Mampe Gin. Oder „Schuster bleib bei deinen Leisten“.

Drinks 3.4.2013 1 Kommentar

Die Firmengeschichte von Mampe ist eine sehr bewegte. Mit über 160 Jahren Tradition wird in Berlin der Kräuterlikör Mampe Halb und Halb hergestellt. Das ursprüngliche Mittel gegen Cholera wurde innerhalb der Familie Mampe weitergegeben und bereits 1837 in Berlin professionell hergestellt.

So bewegt die Geschichte von Mampe auch ist und so viele witzige Anekdoten es zu erzählen gäbe, wollen wir uns heute mit einem neuen Produkt aus dem Hause Mampe beschäftigen. Seit Kurzem schickt man sich in Berlin an auch einen Gin zu produzieren und dieser soll heute Objekt der Begierde beziehungsweise der näheren Untersuchung sein.

In der Milchglasflasche in der aktuellen Mampe Form steht er nun auf dem Tisch. Mampe Berlin Gin. Drei blaue Buchstaben auf dem Etikett verraten den Inhalt, die Beschreibung verspricht einen trockenen London Gin, leidenschaftlich destilliert, kräftig, würzig und trotzdem sanft. 40% Vol. Alkohol hat er und natürlich das Markenzeichen, das Echtheitszertifikat, den weißen Elefanten um den Hals.

Soweit zum Äußerlichen. Keine künstliche Aufhübschung sondern das, was es eben ist. Eine Flasche Gin.

Dem Dickhäuter an den Kragen

Und dieser Gin will verkostet werden. Sowohl pur als auch im Gin Tonic wurde er probiert. Hier soll er laut Homepage des Herstellers seine Stärken schließlich voll ausspielen.

London Gin steht auf der Flasche, per Definition wurden also die Botanicals mit Alkohol redestilliert und dem Gin so sein Aroma verliehen.

Das mag der Geruchssinn sehr gerne glauben. Deutliche Wacholdernoten kreuzen ganz leichte Zitrusanklänge. Eindeutig Gin und eindeutig der Fokus auf den Wacholder. Hier wurde nicht gespielt und nicht versucht die Spirituose neu zu erfinden.

Auf der Zunge dann eine kurze Schärfe gefolgt von Wacholder. Und dann ist er wieder weg. Ein äußerst kurzes Abenteuer dieser Mampe Gin. Sehr weich hinterlässt dieser Gin beinahe keinen Nachhall. Wacholder und Zitrusnoten geben sich kurz die Hand und sind schon wieder verschwunden. Keine Aromenbombe die einen beeindruckt, keine Spirituose die einen fordert.

Tonic Water steigt mit in den Ring

Versuchen wir es im Gin Tonic. Mampe schlägt einem 4cl Gin und 14cl Tonic mit Eis vor. Gedrängt von persönlicher Vorliebe und den vorherigen Eindrücken variiere ich die Anteile leicht und mische 5cl Gin mit 10cl Tonic Water. Hier sei erwähnt, dass Schweppes das Tonic der Wahl war.

Was folgt wäre im Boxen ein Uppercut ohne Deckung. Knock-out für den Gin. Vom Tonic völlig erschlagen taumelt der Gin durchs Glas und kann sich nicht auf den Beinen halten. Ohne jeglichen Ecken und Kanten lässt sich der Gin im Tonic nur mäßig erahnen und vermag überhaupt keine Akzente zu setzen. Ob es nun an den eher geringen 40% Vol. Alkohol liegt oder an den angesprochen flachen und schnell verfliegenden Aromen ist schwer zu sagen, aber Mampe Gin ist vor allem sanft. Kräftig und würzig findet man nur auf dem Etikett.

Was wirklich Schade ist. Sollte man sich von Hause aus doch mit würzigen Produkten auskennen und wissen, wie man Aromen im Destillat einfängt.

Hier war offensichtlich zu wenig Mut im Spiel und man hat versucht einen Gin zu kreieren, an dem sich niemand stört, anstatt etwas auf den Markt zu bringen, das seine Nische suchen muss und dort seine Anhänger findet. Auf der Homepage schreibt man „Mampe. Keiner für Alle. Nur für Berlin.“ Leider findet sich diese Markigkeit im Gin nicht wieder.

Im Regal einer breit sortierten Bar, mit einigen Ginliebhabern unter den Gästen, dürfte dieser Gin untergehen. Durch sein Lokalkolorit mag es in Berlin einige Liebhaber geben die Mampe Gin verehren werden, den Sprung auf die große Bühne traut man ihm aber nicht zu. Einzig der Preis weiss zu überzeugen. 11,90€ als unverbindliche Preisempfehlung ausgegeben von Mampe ist im aktuellen Ginmarkt ja schon die günstigere Variante.

 

Kaufen: Im gut sortierten Fachhandel ab 11,90 € für die 0,7l Flasche. Unverbindliche Preisempfehlung des Herstellers

 

(Offenlegung: Die Redaktion hat für die Verkostung Produktproben von Mampe erhalten. Außer den Produkten – durch die Kehlen der Redaktionsmitglieder – ist allerdings nichts geflossen. Prosit!)

 

 

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