auch nie hören.

  2. Redaktion

    Lieber JGatsby,

    nanu, wie haben wir Dich denn mit einem vier Jahre alten Artikel so in Rage versetzen können? Und wo kommt das vegane Three-Martini-Lunch her? Im Text findet es sich jedenfalls nicht. Vielleicht erstmal einen koffeinfreien Cappuccino zur Beruhigung?

    Mit legitimen barkulturellen Grüßen
    // Nils Wrage

  3. Jeffrey

    Unbeantwortet bleibt die Frage,ob die Lake schwarzer oder grüner Oliven besser geeignet ist.

    • Redaktion

      Lieber Jeffrey,

      selbstverständlich ist die Lake grüner Oliven gemeint.

      Herzliche Grüße
      // Nils Wrage

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