lufthansa cocktail

FÜNF! Fakten zum Trinken im Flugzeug

Drinks 22.10.2017

Der Lufthansa Cocktail hat sein Comeback gefeiert. Wie aber steht es um die Eleganz von Drinks im Flugzeug? MIXOLOGY ONLINE rollt mit FÜNF! Fakten auf die Piste, die sich der Verbindung von Cocktails, Service und dem gegenwärtigen Stand der Aviation widmen. Und es geht natürlich auch um Tomatensaft.

Flugzeuge. Für den einen sind sie Sinnbild des beruflichen Alltags und wohl oder übel die temporäre Qual auf dem Weg nach Hause zu seinen Liebsten, für den anderen stellen sie den Beginn des wohlverdienten Urlaubs und das temporäre Entfliehen der Realität dar. Für den einen also reines Nutz-Vehikel, für den anderen ein globales leisureInstrument.

Fakt ist: Die Deutschen reisen mehr und mehr. Ob beruflich oder zu Urlaubszwecken, sammeln wir alle fleißig Meilen, teilen uns die Sitzreihen mit unbekannten Personen und leiden unter zu gering bemessenen Sitzabständen. Wir beschweren uns über die oftmals wenig variable gestaltete Warm/Kalt-Luftzufuhr und werden von den Stewardessen beim Servieren der Menüs eiskalt übergangen wie Menschen zweiter Klasse, sofern wir nicht den Best-Tarif gebucht haben.

In the unlikely event of service fails…

Möglicherweise ist der oft vermisste Service einfach zum Opfer der fortschreitenden Rationalisierung geworden, im Konkurrenzkampf mit Billiganbietern und staatlich subventionierten Golf-Airlines zwischen die Fronten geraten. Warum Trinken im Flugzeug trotzdem noch Spaß machen kann, welche Drinks dem Thema der Aeronautik im großen Barkanon gewidmet wurden und was dieser verfluchte Tomatensaft mit alldem zu tun hat, haben wir hier zusammengestellt: Unsere FÜNF! Drinks im Flugzeug ohne Ikarus-Charakter.

1 Virgin or Bloody Mary

Es wäre eigentlich der wohl passendste Drink für den 12-Stunden-Langstreckenflug zwischen FRA und LAX. Die Bloody Mary. Stark aromatisch und durch die Kombinatorik aus passierter Tomate und Gewürzen – im besten Falle exotisch wie Himalaya-Salz und Soja – als leichte Mahlzeit für zwischendurch wirkend, durch den Vodka leicht betörend und euphorisierend. Zwei davon an Bord und der Schlaf ist dir sicher. Wunschdenken ist das natürlich, und in der für die Allgemeinheit erschwinglichen Economy zeitlich des Shakens und auch Zitronenverbrauchs wegen nicht praktikabel, in der Business Class der renommierten Fluggesellschaften sollte sie jedoch problemlos zu bestellen sein.

Für die Eco bleibt dann eben die Virgin-Variante. Doch warum ist sie eigentlich so schrecklich beliebt? Durch die Veränderung des Luftdrucks in weiter Höhe nimmt der Mensch Geschmack anders wahr. Der Niedrigdruck sorgt dafür, dass man vereinfacht gesagt, in seinem Geschmackssinn geschwächt, ja reduziert wird und die Wahrnehmung sich ändert. Kaffee wird als bitterer, Riesling als säuerlicher empfunden. Der sonst recht muffige Tomatensaft entwickelt auf 36.000 Fuß eine besonders aromatische Note, zwischen süßlich-fruchtig und samtig-kräuterlich. Das Gleiche gilt übrigens für die Speisen. Diese werden daher in ihrer Rezeptur bereits an Boden so verändert, dass das Gericht geschmacklich auf seinen Höhenflug vorbereitet wird. Kleiner Fun-Fact am Rande: Tomatensaft schlägt Bier mittlerweile klar in den konsumierten Litern.

2 First: Luxury, Now: Commercial

Trinken im Flugzeug scheint in der heutigen Zeit die Airline der Wahl betreffend ein kostspieliges Unterfangen zu sein. Glücklich schätzen kann sich der Passagier, wenn in seinem Tarif ein Getränk inkludiert ist, im Regelfall zahlt er für ein 0,3l Bier gerne mal bis zu 4 Euro. Doch warum ist der Alkoholkonsum im Flugzeug dann derart verbreitet? Es liegt wohl daran, dass die Akzeptanz hin zu liquiden Freuden mit der Zeit historisch gewachsen ist. In den 1950-er und 1960-er Jahren war das Fliegen der absoluten Oberschicht der Gesellschaft vorbehalten. Der Alkohol war damals genau wie das komplette Menü im Ticketpreis enthalten. Was heute verwunderlich wirkt, wird schnell selbstverständlich, beachtet man, dass ein Ticket von New York nach San Francisco zur damaligen Zeit gut und gerne das Jahresgehalt eines einfachen Arbeiters verschlang. Mit der zunehmenden Kommerzialisierung des Geschäfts kam es auch zu einer Art Kostendegression der Tickets. Vereinfacht: Für fast jeden ist das Fliegen heutzutage mehr oder minder erschwinglich. Da mussten seitens des Services Abstriche gemacht und, wie im Eingangstext bereits erwähnt, Kosten reduziert werden. Schade eigentlich, wenn man bedenkt, welch Eleganz das Servieren eines Cocktails up-in-the-air einst doch versprühte.

3 Lufthansa Cocktail

„Vergnügt über dem Alltag schweben“, war einst der Slogan, mit dem der in den 1950-er und 1960-er Jahren sich überaus großer Beliebtheit erfreuende Lufthansa Cocktail sich im Einzelhandel verkaufen ließ. Denn auch Lufthansa bot damals ein ganz ähnlich exklusives Flugerlebnis und servierte auf ihren Flügen bereits vorgemixte Cocktails als „Lufthansa Cocktail“. Der aus dem Hause Mampe stammende Orangen-Aprikosen-Likör wurde nach dem Servieren beim Gast noch mit wahlweise Sekt oder Champagner gefizzt. Wahrlich classy…

Und doch wich auch der Lufthansa Cocktail zunächst aus den Flugzeugen und erlebte seine wahre Renaissance erst im letzten Jahr, als Bastian Heuser und Steffen Lohr Lufthansa die Produkt-Lizenz abkauften und die Idee in überarbeiteter Form als Lufthansa Cocktail 2.0 in ikonischer Flasche lancierten. Anders als das Original, setzt sich die klassische Lufhansa Cocktail-Variante aus Rosé-Wermut, Himbeergeist, Bitter-Aperitif und Holunderblüte zusammen und ist im Handel zwischen 24,90 und 33,90 Euro ebenfalls in den Varianten Manhattan, Negroni, Pear Gimlet, Martini und Old Fashioned erhältlich. Wie war der Slogan des Lufthansa Cocktails nochmal? Vergnügt über dem Alltag schweben…

4 Der Aviation

Ein unglaublicher Klassiker und lange Zeit vergessener Schatz der Cocktail-Truhe. Erstmalig Erwähnung findend in Hugo Ensslins 1916 erschienener Bar-Bibel mit dem einfachen Namen „Recipes for Mixed Drinks“, dreht sich bei diesem Luftfahrt-Klassiker aus vier Ingredienzien alles um die perfekte Balance. Das tut es zwar grundsätzlich bei jedem Drink, der Aviation will jedoch auf Grund seiner Zutaten besonders gut abgestimmt werden. Gin, Maraschino, frisch gepresster Zitronensaft und die richtige Menge Crème de Violette sind das Rezept zum Erfolg. Letztere war jahrelang in den USA so gut wie nicht erhältlich und sorgte dafür, dass der einstige Klassiker einen langen Winterschlaf verbringen durfte. Um die Jahrtausendwende dann, als Crème de Violette auch in den Staaten vermehrt Einzug erhielt, erlebte der Drink seine Renaissance und rollte aus dem Hangar zurück auf die Startbahn. Von hier aus hebt er noch heute in himmlische Sphären ab und ähnelt durch seine farbliche Erscheinung dem Himmelblau ohne eine einzige Wolke. Ein spannender Klassiker, der viel zu selten auf Barmenüs zu finden ist.

5 Ist ein Doktor an Bord?

Ein Aspekt, der viel zu häufig unter den Tisch gekehrt, nicht selten belächelt wird, sprich ein Thema, das häufig unausgesprochen oder bewusst verdrängt wird: die Gesundheit. Was passiert eigentlich mit unserem Körper, wenn wir über den Wolken, kilometerweit über dem Boden genüsslich unseren Gin &  Tonic oder Vodka Soda trinken? Durch die zuvor bereits angesprochenen veränderten Luftdruck-Verhältnisse in luftiger Höhe fallen wir in einen Zustand der Hypoxie, der ungefähr vergleichbar ist mit unserem Gefühl nach ein paar Drinks. Ergo: Trinken wir zusätzlich Alkohol im Flugzeug, so merken wir deutlich früher den Alkoholgehalt als am Boden und vertragen in der Regel auch weniger. Es ist also ratsam, die stärkere Wirkung des Drinks im Hinterkopf zu tragen. Für sich selbst, den angenehmen Flug und natürlich die anderen Passagiere.

Noch was? Ach ja, „Fasten your seatbelt and enjoy the flight!“

Photo credit: Foto via Shutterstock.

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