alternativen zum gin & tonic

FÜNF! Alternativen zum Gin & Tonic, Teil II

Drinks 5.3.2017

Je mehr davon getrunken wird, umso mehr sucht man nach Alternativen zum Gin & Tonic. Muss es immer die koloniale Paarung sein? Mitnichten! Wir widmen uns zum zweiten Mal der Suche nach Ersatz.

Ganz egal, wie oft und vehement einige Szenekenner mittlerweile sagen, dass Gin & Tonic schon wieder auf dem absteigenden Ast ist: Das ist Blödsinn. Er ist so sehr im Mainstream, wie er es noch nie gewesen ist. Vielleicht hat die Bar-Blase inzwischen die Nase voll, ist übersättigt – der Konsument allerdings noch lange nicht. Das ist auch nicht schlimm. Dennoch ist es völlig normal, dass man irgendwann beginnt, sich nach Alternativen zum Gewohnten umzusehen. Auch zum Gin & Tonic, diesem Tausendsassa. Daher stellen wir uns heute zum zweiten Mal die Frage, mit welchen FÜNF! Drinks man viele Liebhaber des aktuellen Highball-Platzhirschen auch begeistern kann.

1) Wacholder & Tonic

Warum in die Ferne schweifen, wo doch auch die Heimat eine echte Tradition im Brennen von Wacholder und anderen ginverwandten Produkten hat? Dabei ist es im Prinzip ganz gleich, ob es sich im einen Geist, also im Prinzip um eine Art Gin handelt, oder aber um einen echten Wacholderbrand.

In jedem Fall ist der Wacholder & Tonic etwas spitzer und kantiger als viele der heutigen G&Ts. Die ölige Frische der Wacholderbeeren geht eine kraftvolle Liaison mit der Bittere aus dem Tonic ein, ein Fest für jeden Freund ausdrucksstarker und ätherischer Noten. Ein klarer Favorit: Der Doppelwachholder (nur echt mit zwei „h“) der Brennerei Eversbusch, den es neuerdings auch noch in einer Version mit 56% Vol. gibt.

2) London Buck

Treffen sich die beiden Trends Gin und Inwer am späten nachmittag heimlich und sprechen darüber, wie sehr sie in ihren Beziehungen gelangweilt sind: Der Gin beklagt sich über die Verbitterung seines Partners, der Ingwer ist furchtbar gelangweilt, weil seine „bessere Hälfte“ immer so still ist, wenn sie zusammen sind.

Lass uns mal heute abend zusammen was starten, denken sich die beiden also – das Ergebnis ist ein London Buck. Es gibt verschiedene Rezepturen: Manche verlangen nach Ginger Ale, andere nach Ginger Beer, wieder andere machen die Trennung zwischen „Mule“ und „Buch“ daran fest, ob mit Limette (Mule) oder Zitrone (Buck) gesäuert wird. Gibt es eine Zitronenzeste oder die unvermeidliche Gurke? Und dann gibt es noch die Frage: Bitters oder nicht? Das Schöne am London Buck ist, dass er das alles nicht so eng sieht. Er ist kein Old Fashioned, bei dem das Tröpfchen Bitters oder die letzte Sekunde Rühren zu viel ist. Der London Buck ist ein lockerer Kollege, und seine beiden Hauptzutaten freuen sich, dass die ab und an mal was Lockeres miteinander haben können.

3) Genever & Soda

Was im ersten Teil unserer Aufzählung vor einem knappen Jahr für den Gin galt, trifft natürlich auch auf Genever zu: Der ältere, malzigere Bruder des Gins funktioniert selbstverständlich (wie eigentlich fast jede Spirituose) auch mit einm frischen, spritzigen Soda.

Dabei ist es dem eigenen Gusto überlassen, ob man sich eher eines „Jonge“ oder eines leichten „Oude“ Genevers annimmt und so einen frischen, vielleicht mit einem Dash Orange Bitters aufgejazzten Highball zubereietet, oder aber mit einem fassgelagerten Genever ein wenig in Richtung eines Whisky & Soda mit ordentlich Botanicals in der Nase geht. Für welche Richtung auch immer man sich entscheiden mag: der Wacholder, der ist immer mit dabei.

4) Gin-Mizuwari

Über die unheimliche Mischung aus Frische und Komplexität, die der japanische Mizuwari bereit hält, wurde gerade in letzter Zeit auch außerhald des Landes der aufgehenden Sonne vermehrt gesprochen. In ihrem Heimatland wird die zunächst simpel wirkende, in der Zubereitung aber durchaus anspruchsvolle Paarung aus Whisky und kaltem, frischen Wasser teilweise geradezu kultisch verehrt.

Dabei liegt der größte Pluspunkt eines Gin-Mizuwari wohl in seinem Überraschungsmoment: Je nach gewählter Verdünnung (sie sollte sich irgendwo zwischen 1:1 und 1:3 einpendeln), lassen sich auch dem seit Jahren vertrauten Lieblingsgin ständig neue Arömchen und Nuancen entlocken. Wichtig ist dabei, mehr als sonst noch: das Eis! Klar und in großen, beständigen Stücken gehört es ins Highballglas, wo es zunächst mit etwas Wasser gerührt wird, um das Glas zu kühlen (dieser Schritt kann natürlich bei einem Glas aus de Froster entfallen). Nach dem Abgießen des Wassers kommt eine generöse Ladung Gin dazu, der zunächst ein wenig kaltgerührt wird. Schließlich darf man in einem bedächtigen Zeremoniell nach und nach frisches, möglichst kaltes Wasser einrühren, bis die gewünschte Ratio steht. Und dann heißt es – bei jedem neuen Glas, bei jedem neuen Wasser, einfach immer wieder –: entdecken! Es ist unglaublich, was gutes, kaltes Wasser (niemals zu viel!) mit einem Gin anstellen kann. Und natürlich: In einem Mizuwari hat eine Garnitur gar nichts, aber auch gar nichts verloren.

5) Tequila & Tonic

Eine der Lieblingspflanzen der Bar-Zunft ist und bleibt die Agave. Ihr weltweit bekanntestes Produkt, der Tequila, hat sich in den letzten Jahren an der Bar als ernstzunehmender Protagonist gefestigt, der Agavenbrand findet auch jenseits von Margarita, Paloma und dem immer noch praktizierten, unsäglichen Shot-Ritual Verwendung.

Noch immer eine Nische ist hingegen der Tequila & Tonic, vorzugsweise und mit Blick auf seine Aromatik (oder seine Wirkung?) natürlich gern als „TNT“ bezeichnet. Vorzugsweise ein blumiger, fruchtiger Blanco freut sich über ein Zusammentreffen mit einem trockenen, zitralen Tonic. Gemeinsam entwickeln die beiden Partner eine komplexe Aromatik, die fern jeder Beliebigkeit liegt und uns zeigt, dass es sich dabei nicht um den nächsten Versuch der Industrie handelt, neue Wege des Marketings zu erschließen. Salud!

Photo credit: via Shutterstock; Postproduktion: Tim Klöcker

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