Kaiserschmarren Cocktail

So geht Kaiserschmarren: heiß, flüssig und mit Rum

Drinks 14.2.2018

Der Name ist imperial, die Inspiration aber hochalpin: Isabella Lombardo hat einen Kaiserschmarren Cocktail entwickelt.  Die heiße, flüssige Variante des österreichischen Nationalgerichts aus dem Aï Vienna holt Wien-Touristen ebenso ab wie erfrorene Shopping Victims aus dem noblen Ersten Bezirk. 

Nicht weil die Echtpelz-Dichte im offenen Luxus-Vollzug des „Goldenen Quartiers“ so hoch wäre, entstand in der Wiener City ein winterlicher Cocktail, der durchaus auch beim Skijöring in St. Moritz oder in der „Tenne“ zu Kitzbühel kredenzt werden könnte. Warm servierte Drinks stellen immer noch ein Stiefkind der Bar dar, sieht man von bekennenden Hot-Toddy-Fans wie Klaus St. Rainer ab, der ihnen auch in seinem Barbuch einen gebührenden Platz einräumt. Dabei machten sie bis hin zur Feuerzangenbowle auch hierzulande einen nicht unwesentlichen Teil des Angebots aus, bis das leicht verfügbare Würfeleis, Symbol von Stromversorgung, Wohlstand, Geschwindigkeit und Urbanität, warmen Alkohol generell in die Ecke des Glühweins verbannte.

Dort glomm er als Betriebsflüssigkeit für Prolls weiter, die der Mangel an Liga-Fußballspielen zwingt, Slalomfahrer mit Schneebällen zu bewerfen oder grölend Skispringer anzufeuern, deren Körpergewicht dem eines Unterschenkels ihrer „Fans“ entspricht.

Kaiserschmarren Cocktail: Hüttenzauber im urbanen Setting

Damit allerdings hat der heiße Cocktail, für den das Milchkännchen das Rührglas ersetzt, rein gar nichts zu tun. Zumal seine Schöpferin Isabella Lombardo auch nur schwerlich als Skischaukel-Testimonial durchgeht. Die vergangenen Wochen zog es die sonnige Natur vom Tresen des Aï eher nach Venezuela (des Rums wegen) und an die Küste Albaniens (der Liebe willen).

Doch eigentlich war nach dem herbstlichen Eröffnungsmenü ihrer Bar eine eigene Winter-Karte angedacht, die vor dem neuen Wiener Hotspot seriöse Alternativen zu Punsch und Glühwein bieten wollte. „Die kann spätestens Mitte Dezember ohnehin keiner mehr sehen“, so Lombardo pragmatisch. Dazu schreit das Wiener Februar-Wetter mit seinem mittleren Temperatur-Maximum von 4 Grad Celcius, das der Karpaten-Wind beflügelt, auch noch länger nach Wärmendem. Aus der Karte wurde für diese Saison aus Zeitmangel nichts, ein „Best of“ hat es aber schon einmal in die Cocktailsammlung Lombardos geschafft.

Strudel und Kaiserschmarren zum Trinken

Die Inspiration kam Isabella in Form klassischer Gerichte, die dem Wedelvolk wieder die Waden stärken: Neben dem Drink gewordenen „Apfelstrudel“ – Bourbon mit einem Sirup aus Rosinen und Äpfeln sowie einem Rim vom Nuss-Snackriegel – entstand so auch der „Kaiserschmarren“.

Die Basis es Cocktails kommt aus der Karibik. Den „liquid sunshine“, wie John Georges den von ihm destillierten Rum aus Trinidad gerne nennt, verbindet die Aromatik auch mit dem hiesigen Winter. Denn der Angostura 1919 erinnert mit seinen „hard spice“-Noten neben Vanille, Zimt und Piment auch an Lebkuchen. Ihm stellt Isabella Lombardo einen weiteren Winterklassiker zur Seite, ohne den von Alpe Rauz bis zur Turracher Höhe und vom Arlberg bis zum Semmering nichts geht in der Alpenrepublik: Jägermeister würzt den flüssigen Kaiserschmarren Cocktail zusätzlich mit Nelke und Sternanis.

Die Legende des Kaiserschmarren…

Die Beilage dazu, der „Zwetschken-Röster“, wird in Form eines selbstgemachten Sirups gereicht. Er erhält zusätzlich noch die schokoladigen Noten der Crème de Cacao. Den Kontrapart für derlei Süßspeisen-Overkill in Likör- und Sirup-Form bringt eine rosa Grapefruit ein. Der alpine Daiquiri findet mit diesen Zutaten sein Auslangen, lediglich erwärmt muss er noch entsprechend werden für den Auftritt am Tresen (oder der Aprés-Ski-Bar mit Anspruch).

Selbst die Namenswahl passt hier übrigens gut; denn schon der originale „Kaiserschmarren“ adelte mit dem Monarchen-Prädikat eine profane Sache. Als „Schmarren“ lässt sich in Österreich ja wahlweise von nicht funktionierenden Gerätschaften bis zu misslungenen Fernsehsendungen vieles bezeichnen.

Die Legende schreibt Kaiser Franz Joseph die „Taufe“ des Gerichts, das wahlweise aus missglückten Palatschinken oder einer von Kaiserin Sisi verschmähten Süßspeise bestand, zu: „Geb er halt her den Schmarren, den unser Leopold da zammkocht hat…!“. So sorgte der Kaiser angeblich für die Ehrenrettung des Patissiers. Ähnliches leistet Lombardos Kaiserschmarren Cocktail für die „Winter Warmer“-Drinks. Fernab der Piste, dafür in Sichtweite der K.u.k.-Hofburg!

 

Kaiserschmarren Cocktail

Isabella Lombardo / Aï Vienna, Wien

Rezept

5 cl Angostura Rum 1919
4 cl Pink Grapefruitsaft
2 cl Jägermeister
4 cl Zwetschken-Kakao-Sirup*

Zubereitung

Alle Zutaten vorsichtig in einer Milchkanne erwärmen („nicht kochen lassen, dann verdampft der Alkohol“, warnt Lombardo) und gut umrühren. Lippenwarm ins Gästeglas abseihen und Straight up servieren.

*Zwetschken-Kakao-Sirup (ergibt ca. 0,5 Liter)
Sechs kleingeschnittene Zwetschken (Pflaumen) mit 500 Gramm weißem Zucker karamellisieren und mit 0,3 Liter Crème de Cacao (braun) ablöschen. Dann alles im Mixer mit 0,3 Liter Wasser vermischen und danach noch einmal kurz aufkochen lassen.

Glas

Coupette

Garnitur

Getrocknete Grapefruit

Photo credit: Tim Klöcker

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