Inventur am 19. Februar 2017

Drinks 19.2.2017

Heute denken wir größer mit Fever-Tree, reisen nach Wien zur Spirits & Friends und blicken nach Zürich sowie nach London ins White Lyan. Willkommen zurück zur neuesten Ausgabe der Inventur.

Am kommenden Freitag, den 24. Februar 2017, lanciert das Londoner White Lyan seine letzte Barkarte bevor es – jetzt stark sein! – vorerst schließt. Ein neues Konzept, ganz getreu dem Grenzen ausweitenden Geist der vielfach ausgezeichneten Bar von Ryan Chetiyawardana, soll folgen. Hier wird bei DrinkUp London das neue Menü vorgestellt, das es in den kommenden zwei Monaten für alle geben wird, die im White Lyan vorbeikommen um „Goodbye for now!“ zu sagen. Cheers! Und nun soll es losgehen mit den anderen großen Themen der Woche.

Fever-Tree denkt größer

Die Filler der britischen Marke Fever-Tree haben sich sukzessive von einem Kenner-Produkt stetig zu einer festen Größe mit guter Bekanntheit bei einer breiteren Verbraucherschicht entwickelt. Listungen der kleinen Flaschen im Lebensmitteleinzelhandel sind keine Seltenheit mehr – in Österreich war das Tonic-Water von Fever-Tree gar beim Discounter Penny erhältlich. Nicht immer zur Freude von Barbetreibern, die darin naturgemäß eine Gefährdung der Exklusivität der Marke sehen.

Dieser Debatte ungeachtet wagt der Hersteller nun auch in Deutschland den nächsten Schritt in Richtung Mainstream: Mit den 0,5-Liter-Glasflaschen, vielen Trinkfreudigen aus britischen Supermärkten schon wohlbekannt, bewegt sich Fever-Tree eindeutig weiter in Richtung Endverbraucher, auch mit Blick darauf, dass der Löwenanteil an Bitterlimonaden hierzulande in Flaschen größer als 0,33 Liter abgesetzt wird. Angeboten werden zunächst die drei Kernsorten Indian Tonic, Mediterranean Tonic und Bitter Lemon, und zwar zu einem im Vergleich zum 0,2-Gebinde wahrhaften Kampfpreis: Während die Gastro-Größe im Einzelhandel derzeit mit rund 1,49 Euro zu Buche schlägt, gibt die Marke für die zweieinhalbfache Menge eine UVP von 2,29 Euro heraus. Ob dieser Schritt die Barcommunity freuen wird? Wir wagen, das zu bezweifeln.

Spirit-Freunde: Wiens neue Bar-Messe

Einen Tag nach der bestens besuchten Wiener Craft Beer-Verkostung „Beer Affairs“ lässt Jakob Lackner die Katze aus dem Sack: Der vor allem mit Themen-Präsentationen in Tophotels („Work-A-Tonic“ im Hilton, „Soirée de Champagne“ im Imperial) bekannt gewordene Veranstalter lädt zur Bar-Messe. Genauer gesagt, wollen Lackner und Partner Dirk Sänger gewinnen.

Mutig ist die Platzierung der „Spirits & Friends“ im MGC Messezentrum mitten unter der Woche (8. und 9. März 2017). Unter der Schirmherrschaft von Patrick Burger (Bartender’s Ball) wird außerdem Österreichs bester Jungbartender gesucht. Aussteller wie Ammersin, L. Derksen, Diageo, Freihof und Morandell wurden bereits bekanntgegeben. Tickets zur „Spirits & Friends“-Premiere sind ab sofort online hier erhältlich (29 Euro im Vorverkauf). Zum Ausklang der Messe wird es ebenjene erwähnte Gin-Sause „Work-A-Tonic“ im Hilton Vienna geben.

Auf der Arche raucht das Bier

Einen neuen deutschen „Passagier“ hat die Arche des Geschmacks, wie „Slow Food“ seine weltweite Sammlung schützenswerter, regionaler Lebensmittel, Nutztierarten und Kulturpflanzen nennt. Konkret wurde das Bamberger Rauchbier aufgenommen. Denn obwohl es in praktisch jeder Bier-Sommelier-Ausbildung serviert wird, erzeugen nur mehr zwei Braustätten – Schlenkerla und die Brauerei Spezial – die Spezialität, die auf das Trocknen der gekeimten Gerste im Rauch offener Feuer zurückgeht.

Interessanterweise führt die Homepage der Arche-Produkte auch eine „Verschiebung der Geschmackspräferenzen der Verbraucher“ als Bedrohung des Rauchbiers an. Ausgerechnet die Craft Beer-Bewegung, die gerne mit Geschmacksvarianten spielt, verstärke diese Tendenz: „durch moderne, mildere Rauchbiere, denen nur geringe Mengen Rauchmalz aus der Herstellung von Handelsmälzereien beigegeben werden“. Der Kassandra-Ruf gipfelt in einer fränkischen Horror-Vision: „Es ist nicht auszuschließen, dass in Zukunft der Kreis der Liebhaber des kräftig rauchigen Bieres schrumpft“.

Slow Food“ nennt dazu auch Zahlen: Um 1820, vor dem Siegeszug des Malzdarrens ohne Rauch, waren es 44.000 Hektoliter originales Bamberger Rauchbier. Im Jahr 1935, als erstmals nur noch die Brauereien Schlenkerla und Spezial Rauchbier herstellten, betrug der Rauchbieranteil geschätzt etwa 10.000 Hektoliter, 2015 waren es 25.000 Hektoliter Rauchbier traditioneller Herstellung.

Maria Dolores Boadas in Barcelona verstorben

Eine traurige Nachricht erreichte uns noch am vergangenen Wochenende aus Barcelona: Maria Dolores Boadas, seit rund einem halben Jahrhundert Kopf und Schutzpatronin der geschichtsträchtigen Boadas Bar in der katalanischen Metropole, ist im Alter von 82 Jahren verstorben.

Maria Dolores Boadas, aus einer Familie mit kubanischen Wurzeln, hatte die Leitung der familiengeführten Bar in den 1960er-Jahren von ihrem Vater übernommen und sich im Laufe der Jahrzehnte den Ruf als „Die Königin” der spanischen Barwelt erarbeitet, deren exzellenter Ruf auch weit über die Grenzen Spaniens hinweg Verbreitung fand. Bis heute gilt das Boadas als die große Bar Barcelonas, mit einem Ruf, der sich gut mit jenem des Schumann’s in Deutschland vergleichen lässt. Maria Dolores Boadas, 2013 mit einem MIXOLOGY BAR AWARD für ihr Lebenswerk gewürdigt, stand vor allem durch ihre einzigartige Beherrschung des klassischen „Cuban Throw” als Ikone des spanischen Bar-Stils. Nach Bekanntwerden ihres Todes zeigte sich die Fachwelt bestürzt, zahlreiche Bartender, besonders aus dem spanischsprachigen Raum, artikulierten ihre Trauer durch Fotos, auf denen sie selbst im Gedenken an „La Reina” einen Cuban Throw vollführten. Auch wir bei MIXOLOGY trauern um dieses großen menschlichen und fachlichen Verlust.

Adieu, Rhino!

Am Ende waren es nur rund zweieinhalb Jahre, in denen der frühere Hendrick’s-BA und Traveling Mixologist Xavier Padovani und seine Agentur Orfeus die Barwelt mit ihren Vulson-Whiskeys von der Domaine des Hautes Glaces aus den französischen Alpen beglücken konnten. Angefangen mit dem Vulson White Rhino Rye im Spätsommer 2014, fand der ungereifte Rye Whiskey mit dem Nashorn auf der Flasche schnell einige Freunde. 2016 Legten Padovani und die Domaine nach, und zwar mit dem „Old Rhino”, der ersten gereiften Qualität der Marke Vulson.

Damit ist leider nun schon wieder Schluss: Denn wie heute bekannt wurde, hat sich der französische Rémy-Cointreau-Konzern die Domaine des Hautes Glaces-Brennerei mit einer 100-prozentigen Übernahme als Filetstück seines heimischen Portfolios gesichert. Für Vulson bedeutet dies das sofortige Ende der Produktion. Denn zwar hat die Brennerei natürlich einiges an Rücklagen in ihren Fässern, es wurde jedoch bereits angekündigt, dass jene Rücklagen für die anderen Sorten des Hauses verarbeitet werden. Das Nashorn, das auch in freier Wildbahn vom Aussterben bedroht ist, verschwindet somit schon jetzt aus den Alpen und bald auch aus den Bars. Noch gibt es laut Padovani Restbestände am Lager – wer noch vor der Entwicklung von Mondpreisen ein Fläschchen möchte, sollte schnell sein.

Zürich: Der Widder parkt jetzt in der Garage

Der Umbau des legendären Zürcher Widder Hotels beginnt, und nun ist auch klar, wo die Bar des alten Metzger-Zunft-Hauses ihren Platz findet. Im Augustiner-Hof 1, der Adresse der ehemaligen Pferdeställe, wird David Bandak die nächsten acht Monate für die Drinks sorgen. Der 31-Jährige, der Dirky Hany als Barchef ablöste, wirkte bereits 2007 für zwei Jahre als Barmitarbeiter im „Widder“, seit 2014 gehört der gebürtige Saarländer fest zum Team hinter der Theke.

Nach der Lehre im Seehotel Weingärtner in Bosen und einem Intermezzo bei der Luftwaffe folgte der Weg hinter die Bar und in die Schweiz. Neben dem „Widder“ sammelte er auch Erfahrungen in der nur fußläufig entfernten Kronenhalle. Stilistisch setzt Bandak auf „ein Revival klassischer Whisky- und Ginkreationen wie ‚Vieux Carré‘ oder ‚Hanky Panky‘ und eine Tendenz zum Minimalismus“. Damit meint er Zwei- oder Drei-Komponenten-Drinks, die gerne auch mit Obstbränden – ohnehin eine Schweizer Domäne – gemixt werden können. Einen Cocktail-Favoriten im Garagen-Pop-up gibt es laut David auch bereits: den „Falling in Love“, ein Tequila-Drink mit einem Tee-Blend aus Mango, Ananas und Papaya. Passend zur Hochpreis-Destination kommt er in einer Schmuckschatulle zum Gast. Soviel Stil muss auch in der Garage sein!

Photo credit: Foto via Shutterstock.

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