kopi luwak

Kopi Korrekt Kaufen

Drinks 7.9.2017

Kaum ein Thema spaltet die Kaffeegemüter so sehr wie die Kategorie der „Tier-Kaffees“, bei denen durch Tiere verdaute Kaffeebohnen teuer verkauft werden. Es wird viel darüber gesprochen, ob man das braucht. Doch über die Tiere redet kaum jemand. Ein Einblick, wie man in den Genuss eines Kopi Luwak kommt, ohne ein schlechtes Gewissen haben zu müssen

Aus Scheiße Gold machen. Daran hat sich schon der ein oder andere Unternehmer erfolglos versucht. In Sachen Spezialitätenkaffee ist die Rechnung im wahrsten Sinne des Wortes dennoch aufgegangen. Mit dem in den letzten Jahren gestiegenen Interesse an der aromatischen Bohne rückt der Fokus weg vom Wirkungsgetränk wieder hin zum Genussmittel. Und somit sind Qualität und besonders seltene Variationen ein immer beliebteres Thema.

Eine der wohl bekanntesten und unbestreitbar bizarrsten Sorten des Spezialkaffees ist der sogenannte Kopi Luwak aus Indonesien. Hierbei handelt es sich um einen durch den Verdauungstrakt einer Wildkatzenart aufbereiteten Kaffee. Mit einem Kilopreis von bis zu 1200,- Euro ein durchaus lukratives Geschäft, möchte man meinen. Wo lukrative Geschäfte winken, finden sich allerdings auch Nachahmer, die es oft nicht so genau nehmen. Nicht nur aus diesem Grund ist der tierische Kaffee Bestandteil einer durchaus kontrovers geführten Debatte.

Nur Katzen? Es gibt einen regelrechten „Kaffee-Zoo“!

Neben dem Kopi Luwak gibt es noch zahlreiche andere Sorten dieser Kaffeekategorie. An Stelle des so genannten Fleckenmusang, der zur Gattung der Schleichkatzen gehört, kommen hierbei verschiede Tierarten zum Einsatz. Das Verfahren bleibt jedoch bei allen das gleiche:

Die Tiere werden mit Kaffeekirschen gefüttert, worauf hin sich diese ihren Weg durch das Innere des Tieres bahnen. Auf dieser Reise zersetzt sich das Fruchtfleisch und der unverdauliche Kern, also die Bohne – so ist die Annahme – erfährt auf Grund der Verdauungssäfte eine besondere enzymatische Behandlung. Wirklich nachgewiesen wurde die Wirkung dieses Prozesses bisher jedoch nicht und ist zudem auch geschmacklich umstritten. Hat der Kern das Ende des Tieres erreicht, verlässt er dieses auf natürlichem Wege und wird im Anschluss von fleißigen Händen aufgesammelt, gewaschen und geröstet.

Dem Kopi Luwak am ähnlichsten ist der Zibetkaffee (Civet) aus Äthiopien und Indonesien. Er wird ebenfalls von einer Wildkatzenart, den Zibetkatzen, „produziert“. Weitere, weniger bedeutsame Sorten sind der Kopi Muncak vom indischen Rothirsch, der brasilianische Jacu vom Schakuhuhn und der Elefantenkaffee, auch als Black Ivory bekannt. Darüber hinaus gibt es in geringen Mengen auch Kaffees von Ziegen (Kaldi-Kaffee) , Fledermäusen (Bat Crop), Affen (Monkey Chew) und wahrscheinlich jedem anderen Tier, dass gerne mal vom Kaffeestrauch nascht.

Mit der Zeit wuchs und festigte sich der Ruf des angeblich so besonders milden, aromatischen und wohlschmeckenden Tier-Kaffees, der so gut wie keine Bitterkeit aufweist. Ursprünglich aus reinem „Wildfang“ gewonnen, muss er zeitintensiv gesucht und aufgesammelt werden. Dieser arbeitsintensive Prozess führt in Kombination mit einem eher geringen Ertrag und dem bereits erwähnten Ruf zu den astronomischen Preisen, die dieser Kaffee erzielen kann.

Kopi Luwak: In vielen Fällen zahlt das Tier den Preis

Man muss kein Genie sein, um erahnen zu können, dass findige Geschäftsleute im Rahmen der Prozessoptimierung und angesichts der lukrativen Aussichten recht schnell dazu übergegangen sind, anstatt der Hinterlassenschaften direkt die Tiere einzusammeln. Abgesehen davon, dass sich Wildkatzen nicht domestizieren lassen, ähneln die Bedingungen, in denen die Tiere in Gefangenschaft leben müssen, nur zu oft Legebatterien. Hinzu kommt, dass die Allesfresser meist ausschließlich mit Kaffeekirschen gefüttert werden, was zusätzlich zu Mangelerscheinungen – bis hin zum Tod der Tiere! – führt. Einer der unumstrittenen Gründe, warum dieser Kaffee einen so guten Ruf genießt, liegt darin begründet, dass die Katzen in freier Wildbahn lediglich reife, gesunde und wohlschmeckende Früchte zu sich nehmen. Somit kommen am Ende des Tages nur Bohnen bester Qualität in den Kaffee. Ein Luxus, den sich die Tiere in Gefangenschaft sehr wahrscheinlich nicht leisten können und somit auch die Qualität des Endproduktes dem Ruf nicht standhalten kann.

Mittlerweile führt der Hype um diese Spezialität sogar soweit, dass der an Touristen als Kopi Luwak verkaufte Kaffee nicht selten das Werk von Elefanten, Schweinen und anderen Haustieren ist, die einen etwas produktiveren, sagen wir mal, „Output“ haben. Letztendlich werden für ein Kilogramm Kaffee bis zu 30 Kilogramm Kaffeekirschen benötigt, da nicht jede Bohne den Vorgang unbeschadet übersteht. Was ein weiterer Grund dafür ist, dass es schwer bis unmöglich ist, den wachsenden Bedarf mit traditionellen Methoden zu decken.

Transparenz ist kompliziert – aber nicht unmöglich

Die Echtheit der Bohne ist, besonders für den Laien, sehr schwer nachzuvollziehen. Wer diesen Kaffee dennoch einmal probieren möchte, sollte den Kauf daher mit Bedacht angehen. Man geht davon aus, dass ca. 80% des auf dem Markt befindlichen Kopi Luwaks entweder mit anderen Bohnen gestreckt wird oder sogar nie eine Schleichkatze gesehen hat.

Wie wir mittlerweile wissen, ist dieser Kaffee eine stark nachgefragte Rarität. Und Raritäten zeichnen sich in aller Regel dadurch aus, dass sie rar sind. Was in diesem Fall, je nach Sorte und Qualität, einen Verkaufspreis ab 60 Euro pro 100 Gramm bedeutet. Daher sollte man vor allem dann stutzig werden, wenn der Kaffee entweder zu günstig oder in sehr großen Mengen angeboten wird.

Trotz aller Kritik gibt es aber auch positive Beispiele. Mit ein bisschen verantwortungsvoller Recherche findet man Anbieter, die zertifizierten Kaffee anbieten und die meist in Zusammenarbeit mit Ureinwohnern der Region ausschließlich wild gesammelten Kaffee produzieren. Ein weiterer erfreulicher Vertreter der Kategorie ist der bereits erwähnte Black Ivory. Der Urheber dieses Kaffees ist die thailändische „Golden Triangle Asian Elephant Foundation“, eine Non-Profit-Organisation, die sich ganz dem Schutz und der Betreuung der Dickhäuter verschrieben hat. Neben einer verhältnismäßig guten Bezahlung der Betreuer gehen 8% der Erlöse aus dem Black Ivory an das Anantara Golden Triangle Elephant Camp, das sich um Nahrung und tierärztliche Betreuung der Tiere sorgt. Somit trägt der Verkauf des Kaffees zum Wohl der Elefanten bei. Mittlerweile gibt es sogar Hersteller, die den enzymatischen Prozess kontrolliert und ganz ohne Tiere imitieren. Man sieht also, dass man mit etwas Aufwand und dem passenden Kleingeld auch in den Genuss eines ethisch einwandfreien Tier-Kaffees kommen kann. Aufgrund der hohen Nachfrage haben die traditionellen Kaffee-Produzenten mittlerweile in allen Bereichen stark aufgerüstet und sind in der Lage, Kaffee in Aromen und Facetten anzubieten, die nahezu grenzenlos sind. In Kombination mit einer guten Zubereitung lässt daher auch ein Kaffee ohne tierisches Engagement keine Wünsche mehr offen. Daher sei der Gedanke erlaubt, ob die streitbaren Gründe, die für diese Kaffeespezialität sprechen, mittlerweile nicht obsolet sind.

Über Geschmack lässt sich bekanntlich nicht streiten. Wenn man jedoch die Möglichkeit hat zu genießen, ohne dabei einen Geschäftszweig zu unterstützen, der zum größten Teil auf Betrug und Tierquälerei beruht, sollte man diese auch wahrnehmen, oder zumindest entsprechend und an richtiger Stelle dafür bezahlen.

 

Dieser Text erschien ursprünglich in der MIXOLOGY-Ausgabe 3/17.

Photo credit: Foto via Shutterstock.

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