Île de Ré und Île d’Oléron: Cognacs von der Insel

Drinks 30.12.2016 2 comments

Cognac, der auf Inseln im Atlantik produziert wird? Ja. Île de Ré und Île d’Oléron zählen zur Cognac-Region und bieten mehr als Muscheln, Austern und Salze. Vielmehr werden dort Cognacs produziert, in denen sich das spezielle Meeresklima widerspiegelt – sowie Innovationsgeist und Experimentierfreude.

Es ist so eine Sache mit Cognac – ewig ein eleganter Klassiker, aber selten der große Star im Rampenlicht der Getränketrends. Aber auch das bewährte Traubendestillat zeigt, dass sich zu den klassischen Verfahren und der bewährten Stilistik, auch Innovationsgeist und Experimentierfreude gesellt. Das galt zuletzt insbesondere für die Inseln, die im Atlantik vor der Küste von La Rochelle liegen und zum Departement Charente-Maritime und somit zur Cognac-Region zählen: Île de Ré und Île d’Oléron.

Wenn Gourmets von diesem Küstenabschnitt und den vorgelagerten Inseln reden, dann dreht sich das Gespräch meist um vorzügliche Muscheln, köstliche Austern und feine Salze. Von den Weinen und Destillaten ist eher selten die Rede. Cognac-Experten schwärmen gerne von den Lagen der Grande Champagne, der Petit Champagne oder den Borderies. Auch die Fins Bois und Bons Bois lassen sie gelten. Aber die Bois Ordinaires ignorieren viele, auch wenn die Region und ihre potenzielle Rebenfläche sehr groß ist. Seit 1976 schrumpfte der Anbau des Bois Ordinaires um drei Viertel. Der größte Teil der Reben des meerwärts gerichteten Anbaugebiets befindet sich heute auf Île d’Oléron und Île de Ré. Letztere Insel ist 30 km lang und verfügt über 650 Hektar Rebfläche.

Das Islay von Cognac

Noch vor wenigen Jahren galten Wein, Cognac und Pineau der Inseln als touristisches Mitbringsel ohne hohen Anspruch. In seinem 2013 erschienenen Buch „Cognac – The Story of the Worlds Greatest Brandy“ zitiert Autor Nicholas Faith diverse Fachleute, die sich damals eher abfällig über die Destillate der Atlantikküste äußern: „Der salzige, jodhaltige Geschmack der Branntweine aus Meeresnähe machen sie völlig ungeeignet für das Blending.“ oder „Cognac muss von Kalkböden kommen, nicht von Sandböden“, oder „die Destillate sind grob und roh und ihnen fehlt jedes Unterscheidungsmerkmal“ waren die Aussagen.

Einige Erzeugnisse finden sich auch in hiesigen Geschäften. Beispielsweise von der Île d’Oléron jene von Maxime Pinard oder von Philippe Peyrat, die in der Handelskette „Vom Fass“ verkauft werden. Der Cognac X.O. Île d‘Oléron ist eine Assemblage aus zehn Jahre gereiften Destillaten. Pinard bietet vier Qualitäten von V.S. über V.S.O.P., Napoleon bis zum edlen X.O.

Etwas bedeutsamer ist womöglich die Île de Ré mit den Erzeugnissen der Kooperative „Vignerons de l’Ile de Ré“, die den „Le Gouverneur“ Cognac in V.S.O.P.-Qualität anbietet, oder den Produkten aus dem Hause Camus. Verkostet man die Cognacs der Inseln, so schwingt tatsächlich ein Hauch von Seeluft, Jod, Salz und eine gewisse herbe Kantigkeit, untermalt von dezentem Rauch, mit. Die meisten Flaschen erinnern in ihrer Form kaum an bewährte Destillate aus dem Cognac, sondern eher an Behältnisse für Rum oder Whisky. Auch geschmacklich verhält sich ein Île de Ré Cognac zu einem Festland Cognac eher so wie ein Islay Single Malt Whisky zu einem Malt von der Speyside.

Camus als mutiger Insel-Pionier

Insbesondere das Cognac-Haus Camus, das selbst seit langer Zeit Weinanbauflächen auf der Insel unterhält, widmete sich zuletzt sehr intensiv dem aromatischen Potenzial, das Anbau, Destillation und Lagerung auf der Insel ermöglicht. Das einzige tatsächlich kommerzielle Produkt der Île de Ré stammt von Camus.

Cyril Camus, der das 1863 gegründete Cognac-Haus in fünfter Generation leitet, erklärt: „Wir sind weltweit bekannt für unsere milden, nur mit zarten Holzaromen versehenen Cognacs mit Borderies-Charakter. Aber man soll auch das Typische der Herkunft eines Cognacs schmecken dürfen. So ist die maritime Charakteristik der Insel-Cognacs eine folgerichtige Erweiterung unseres Sortiments, das so eine weitere Facette von Herkunft und Typizität widerspiegelt.“

Mit Cliffside Cellar, Double Matured und Fine Island Cognac bietet Camus derzeit drei Varianten an Cognac von der Île de Ré im Sortiment an. Die Trauben gedeihen auf der Insel, wo auch Destillation und Lagerung erfolgen. Nur der Double Matured erfährt nach einer ersten Reifung auf der Insel eine zweite Reifungsphase auf dem Festland.

Cognac im Cocktail

Zahlreiche Repräsentanten führender Cognac-Häuser zeigen sich in der letzten Zeit begeistert davon, dass internationale Bartender sich wieder vermehrt ihrem Destillat zuwenden. Auch Cyril Camus freut sich über diese Entwicklung: „Was in USA mit David Wondrich und Dale DeGroff begann, kam zuletzt nach Großbritannien und setzt sich nun auch in Kontinentaleuropa fort. Vor der Prohibition wurden viele Drink-Klassiker noch mit Cognac zubereitet.“

Dave Wondrich entwickelte 2012 mit dem Cognac Haus Pierre Ferrand den „1840“, der den Geschmack aus Vor-Prohibitionszeiten wieder zurückbringen sollte. Die Insel-Cognacs von Île d’Oléron und Île de Ré gehen geschmacklich in eine ähnliche Richtung und bieten sich hervorragend an, um sie in einem Sazerac, Julep oder Old Fashioned zu erproben.

2 comments

  1. Stephan Körner

    „.. das bewährte Taubendestillat …“
    Ich kann seit 5 Minuten nicht mehr aufhören zu lachen. Musste mir das einfach bildlich vorstellen, während hier in der Stadt die Tauben am Fenster vorbeisegeln.

    • Redaktion

      Lieber Stephan,

      uuups, da waren unsere Gedanken wohl aufgrund der Feiertagsnähe noch zu sehr mit gebratenem Edelgeflügel beschäftigt! So sehr uns ornithologische Themen am Herzen liegen, so fehl am Platze sind Tauben natürlich in diesem Fall. Wir freuen uns natürlich, Dich erheitert zu haben und bereinigen den Fehler sogleich 🙂

      Viele Grüße // Nils Wrage

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