Linie Aquavit The Journey

The Journey: Michael Ehrenwirth und seine Reise nach Oslo

Drinks 12.6.2017

In der Berliner Bryk Bar ging das Semifinale von The Journey, dem Wettbewerb von Linie Aquavit, über die Bühne. Der Sieg ging an Michael Ehrenwirth, Sebastian Bron und Christof Reichert.  Vor den Augen von Alex Kratena und Monica Berg überzeugten die Siegerdrinks der Bartender mit ausgewogener Balance.

Na gut, Aquavit ist nicht das allererste, woran man denkt, wenn man an einem sonnigen Montagmittag durch den Prenzlauer Berg schlendert. Da denkt man eher an Chiasamen-Eis. An Aquavit wiederum denkt man nach einem Sauerbraten im Dezember, bei Eis und Kälte, wenn wärmender Kümmel nottut. Nun muss man Aquavit aber nicht immer bloß trinken, wenn er überlebensnotwendig ist – und pur. Aquavit kann auch regelrecht Spaß machen, zum Beispiel im Drink.

Alex, Linie Aquavit und Amerika

Diese Möglichkeit hatten elf Bartender aus ganz Deutschland, die sich unter 80 Mitbewerbern durchgesetzt hatten. Durchgesetzt, das bedeutet, dass es Cordula Langer, Bar-Chefin der Bryk-Bar, und Spirituosen-Experte Jürgen Deibel geschmeckt hat und man es innerhalb von acht Minuten geschafft hat, einen innovativen, auf Linie Aquavit basierten Drink herzustellen, in dem die Noten der Spirituose elegant herausgearbeitet und dennoch kreativ kombiniert werden.

In der Bryk Bar allerdings kommt eine erhebliche Schwierigkeit hinzu. Zu der Jury gesellen sich nämlich Alex Kratena und Monica Berg hinzu, die für Linie Aquavit immer wieder gerne den Shaker schütteln. Monica tut dies in ihrer Heimatbar Himkok überdies im Heimatland des Linie Aquavits. Die Anwesenheit der beiden schlägt sich auch auf die Stimmung der Bartender nieder. „Boah, ich bin krass nervös“, zischt es aus dem einen Ledersessel, „Bloß nicht den Aquavit vergessen“, aus der anderen Ecke. Manche sprechen gar nicht und gehen im Kopf vermutlich die Geschichte durch, mit der sie ihren Drink servieren möchten.

Erstaunlicherweise kaprizieren sich viele auf Amerika. Dabei lässt Linie Aquavit so ziemlich alle Möglichkeiten zum Geschichten erzählen: Immerhin reist die aus Kartoffel und Getreide vergorene, mit destilliertem Anis, Kümmel und Koriander vermengte Spirituose vier Monate lang den weiten Weg aus Lysholm nach Hamburg, Savannah, Singapur, Hongkong, Los Angeles, Miami und Rotterdam. Und ein Drink, der die Welt gesehen hat, kann quasi alles erzählen.

Norwegen und Japan: im Garnish vereint

Bartender Nummer neun allerdings sucht sich Japan als das Land, welches für seinen Drink Purity Pate stehen soll. Michael Ehrenwirth, Bartender aus dem Enfant Terrible in Landsberg am Lech, hatte bereits viel mit dem ungelagerten Linie Aquavit gemixt und das Produkt dabei als „Substitutionsgut“ für Gin lieben gelernt. Für seinen Drink verwendet er die im Portweinfass gereifte Version: „Bei den Double Cask-Qualitäten wolle ich schnell in Richtung Old Fashioned gehen. Ich denke, neue Produkte sollte man stets zunächst an Classics testen, um ein Gefühl für die Spirituose zu bekommen. Auch die Richtung Japan war für mich von Anfang an klar, da ich die dortige Barkultur als Inbegriff für zeitlose Eleganz und präzises, auf den Punkt gebrachtes Mixen empfinde – daher auch der Name des Cocktails. Da durch das Port Cask die Nähe zu Whisky auf der Hand liegt und Yuzu ebenfalls eine der klassischen Aromen Japans ist, begann ich sofort damit zu spielen, Teaport Bitters schließen den Bogen von der Schiffsfahrt und Old Fashioned.“

Zu seiner Schüssel Reinheit serviert Michael nämlich norwegisches „Sushi“ und verbindet Norwegen auch im Garnish mit Japan. Nun, wenn das nicht durchdacht ist, wissen wir auch nicht mehr. Michael allerdings weiß sehr genau, was er tut, und erklärt, weshalb er die japanische Akkuratesse so schätzt, warum er auf überladene Garnituren gerne verzichtet und wieso der Old Fashioned überhaupt das Non plus ultra ist. Aus Reinheitsgründen.

Der zweite Gewinner des Tages, Sebastian Bron aus dem Enchilada in Münster, überzeugt die Jury mit seinem Julemat und der dritte Sieger kommt aus dem Berliner Provocateur: Christof Reichert räumt mit seiner Kreation Darkthrone ebenfalls ab.

Linie Aquavit mit Dunkelbier-Espuma und Erbsenpüree

Bisweilen sind die Teilnehmer so aufgeregt, dass das Eis ohne Absicht gegen das Edelstahl des Shakers klopft oder der Jigger nur halb getroffen wird. Das macht natürlich weiter nichts, mit ein paar Zentimetern Empathie-Vermögen gibt es dennoch Stellen, an denen man besser weg sieht, um sich nicht selbst vor Aufregung zu übergeben.

Am Ende hat jedoch keiner den Linie Aquavit vergessen. Im Gegenteil, es wird nicht nur nichts vergessen, sondern ziemlich vieles vorbereitet. Selbstgemachte Bitters und Sirups ohne Ende, darunter Kaffee- und Cola-Sirup, Bitters aus Wurzeln aller Herren Länder, Kräuter aller Farben und Hölzer aller Wälder. Selbst gebastelt wird wie an Weihnachten. Der Oscar beispielsweise wird serviert auf einem roten Teppich, mit kandiertem Bacon und im Glas mit Parmesanrand. Und das war lange nicht der mutigste Drink. Unsere persönlichen Favoriten oszillieren zwischen dem selbstgemachten Kaffeelikör-Aquavit mit Dunkelbier-Espuma und dem frischen Erbsenpüree-Aquavit mit Limette und Bacon.

The Journey von Linie Aquavit endet in Oslo

Nun geht es eben für Michael, Sebastian Bron und Christof Reichert weiter nach Oslo zum Finale am 12. September, wo sie vor einer Jury aus Alex Kratena, Monica Berg, dem Londoner Bartender Ryan Chetiyawardana (White Lyan) und dem Master Distiller von Linie Aquavit, Ivan Abrahamsen, bestehen werden müssen.

The Journey findet in diesem Jahr erstmals in Deutschland und somit außerhalb Skandinaviens statt. Man darf also gespannt sein auf den Drink, der The Journey in diesem Jahr am erfolgreichsten überstehen wird. Diese Kondition wird belohnt, nämlich mit der Kreation eines eigenen Aquavit-Fasses mit späterem Verkauf im Handel. Michael könnte sich da ein französisches Limousin-Eichenfass vorstellen, „um noch eine gewisse Trockenheit einzubringen.“ Wer Trockenheit höchstens im Drink und nicht am Abend schätzt, versuche sich einmal am Purity – Lachs nicht vergessen, es lohnt sich!

Purity

Michael Ehrenwirth / Enfant Terrible, 2017

Rezept

4,5 cl Linie Aquavit Double Cask Port
1,5 cl Nikka from the Barrel
1 cl selbstgemachtes Yuzu-Sirup
2 Spritzer Dr. Adam's Tea Pot Bitters

Zubereitung

Alle Zutaten werden zunächst in einem Mixbecher mit Eis verrührt und dann über einen großen Eiswürfel in eine japanischen Teeschale abgeseiht, darüber kommt das ätherische Öl einer Grapefruitzeste. Serviert wird der Drink auf einem Holzbrett mit einer weiteren Grapefruitzeste, gebeiztem Lachs und Dill, voilà!

Photo credit: Fotos via Linie Aquavit.

Schreibe einen Kommentar

Ähnliche Artikel