alternativen zum gin & tonic

FÜNF! Alternativen zum Gin & Tonic

Drinks 3.4.2016 5 comments

Juniperus ergo sum? Wacholder, also bin ich. Dieses Diktum scheint im Highball-Bereich aktuell das Glaubensbekenntnis zu sein. Doch es muss nicht immer Gin sein. Es wird wärmer und die Lust auf spritzige Highballs wächst und wächst. Doch wie wäre es statt des nächsten G&T mit ein paar Alternativen? Wir versammeln FÜNF! der schmackhaftesten Anverwandten des britisch-spanischen Dauerbrenners.

Sicher braucht man Ihnen nicht erklären, wer Ed Sheeran ist. Dieser kleine, leicht gnomenhafte oder gar pumuckeleske britische Songwriter mit dem schelmischen Lächeln, das so etwas besagt wie: „Ich habe mir gerade heimlich noch einen zweiten Keks genommen“. Ed Sheeran, diese 25-jährige Wunderwaffe der Musikindustrie, ist ein Phänomen: Obwohl er wie nur wenige fest im absoluten musikalischen Mainstream verankert ist, gelingt es seinem Management nach wie vor, ihn als edgy, cool und tonangebend zu verkaufen. Ob das an den tätowierten Armen liegt? Oder an den stolz zur Schau getragenen roten Haaren? Oder daran, dass er unverhohlen die Vokabeln „Sex“ und „Fuck“ in seine Lyrics integriert, obwohl er weder Gangsta Rapper noch Protestsänger ist? Plötzlich jedenfalls steht dieser Ed Sheeran dann auf der Bühne bei der Victoria’s Secret-Show. Oder im Werbespot für Dr. Dres (mittlerweile Apples) Beats-Kopfhörer. Ganz oben.

Ein bisschen lässt sich der Gin & Tonic dieser Tage mit Ed Sheeran vergleichen. Er ist aktuell mehr Victoria’s Secret, als es Champagner von sich behaupten kann. Und dennoch seit Jahrzehnten so was von Mainstream, dass es wehtun könnte. Trotzdem jagt derzeit eine neue Prestige-Abfüllung die nächste, zusammen mit Premium-Tonic liegt der Literpreis deutlich über dem einer guten Flasche Schaumwein. Und was würde ein Werbeträger arschcooler Kopfhörer zu Sneakers und weißer Bomberjacke wohl derzeit eher trinken als Gin & Tonic? Eben. Ganz oben. Aber irgendwie auch ein bisschen „over the top“.

Dabei ist ein Gin & Tonic, dieser göttliche Zweiteiler, etwas Wunderbares. Einzig die Monomanie, mit der die gefühlten hunderttausend deutschen Gin-Kenner über ihn sprechen und in immer neue Höhen vorstoßen („ … habt ihr von Monkey 47 auch den Distiller’s Cut oder nur den Billigen?“) stört ein wenig und lässt den wirklich geneigten Genießer, der mitunter auch nach einem gesunden Maß an Abgrenzung sucht, nach Alternativen Ausschau halten. Und davon gibt es reichlich. Schauen wir uns heute, zu Beginn des ersten richtigen Frühlingsmonats, FÜNF! davon genauer an.

1) Der Fruchtige Klassiker: Portwein & Tonic

Einen simplen Portwein & Tonic – auch Porto-Tonic oder schlicht Portonic – bekommt man im westlichsten Land Europas an jeder Ecke und besonders gerne an warmen Nachmittagen auf den Tisch gestellt. Genauer gesagt: Einen möglichst trockenen White Port mit viel Eis und in etwa der doppelten Menge Tonic Water im Weinglas.

Wer das erste Mal einen Porto-Tonic kostet, wird vor allem überrascht sein von der Dichte der Aromen, die sich trotz des niedrigen Alkoholgehalts des Ports (ca. 20% Vol.) im Glas einen Wettkampf um den besten Platz liefern. Je nach Sorte dominieren Töne von reifem Kernobst, Zitrus, Pfirsich, Mandel, Stachelbeere oder auch Blüten. Da letztlich auch trockener White Port im Gegensatz zu Gin ein wenig Zucker enthält, sollten Freunde der ganz trockenen Gangart darauf achten, eines der mittlerweile gut verfügbaren Light- oder Dry-Tonics zu verwenden, um den Drink zu balancieren (z.B. von Fentimans, Schweppes, Aqua Monaco oder Fever Tree).

In jedem Fall verbindet sich die feine Säure des Weins harmonisch mit der Bitteren aus dem Tonic und macht vor allem Lust auf folgendes: ein zweites Glas. Und das ist aufgrund der legeren Ladung an Alkohol auch ohne Weiteres möglich. Als Garnitur empfiehlt sich gerne ein Minzzweig oder eine Grapefruitzeste.

2) Trockener wird’s nicht: Gin & Soda

Ungelagerte Spirituosen mit Soda genießen oft einen zweifelhaften Ruf als Drinks für den ungenierten, auf sein Gewicht bedachten Süffel: Ein diskreter Drink mit ein klein wenig Geschmack, wenig Kalorien und letztlich trotzdem durchschlagender Wirkung. Das mag vielleicht für Vodka & Soda gelten, aber keinesfalls für das Äquivalent mit Gin.

Tatsächlich ist ein Gin & Soda an sich nichts anderes als ein „erwachsenerer“ G&T für Menschen, die keine Über- und Untermalung, sei sie süß oder bitter, zu ihrem Gin brauchen. Denn Aromen, die bringt ein guter Gin wahrlich auch von alleine in ausreichender Menge mit. Aufgefüllt mit Soda in gleichen Teilen oder im Verhältnis 1:2, ergibt sich das, was mit Tonic niemals möglich wäre, nämlich eine exakte Aufschlüsselung des Gins und seiner geschmacklichen Komponenten. Und nur des Gins. Verdünnung mit ein wenig Kohlensäure, die für die nötige Leichtigkeit und zusätzliche Freisetzung der Aromen sorgt. Mehr braucht es nicht, um einen erfrischenden, dabei dennoch intensiven Highball auf den Tresen zu zaubern. So manchem mögen beim ersten Versuch vielleicht noch die Süße und die übrigen Seitenaromen des Tonic Waters fehlen. Aber wenn man diese Gewohnheit erst einmal hinter sich gelassen hat, bringt der Gin & Soda mindestens ebenso viel Freude wie der chininhaltige Dauerbrenner.

3) Die andere Hälfte vom Martini: Trockener Wermut & Tonic

Im Prinzip ein enger Artverwandter des Portonic, allerdings mit einer anderen aromatischen Ausrichtung. Denn während der White Port zumeist vor allem Fruchtaromen in den Drink zaubert, geht der trockene Wermut bekanntlich eher in Richtung blumiger und herbaler Noten. Hinzu kommt aber ein anderer wichtiger Umstand: Der Wermut bringt zusätzlich zur Säure auch noch seine eigene Bittere mit. Ein Wermut & Tonic ist also zwar gleichzeitig wesentlich süffiger als ein Gin & Tonic, da der Alkoholgehalt weitaus niedriger ist, hat jedoch gerade im Bereich der Bitterkeit ordentlich was zu melden.

Hinzu kommt – eine weitere Parallele zum Portonic – ein unglaublicher Variantenreichtum. Denn die Auswahl an Botanicals, die den Weg in den Wein finden, dürfte sogar noch heutzutage die meisten Gin-Hersteller grün vor Neid werden lassen. Da liegt es nahe, dass kein Wermut & Tonic dem anderen komplett ähnelt, sondern dass man es stets wieder mit einem neuen Aromenbild zu tun bekommt – mal dominiert Melisse, mal Lavendel, dann wieder Verbena oder ganz klassisch eben Wermutkraut. Ein Drink wie ein Chamäleon. Aber immer herrlich!

4) Botanicals mal anders: Aquavit & Tonic

Warum erfährt Aquavit in diesen Tagen nicht dieselbe Aufmerksamkeit wie Gin? Denn, salopp betrachtet, haben wir es im Prinzip fast mit derselben Kategorie zu tun: Ein Destillat auf Getreidebasis, das mit Botanicals aromatisiert wird. Und seien wir mal ehrlich: Viele der neuen Gins schmecken so wenig nach Wacholder, dass man durchaus auch mal einen Aquavit in einer Blindverkostung platzieren könnte.

Aber Spaß beiseite. Freilich geht Aquavit mit seinen typischen Tönen von Dill, Kümmel, Anis oder Fenchel in eine etwas maskulinere, kantigere Richtung als Gin. Das liegt nicht nur allein an diesen tendenziell als deftiger wahrgenommenen Noten, sondern vor allem daran, dass die für Gin so wichtigen, Frische gebenden Zitrusaromen dem Aquavit mehr oder weniger vollkommen fehlen (allerdings hat guter Aquavit auch fast immer eine fruchtig-florale Seite). Gerade mit einem herben, nicht zu süßen Tonic Water lässt sich genau jene fehlende Frische mit den herzhaften, tiefen und mitunter sehr komplexen Aromen eines Aquavit vereinen. Die Wirkung ist grandios: Ein Aquavit & Tonic, möglicherweise noch mit einem Dash Bitters der Wahl verfeinert und mit Kräutern der Wahl garniert, bringt eine aromatische Bandbreite mit, die so tatsächlich kaum ein Gin liefern kann.

5) Von wegen Gin & Juice: Pisco & Tonic

Zu behaupten, Pisco sei in Deutschland mittlerweile in aller Munde, wäre in etwa vergleichbar mit der These, bei den Fleischern in den Supermärkten gäbe es mehrheitlich Bio-Lamm und Dry-Age-Beef. Denn bei aller Liebe bleibt Pisco, wenn er auch unter Barflys und Konsumenten immer mehr Freunde gewinnt, bislang in unseren Breitengraden ein ziemliches Nischenprodukt.

Das mag auch daran liegen, dass vielerorts Pisco fast automatisch auch Pisco Sour bedeutet, was natürlich wiederum ein fataler, blödsinniger Irrtum ist. Denn der Weinbrand aus Chile und Peru ist aufgrund seines unheimlich vielfältigen Aromenspektrums ein mixologischer Tausendsassa. Vor allem aber sollte er viel öfter als es derzeit noch der Fall ist, zur warmen Jahreszeit mit Tonic Water in Verbindung gebracht werden. Die Geschmacksvielfalt, die man mit ein wenig Bitterlimonade aus dem Weinbrand hervorholen kann, sucht ihresgleichen und ist nicht zu Unrecht in den Heimatländern des Pisco eine längst gängige Erfrischung, die sich besonders zur Einstimmung auf die Grillparty exzellent eignet. Da kann es dann auch das passende Dry-Age-Steak geben. Und das wiederum würde sicherlich auch Ed Sheeran ganz gut schmecken.

Photo credit: Bild via Shutterstock.

5 comments

  1. Andreas

    Echter Pisco kommt ausschließlich aus Peru. Er unterliegt einer geschützten Herkunftsbezeichnung und ist aufgrund seiner Herstellung kein Weinbrand. Er sieht nämlich kein Weinfass von innen. Für das chilenische Produkt mag das zutreffen, aber das ist kein Pisco, sondern ein Tresterschnaps aus dem Fass.

    • Redaktion

      Lieber Andreas,

      wie schon mehrfach geäußert, mischen wir uns in den Pisco-Zwist zwischen Peru und Chile ebenso wenig ein wie in die Frage, ob Genever nun im Original ein niederländisches oder belgisches Produkt ist 😉
      Zu Deinem anderen Punkt: Ein Weinbrand ist Pisco jedoch (soweit er nicht, wie eben mitunter in Chile, aus Trester gebrannt wird) in jedem Falle, da er aus Traubenmost destilliert wird. Mit dem Fass, das Du ansprichst, hat das ja vordergründig erst einmal nichts zu tun. Zugegeben: Man bewegt sich auf begrifflich nicht ganz ebenes Terrain, könnte also auch von „Eau de Vie“ oder „Aguardiente“ auf Basis von Wein/Traubenmost sprechen. An der Bezeichnung „Weinbrand“ ist aber so nichts Falsches – tatsächlich habe ich sie sogar wohlweißlich gewählt, um die Abgrenzung zum Trester zu verdeutlichen.

      Ich hoffe, das sorgt für Klärung und erhält Deine Zustimmung? Herzliche Grüße aus der Redaktion
      // Nils Wrage

  2. Marius

    Ich muss Andreas beipflichten. Laut EG-Verordnung muss ein Weinbrand im Holzfass gereift sein. Je nach Größe des Fasses mind. 1 Jahr bzw. 6 Monate. Darf gerne nachgelesen werden 😉

    • Redaktion

      Hallo Marius,

      das stimmt. Meine Gründe für die Verwendung des Begriffs „Weinbrand“ habe ich ja schon erläutert. Wir haben den Sachverhalt auch tatsächlich in der Redaktion diskutiert, bevor ich meine Antwort verfasst habe. Und wir waren der Ansicht, dass es zugänglicher ist, den Begriff hier nicht im Sinne der juristischen Verkehrsbezeichnung, sondern in einem allgemeinen Sinne zu verwenden. Wenn – sachlich viel falscher – Gin häufig als „Wacholderbrand“ bezeichnet wird, sollten sich eigentlich keine Irrtümer ergeben. Einigen wir uns auf „Wein-Destillat“, denn das ist Pisco definitiv, ganz gleich, was nach dem Brennen mit ihm angestellt wird.

      Liebe Grüße
      // Nils Wrage

  3. Bluto Blutarski

    Bei der Gelegenheit möchte ich meinen Lieblingssommerdrink in Erinnerung bringen: Den Beton.
    Becherovka und Tonic mit einem Hauch Zitrone… Ein Hammer!

Schreibe einen Kommentar

Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.

Ähnliche Artikel