Mother-in-law cocktail amer picon bourbon

Starkes Vermächtnis: Der Mother-in-law Cocktail

Drinks 7.2.2018

Der Mother-in-law Cocktail ist ein Sazerac-Twist, bei dem Amer Picon das Zünglein an der Waage spielt.  Der Drink trägt seinen Namen aber nicht, weil er die Schwiegermutter ruhig stellt, sondern weil seine Entstehung in die Irrungen und Wirrungen des Ersten Weltkrieges zurück reicht.

Vielerorts ist heute vergessen, welch Grausamkeit und Leid die verheerenden Schlachten um die Vormachtstellung in Europa im Zuge des Ersten Weltkrieges mit sich brachten. Viel eher wabern die krankhafte Ideologie und Ansichten des Diktators, der Deutschland Jahre später in einen weiteren Krieg und die Welt in den Abgrund stürzen sollte, in unserem kollektiven Gedächtnis.

Zu Recht. Und doch sollten wir die Gräueltaten des nunmehr 100 Jahre zurückliegenden Krieges als Mahnmal in unserem Geiste weitertragen, stand er doch in seiner Kampfführung, dem Einsatz von chemischen Waffen und dem Tranchenkampf in seiner Brutalität dem Nachfolger in nichts nach.

Mother-in-law Cocktail als Vermächtnis

Kein Wunder, dass bei all dem Gräuel dieser Zeit ein Cocktailrezept beinahe den Wirren des Krieges zum Opfer gefallen wäre: jenes des Mother-in-law Cocktails nämlich. Eine überlieferte Erzählung besagt, dass kurz vor dem Ausbruch des großen Krieges 1914 eine ältere, dem Tode geweihte Dame jenes Rezept an ihre Schwiegertochter vererbte, um es der Nachwelt zugänglich zu machen.

Ein solches Vermächtnis (rechtlich also kein Erbe!) ist nicht nur äußerst ungewöhnlich, es zeigt auch, wie überrascht die Bevölkerung von der politischen Veränderung gewesen sein musste, hatte sie sich vorher noch mit Cocktailrezepten beschäftigt. Aber da hört es auch schon auf mit der Geschichte …

Mother-in-law Cocktail und der Hauch Amer Picon

Der Mother-in-law Cocktail, benannt nach eben jener Erblasserin, ist ein Drink, den es heute in der Form wohl nur noch selten geben würde. Als losen Sazerac-Twist könnte man ihn bezeichnen, weist er doch die klassischen Bitters und starken Spirituosen auf. Eine gehörige Portion Bourbon gesellt sich zu der jeweils gleichen Menge aus Dry Curaçao, dem süßlich-bitteren Kirschlikör Maraschino sowie Sirup aus Läuterzucker hinzu. Abgerundet wird die Schwiegermutter mit drei Dashes Peychaud’s Bitters und zwei Dashes des würzigeren Bruders Angostura Bitters. Um dem Drink anschließend die nötige Tiefe zu verleihen, gleichzeitig aber die süßliche Seite der Orange auszusondern, kommen noch entscheidende 2-3 Barlöffel Amer Picon als bittere Quelle in den Mother-in-law Cocktail.

Wer wünscht sich nicht ein solches Vermächtnis? Ein Rezept aus einer anderen Zeit, aber zeitlos und perfekt geeignet für die Barkarten der sich in der Cocktail-Renaissance suhlenden Barelite. Von der Schwiegermutter kommt also nicht nur immer Schlechtes…

 

 

Mother-in-law Cocktail

Rezept

6 cl Bourbon
2 cl Maraschino
2 cl Zuckersirup
2 cl Dry Curaçao
3 Dashes Peychaud's Bitters
2 Dashes Angostura Bitters
2 BL Amer Picon

Zubereitung

Alle Zutaten in einem vorgekühlten Rührglas aus Eiswürfeln ca. 15-20 Sekunden lang gut kaltrühren. Anschließend ins vorgekühlte Glas einfach abseihen und mit einer Orangenzeste abspritzen.

Glas

Coupette

Garnitur

Orangenzeste

Photo credit: Tim Klöcker

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