Gin-Innovation

FÜNF! mal Gin-Innovation, die hoffentlich nie kommen wird

Drinks 2.4.2017

Dem vollbeladenen Gin-Zug geht noch immer nicht der Dampf aus. Befeuert und gepusht rast er weiter durch die Lande, eine vermeintliche Gin-Innovation jagt die nächste. An der heutigen Haltestelle werden jedoch FÜNF! Gins aufgeladen, die das Licht der Welt nie erblicken werden. Oder vielleicht doch?

Spoiler Alert: Ja, Humor ist ein zartes Pflänzchen in Deutschland, und möglicherweise hat der zu dieser Jahreszeit noch überproportional niederprasselnde Regen es schon gänzlich überschwemmt (schließlich ist ja gar der Karneval schon vorbei). Dennoch sei jeder humor- und freudlose Zeitgenosse an dieser Stelle gewarnt. Das Satire-Magazin MIXOLGOY versucht sich an einem nicht ganz ernst gemeinten Artikel. Das wird doch wohl erlaubt sein?!

Joerg Meyer und Stephan Garbe sind wohlbekannte Zeitgenossen der hiesigen Barlandschaft. Vor einem Jahr kamen beide auf die recht amüsante Idee, den ersten Beef-Gin herauszubringen. Wir zogen nach und produzierten mit Master Distiller Karim Fadl einen überaus überteuerten Premium Gin mit handgepflückten Botanicals. Beides ein Aprilscherz. Für beides regnete es zahlreiche Anfragen. Gin das an Ihnen vorbei? Es zeigt nur, was passiert, wenn eine Spirituose in den Fokus des Mainstreams rückt und unbedarfte Trinker plötzlich ein Produkt um des Produktes Willen hypen. Es zeigt gleichermaßen, wie abstrus die eigentliche Kategorie mittlerweile geworden ist. Alles scheint möglich, und genau deswegen präsentieren wir heute einige Möglichkeiten für die Zukunft. Mal sehen, was davon in fünf Jahren Wirklichkeit sein wird. Den die eine oder andere Gin-Innovation werden wir wohl noch erleben.

1) Fish & Chips Gin

Hat ein jeder Engländer nicht ob des anstehenden Brexits sowieso schon Tränen in den Augen, so treibt ihm der Gedanke an einen Fish & Chips Gin nun endlich selbige vor Freude in diese. Mal ehrlich: Was gäbe es traditionell-passenderes, außer vielleicht den durch Unabhängigkeitsbestrebungen mittlerweile verhassten schottischen Haggis, als das britische Leibgericht schlechthin? Nichts. Fair enough…  ‚Ne Kabeljau-Infusion hier, ’nen Makrelen-Fatwash da? Warum nicht gleich räuchern und anschließend über den Pot-Still? Wo Gin doch fälschlicherweise schon vom Mainstream für eine ausschließlich auf die Britannia Rule-Idee zurückgehende Erfindung gehalten wird, würde sich ein Fish & Chips Gin doch gar noch viel mehr anbieten als jener mit Beef Patties… Mit den Chips hätten wir dann sogar noch einen Hybrid aus traditionellem Vodka und Gin. Nichts ist unmöglich im 21. Jahrhundert und im Kosmos der Gin-Innovation. Selbst das nicht.

2) Veganer Gin

Mein Lieblingsthema und gar nicht mal so absurd. Ich liebe sie, die Spaziergänge durch den Prenzlauer Berg mit leerem Magen. Sucht man nach Fleisch, Fisch, Herzhaftem oder einfach nur nach etwas, das schmeckt, sucht man hier vergebens. Stattdessen gibt es einhundertprozentig Veganes auf die Gabel. Einen laktosefreien Shake dazu, versteht sich. Oder eine Biolimonade ohne künstliche Zusatzstoffe. Lecker. Ordert man die Rechnung, wundert man sich, aus welchen Löchern ob des lumpigen Wareneinsatzes plötzlich all die Euro-Zeichen heraus spazieren.

Aber hey, Vegan ist hip. Und hipper ist vegan dann, wenn die Gerichte Fleisch oder Fisch-Imitate oder traurig dreinblickender Ersatz sind. Wohl bekomm’s. Ein veganer Gin ist natürlich nichts als Unfug, aber durchaus denkbar. Zwar sind wir uns alle der Tatsache bewusst, dass die Ingredienzien eines Gins in der Regel – sofern nicht Variante 1) hier greift – vegan sind, doch wird es wohl noch irgendwo in der Hauptstadt einen Start-Up Unternehmer geben, der windig genug ist, etwas eigentlich Veganes plötzlich als neuesten Shit auf dem veganen Markt zu verkaufen. Die ganzen Mate-Hipster werden sich darum reißen und den ein oder anderen Sip beim sonntäglichen Spaziergang am Mauerpark nehmen. Vor meinem geistigen Auge rollt bereits der erste Food-Truck mit veganer Gin-Innovation in unterschiedlichen Infusionen über die sowieso längst dürre Wiese selbigen Parks. 100% Vegan. Cheers.

3) Blumen- und Rosen

Was dem Pseudoromantiker in Vorabendserien oder Schwiegertochter-gesucht-Formaten als Nonplusultra dient, wird ganz einfach umfunktioniert in Ingredienzien eines Gins. Schöne Namen tragen sie, diese Blumen. Primel, Zierlauch, Petunie, Mimose oder auch Bartfaden. Ästhetisch. Sollte die Auflistung ähnlich ernüchternd klingen, so bleibt ja noch die Allzweckwaffe schlechthin, die, sofern man sie denn vergessen hat, von einem Verkäufer der Nacht zu exorbitanten Preisen gerne dargebracht wird: die Rose.

Mittlerweile gerne zum Kindernamen avanciert, erfreut sich die Rose ja als Tinktur und Sirup inzwischen großer Beliebtheit. Zwar ist sie als einzelnes Botanical bereits in der vielleicht wichtigsten Gin-Innovation der letzten 20 Jahre, dem Hendrick’s Gin, enthalten. Doch warum keine ausschließliche Destillation mit ausgewählten weiteren, auf Rosenblätter abgestimmten Blumensorten. Die Liste ist lang: Hortensien, Maiglöckchen oder Tulpen. Die zahlreichen mythischen Bedeutungen hinter der Art würden dem Gin gleich noch einen Gin, pardon, Sinn geben. Man denke gar an Flaschendesign, das einer Blumenart nachempfunden werden könnte, und verschnörkelte Schrift für das Logo. Ein Traum, der vielleicht Wirklichkeit wird? Vielen Dank für die Blumen!

Gin-Innovation: Wann ist es eigentlich genug? Sagen Sie uns in den Kommentaren ihre Meinung!

4) Tee does it!

Contenance! So würde es der Queen wohl entfahren, würde sie unseren Schmäh-Artikel auf britisches Kulturgut lesen. Na gut, hier mal eine relativ realistische Idee. Die Tee-Infusion-Reihe eines in Great Britain zugezogenen, findigen Expats, der den Gin-Markt vermeintlich längst durchschauen konnte. Nach Selbstfindungs-Trips in Indien, Nepal und China, langen erkenntnisreichen Wanderungen auf dem Trampelpfad des Lebens kehrt dieser mit einer Darjeeling-Mischung zurück. Vielleicht hat er auch Oolong dabei. Mit Sicherheit auch originalen Ceylon-Tee zu erschwinglichem Preis. Tatsächlich ist Tee durchaus in einigen wenigen Gins als Botanical enthalten, etwa im Beefeater 24. Aber bislang geht damit noch keiner hausieren. Und das ist ja eigentlich der entscheidende Punkt!

Das eingesparte Geld zahlt er, unser Expat, dann einer der zig Food-Pairing-Seiten dieser Welt, um die DNA seiner Mischungen vollends zu scannen und auf andere Botanicals zu erforschen, was er dann mit großen und schwülstigen Worten als Abenteuerreise nach dem Sinn des Lebens brandet. Nun destilliert er im Keller seiner eigenen vier Wände billig Gin, bestellt sich über Online-Shops etwaige zuzufügende Botanicals. Anschließend fügt er sie seiner Tee-Mischung bei und verkauft den Gin als „Discoverer’s Choice – Darjeeling Edition“. Für das Frühstück kommt die „Assam Small Batch Edition“ in den Shaker. Gekonnt und womöglich gerade daher wahrscheinlich, da Tee zunehmend die Aufmerksamkeit erfahrener Bartender zuteil wird. Warten wir es ab. Klingt jedenfalls schon plausibler.

5) Allet mit Jemüse bitte!

Kohl ist sein Name und den meisten nicht nur als Kanzler der Einheit bekannt. Was mögen die Deutschen lieber als ihren Kohl? Kohlrabi? Mist, da steckt das Wort ja auch drin. Ob weiß, rot, oder grün; der Kohl hat in Deutschland keine Repressalien ob seiner Farbe zu erwarten. Und das deutsche Feld ist allgemein hin weit, wie es Fontane einst schon bemerkte. Auf der Tummelwiese des Bauer-sucht-Frau-Kandidaten tummeln sich auch Radieschen, Sauerkraut, Karotten, Brokkoli, Rettich und Blumenkohl. Mist, schon wieder Kohl. Was so undenkbar aus den letzten Ecken des Gehirns zu entsprungen sein scheint, zeigte sich einst in der Form des Gin Sieben. Zwar nahm dieser sich kein Gemüse zum Vorbild, doch exerzierte er deutsche Kräuter von A-Z. Schnittlauch, Sauerampfer, Kresse, Kerbel, Petersilie. Warum sollen denn nur die herbalen Erzeugnisse destilliert werden? Spannend wäre es doch auch, wenn man sich hiesige Felder einmal anschauen würde. Rutte, zwar aus den Niederlanden, sich aber bekanntlich eines gleichen Klimas erfreuend, kam zumindest schon auf die vielbeachtete Idee, einen Sellerie-Gin herzustellen. Ich wiederhole: Das Feld ist – im wahrsten Sinne des Wortes – weit.

Was auch immer in der den Red Dot Design Award der Zukunft gewinnenden Gin-Flasche landen wird. It’s all about marketing. Allen noch nach „kreativen Ideen“ suchenden Jung-Unternehmern sei eines gesagt: Die Kuh sei zu melken, so lange sie noch Milch gibt.

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