FÜNF! Gedanken zur Made in GSA Competition 2017

Drinks 4.6.2017

Eine tolle fünfte Made in GSA Competition mit Chloé Merz aus Basel als verdienter Siegerin liegt nur knapp eine Woche zurück. Wir halten eine kleine Rückschau. Welche FÜNF! Gedanken und Beobachtungen bleiben?

Ja, vieles war fantastisch bei der Made in GSA Competition 2017 in Wien am 29. Mai auf der Dachterrasse des Ritz-Carlton, Vienna: Die herrlichen Biere von Brew Age, die vielen Gäste, tolle Drinks aus knapp 100 Sponsorprodukten, eine laue Sommernacht auf der Terrasse des Heuer am Karlsplatz zum Ausklang. Aber es ist auch nicht alles Gold, was glänzt. Wir werfen fünf Schlaglichter auf den vergangenen Montag.

1 Ein Gleichgewicht aus Frauen und Männern

Das hat es noch nie gegeben (und aus der Erfahrung des Autors auch noch bei keiner anderen Competition): Zum ersten Mal herrschte bei einer Cocktail-Competition praktisch ein Gleichgewicht aus weiblichen und männlichen Teilnehmern vor. Klar, bei elf Finalisten ist eine Fifty-Fifty-Situation unmöglich. Aber im Feld der Finalisten fanden sich bei sechs Männern gleichzeitig fünf Bartenderinnen. Womöglich auch dies ein Ergebnis der anonymisierten Sichtung der Bewerbungen?

Nach zwei weiblichen Teilnehmerinnen 2015 und ausschließlich Männern im vergangenen Jahr freuen wir uns natürlich, dass die Made in GSA Competition 2017 einen entscheidenden Aspekt der heutigen Bar-Landschaft akzentuieren konnte: Frauen sind Männern als Bartender ebenbürtig. Dass am Ende zwei von fünf möglichen Auszeichungen, darunter der Gesamtsieg, an zwei Frauen gingen, unterstreicht dies umso stärker.

2 Die Zeit – der große Gegner

Jedes Jahr beobachten wir Folgendes: Jeweils rund die Hälfte (teilweise auch mehr) der Teilnehmer überschreiten die zeitliche Vorgabe für die Präsentation ihres Drinks. Dabei sind Befristungen bei Cocktailwettbewerben vollkommen normal. Freilich sind die vorhandenen acht Minuten keine Ewigkeit – sie sind allerdings für die Zubereitung von fünf Portionen eines Drinks auch wahrlich nicht zu eng gesetzt. Auch wenn bei vielen Competitions nur noch zwei Servings in teilweise längerer Zeit produziert werden müssen, stellt die verfügbare Dauer der Präsentation keine Unmöglichkeit dar, wie ja auch jene Teilnehmer demonstrieren, die „in der Zeit“ bleiben. Erneut haben wir bereits diskutiert, die Zeit beim nächsten mal zu verlängern oder aber weniger Portionen zu fordern. Aber wir sind der Meinung, dass eine gewisse Nähe zum beruflichen Alltag bleiben soll. Und fünf identische Drinks in acht Minuten an einem sauberen, aufgeräumten Tresen sind definitiv Alltag, keine Utopie. Zumal eine zusätzliche Set-up-Zeit von drei Minuten mitsamt Unterstützung durch einen MIXOLOGY-Mitarbeiter gewährt wird, der sich mit um Mise-en-Place, vorgekühlte Gläser und ähnliches kümmert.

Der diesjährige Moderator der Made in GSA Competition, Reinhard Pohorec, brachte es im Vorfeld der Siegerehrung auf den Punkt: Vorbereitung sollte nicht zu leicht genommen werden. So mancher Finalist erweckte den Eindruck, als habe er sich – abgesehen vom Rezept – nur wenige Gedanken über die Präsentation seines Drinks gemacht. So schafften es auch dieses Jahr wieder viele Teilnehmer nicht, beispielsweise gleichzeitig zu sprechen und auch an ihrem Drink zu arbeiten – in einer gut besuchten Bar ein völlig normales Szenario. Auf diese Weise wurden wieder viele Punkte bei an sich tollen Drinks verschenkt.

3 Ein Wettbewerb für alle drei Länder

Noch nie zuvor war die Made in GSA Competition so sehr ein Spiegel der gesamten deutschsprachigen Community. Endlich wieder ein Finalist aus Österreich, überdies endlich ein Sieg für die Schweiz, abgerundet durch einen zweiten Platz, der ebenfalls zu den eidgenössischen Bartendern geht.

Gab es in den letzten Jahren ab und zu den Vorwurf, Made in GSA sei eher ein deutscher als ein deutschsprachiger Wettbewerb, hat das Jahr 2017 eindrucksvoll das Gegenteil gezeigt. Zwar liegt, was den Anteil der Einsendungen und Finalisten angeht, noch immer eine Dominanz der deutschen Szene vor – was natürlich aufgrund ihrer Größe an sich auch niemanden verwundern dürfte. Die beiden vorderen Plätze für Chloé Merz und Christoph Stamm aber illustrieren deutlich: Die Bartender der drei Länder agieren auf demselben, professionellen Niveau. Dass Chloé Merz ihre gelungene Präsentation dann auch noch in reinstem Schwizerdütsch abhielt, setzt dem Ganzen das i-Tüpfelchen auf!

4 Geschüttelt, nicht gerüttelt, bitte!

Juror, Gastgeber und Made in GSA-Gründer Helmut Adam hat es bei der Preisverleihung angesprochen: So gut wie alle Finalisten, die einen geschüttelten Drink präsentierten, zeigten sich äußerst zurückhaltend, was die Dauer des Schüttelns anging. Dabei ist doch ein ausreichend lange und kräftig geschüttelter Drink eine absolute Selbstverständlichkeit. Auch der Autor dieser Zeilen konnte in den letzten Monaten oft miterleben, dass bei Competitions nur noch sehr knapp geschüttelt wird. Warum? Liegt es nur am Zeitdruck?

Das Ergebnis sind Drinks, denen es an Kälte und damit Prägnanz fehlt. Auch die Schütteldauer von mindestens 15 Sekunden (besser länger) sollte bei der Probe des Vortrags mit eingeplant werden. Zwar war die Kulisse der Made in GSA Competition auf dem Rooftop des The Ritz-Carlton, Vienna, bei tropische Temperaturen ein durchaus herausforderndes Szenario, besonders mit Blick auf die Kontrollierbarkeit der Verwässerung eines Cocktails. Dennoch sollte auch bei Wettbewerben auf solch einfache Standards geachtet werden. Denn sonst: Gibt es natürlich Abzüge.

5 So „viel“ Made in GSA war noch nie im Glas

Als die Made in GSA Competition 2013 zum ersten Mal stattfand, basierten zwar alle Drinks auf einem heimischen Sponsorprodukt. Daneben fanden sich jedoch erschlagend viele der ausländischen Standardprodukte in den Shakern und Rührgläsern der Finalisten – italienischer Wermut, französische Crème de Violette, Sherry, Port, um nur ein paar zu nennen. Das hat sich mittlerweile geändert.

Denn nicht nur wählten die meisten Finalisten für ihren Cocktail gleich mehrere der heimischen Sponsorprodukte, viele brachten auch andere heimische, regionale oder gar lokale Spezialitäten in ihre Rezepturen mit ein, um so den ganzheitlichen Gedanken in Bezug auf regionale Produkte zu betonen. Man denke nur an Joris Raible aus Bamberg, der sich unter anderem mit einem praktisch nur in Bamberg erhältlichen Süßholzlikör auf den dritten Rang mixte. Ob Wermut, Schwarzwälder Tannenhonig oder Verjus: Das Arbeiten mit heimischen Zutaten – bei der Made in GSA Competition 2017 wirkte das so wenig wie noch nie zuvor wie eine Pflichtübung, sondern wie ein Vergnügen.

Photo credit: Foto via Constantin Falk.

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