Inventur am 26. Oktober 2014

Drinks 26.10.2014

Das Balgen um den Gin-Thron geht in eine neue Runde, ein Schauspieler macht Tequila, GQ regt zum Lesen an, die Fizzz Awards wurden vergeben und das Beast-Restaurant in London ist so grotesk wie komisch.

Kennen Sie das einsame Tumbleweed aus dem Film „The Big Lebowski“? Das ist die Eröffnungsszene des Films und der Zuseher verfolgt die Bewegung des zu deutsch Steppenläufers durch Stadt und Land. Das Geflecht ist von Natur aus ein Ausdruck für räumliche Leere, es kommt ja aus der Wüste. Haben Sie das Bild im Kopf? Gut, denn genau so verhält es sich derzeit in der MIXOLOGY-Redaktion.

Die Nachwehen des  Bar Convent führen im zweiten Schritt zu Urlaubswelle. Die Schreibtische sind verwaist, nur vereinzelt klingelt mal ein Telefon und wir hatten genug Muse, das Neuste aus der Spirituosen- und Barwelt für Sie zu sammeln. Los geht’s!

1) Warm Anziehen in Kufstein

Kufsteins Stollen 1930 schickt sich schon seit Längerem an, den Thron als Bar mit den meisten Gins zu erobern und sich mit ihren 315 Exemplaren  (Stand Mai 2014) den Platz im Guiness Buch der Rekorde zu sichern. Allerdings muss man in Tirol noch ein bisschen aufholen, den das Old Bell Inn im englischen Saddleworth wartet mit 404 auf und war im letzten Jahr die Bar mit den meisten Gins.

Aber jetzt überholt Spanien und wird zur ernsthaften Konkurrenz laut dem The Spirits Business Artikel. Die The Lemon Society Bar in Palencia wartet aktuell mit 474 Gins auf und befindet sich damit auf Rekordkurs. Noch ist nichts bestätigt von Seiten des Guiness Buch der Rekorde, es heißt vorerst also Abwarten und Gin & Tonic Trinken.

2) Nespresso. What else? Tequila zum Beispiel

George Clooney ist das Gesicht von Nespresso, macht allerdings selbst lieber  in Hochprozentig. Und da ist die Agave sein Favorit. Wie The Drinks Business vergangene Woche verlauten ließ, wird das Tequila-Portfolio, hinter dem der Schauspieler mit seinen Geschäftspartnern Rande Gerber und Michael Meldman steht, eine Erweiterung erfahren. Diese Ankündigung erfolgt im Windschatten der Aufmerksamkeit um Clooneys Heirat vor wenigen Wochen.
Zu Clooneys Casamigos Tequila Blanco und Reposado gesellt sich jetzt der Anejo dazu. Den wird es in kleiner Auflage geben, herstellt wird er zu 100% aus der blauen Weber-Agave. Geschmacklich erinnert er laut der Hersteller an Vanille, Karamell, Gewürze und Eiche.

Aktuell ist der jedoch nur in den USA und Kanada für rund 55 US $ zu haben. Die Casamigos Tequila hat Clooney bereits im Januur dieses Jahres in einem Werbefilm mit dem ehemaligen Supermodel Cindy Crawford beworben. Mazal Tov zur Heirat und Cin Cin zum Tequila!

3) Was Gentlemen quartalsweiße Trinken

Mit 150 nach Kategorien aufgeschlüsselten Key Cocktails präsentiert sich das neue GQ Drinks Buch. Nicht nur Klassiker finden in diesem Buch ihren berechtigten Platz, sondern auch solche, die den Ruf eines zukünftigen Klassiker verdienen sowie moderne, komplexe Trinkkreationen. Und auch, und das ist eher selten, den Alkoholfreien wurde hier der nötige Platz eingeräumt.

Eine runde Sache bis hierhin. Worüber man sich Gedanken jedoch machen könnte ist der große Industrieeinfluss auf das bald erscheinende Werk des GQ Senior Editor Paul Henderson.

Beim Durchblättern fällt einem sofort aus, dass die Rezepte einen großen Einfluss durch die Industrie erfuhren. Das heißt im Klartext, dass nicht immer die perfekt harmonierenden Spirituosen für den jeweiligen Drink im Rezept auftauchen, sondern eher die mit dem größten Industrie-Einfluss. Spätestens bei der Namensgebung fällt  hier spätestens der Groschen. Das Buch ist ab November erhältlich und kostet ca. 30€.

4) Pop Up Bar Rekord auf der London Cocktail Week

Zum fünften Mal veranstaltet ABV Global die London Cocktail Week. Mit 22.000 Besuchern ist das ein gewaltiger Sprung im Vergleich zu den 17.000 im letzten Jahr. Das Event ist für Konsumenten und Fachbesucher gleichermaßen ausgelegt. Bei dem Event haben sich nicht weniger als 250 Bars in und um London beteiligt. In jeder Station der Bar Tour für Besucher gab es einen Drink für nur £4 umgerechnet knapp 5€. Verlaufen konnte man sich bei der Menge an Teilnehmern wenigstens nicht. Und falls doch einmal einer in die falsche Straße eingebogen war, konnte er einfach mit dem Guide Book wieder auf den richtigen Pfad zurückfinden.

Laut den Betreibern wurden 125.000 Drinks vom günstigen London Cocktail Week Menü serviert. Insgesamt wurde ein Umsatz von mehr als einer halben Million Euro erzielt. Maßgeblich trug dazu bestimmt die Stimmung der Besucher bei. Umfragen haben ergeben, dass 95% der Besucher das Festival gefallen hat und 80% auch im nächsten Jahr wieder teilnehmen werden.
Ein Konzept das dieses Jahr  nicht fehlen durfte waren PopUp-Bars. Insgesamt fanden sich davon 25 verteilt über das Stadtgebiet von London.

5) Extrem albern und schwindelerregend teuer

Für den The Observer schrieb Jay Rayner eine Restaurantkritik über das neu-eröffnete Beast in London. Das klingt bisher nur milde aufregend, Restaurantkritiken gibt es ja wie Sand am Meer. Vor Allem solche, in denen überteuerte Restaurants mit Kritikerlorbeeren nur so überschüttet werden. Die hier gehört jedoch nicht dazu. Rays Kritik ist so außerordentlich humorvoll und “on spot” geschrieben, dass sie in jedem Fall lesenswert ist, ungeachtet der Frage, ob man an Londoner Restaurants interessiert ist oder nicht.

Ray berichtet in einem Rundumschlag, der dennoch einem Augenzwinkern nicht entbehrt, vom absurden Einrichtungsstil des Restaurants bis zu der extrem – selbst für London – überzogenen Preispolitik. Wir wollen hier gar nicht mehr dazu sagen, denn der Artikel ist ein das Lesen definitv wert. Ray rät den Lesern das Beast durchaus zu besuchen, allerdings nur auf Einladung und Kredit-Karte von jemand Anderem.

Er selbst vergleicht das Restaurant mit einem “Rugby-Spieler, der penetrant nach Aftershave riecht, einem erzählen will, er sei tiefsinnig und nachdenklich, wenige Stunden später aber einen Autounfall verursacht, der einen Verkehrskegel und ein Glass vom eigenen Urin involviert.” Poesie.

6) Die Fizzz Awards 2014

Zwei nach Köln, je einer nach Frankfurt, Nürnberg und Münster. Die Preisträger der diesjährigen Fizzz Awards stehen seit Mittwoch Abend fest. Unter den Preisträgern ist das “no bar, no disco”-Konzept Chinaski in Frankfurt, das sich dank seiner Kooperation mit dem Künstlerduo Herakut in die Liste der Trendkonzepte des Jahres einreihen kann. Schirmherr Julean Smith nahm den Preis persönlich im Frankfurter Gibson Club entgegen. Der Club gewann die Auszeichnung zum Club des Jahres 2013.

Auch die Crew um Volker Seibert darf sich dieses Jahr über eine Auszeichnung freuen. Im kurzen Intro erklärt Volker persönlich die Idee zu seiner in diesem Jahr eröffneten eigenen Bar. Ohne sein Team hätte er die überwältigende Aufgabe nie geschafft, so sagt er. Jeder helfe mit seinen Fähigkeiten die Bar zu dem zu machen, was sie geworden ist.
Weitere Gewinner sind das Gelbe Haus in Nürnberg als Bester Longseller, das The Cage ebenfalls in Köln als Bester Club und die roestbar in Münster mit dem Sonderpreis für das beste Cafe-Konzept.

 

Photo credit: Paar via Shutterstock

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