Mixology Taste Forum: Farthofer O-Gin auf Platz 1

Bars 9.5.2015

Moment mal: eine Gin-Verkostung, die nur Produkte aus dem deutschsprachigen Raum bewertet? Was vor einigen Jahren noch als Kuriosum oder als Aprilscherz durchgegangen wäre, ist mittlerweile Realität. Am Ende setzte sich der österreichische Gin knapp gegen die Konkurrenz durch.

Gin aus Deutschland, Österreich und der Schweiz ist mittlerweile nicht nur in heimischen Gefilden ein alltäglicher mixologischer Akteur an den Bars. Auch im Ausland schätzt man die Handwerkskunst deutscher Brennmeister, die bereits mehrere Gins hervorbringen konnten, die sich längst in den Rückbuffets großer Bars in London, New York, Barcelona oder Tokyo wiederfinden. Für das MIXOLOGY TASTE FORUM (MTF) ein klares Zeichen: dieses mittlerweile entwickelte Segment muss unbedingt unter die Lupe genommen

Neue Botanicals überall — wer kann was?

Wie viele der neuen Abfüllungen überhaupt, sind auch die Brände der deutschen Gin-Brenner größtenteils der New-Western-Dry-Strömung zuzuordnen — also Gins, die nicht mehr klassische den Wacholder in den Vordergrund stellen, sondern anderen Botanicals die große Bühne bereiten. Große Vitalität, aber auch viel Marketing kennzeichnen die aktuellen Bewegungen auf dem Markt, auf dem derzeit viele mitspielen möchten.

Wie der Leiter des MTF, MIXOLOGY-Autor Pete Eichhorn festhält, geht es aber auch in einem modernen New Western Gin nicht darum, einfach ein anderes Aroma in den Vordergrund zu stellen: was zählt, sind Komplexität und Ausgewogenheit der gewählten Drogen — ansonsten könnte guten Gewissens zu einem Flavoured Vodka gegriffen werden.

Eine hochklassige Konkurrenz

Ein Gedanke, von dem die Verkoster in unserem Blind-Tasting glücklicherweise verschont blieben: die Gin-Landschaft zwischen Nordsee und Alpen präsentiert sich durch die 14 ausgewählten Produkte als überaus hochklassig. Nur ein einziges Produkt erhält eine unterdurchschnittliche Bewertung, wohingegen eine Spitzengruppe von gleich fünf Gins die Note „very good“ erhält, darunter freilich auch der Sieger O-Gin mit stolzen 94 von 100 möglichen Punkten, womit ihm nur ein Zähler zum Prädikat „excellent“ fehlt.

Der O-Gin aus dem Hause Farthofer, wo bereits in fünfter Generation die Brennblasen brodeln, kann vor allem überzeugen durch eine extrem saubere Herstellungsweise sowie durch ein reichhaltiges, ausbalanciertes Aroma, das durch eine feine Spannung zwischen erfrischenden Tönen von Zitronen- und Orangenzeste auf der einen Seite und einer dunklen Würze aus dem verarbeiteten Kubebenpfeffer andererseits getragen wird. Ein Gin, der sich nicht nur zum puren Genuss eignet, sondern der aufgrund seiner Komplexität und kraftvollen Würze auch für vielfältige Mix-Exkurse eignen dürfte.

Der Preis als Richtgröße?

Zwar ist der O-Gin mit einem Flaschenpreis von ca. 42 € auch der teuerste im Test. Angesichts der jüngsten Entwicklungen im Gin-Bereich wird das allerdings viele Bartender und Liebhaber nur noch wenig abschrecken, zumal sich der Preis relativiert, da der Gin von Farthofer im Gegensatz den Bränden vieler anderer junger Gin-Hersteller in der klassischen 0,7-Liter-Flasche auf den Markt kommt — insofern liegt der Literpreis wieder unter vielen anderen Mitbewerbern.

Die kompletten Ergebnisse des MTF Gin finden sie selbstverständlich in der aktuellen Ausgabe 2/15 des MIXOLOGY MAGAZIN. Informationen zu einem Abonnement finden Sie hier.

Angesichts des rasanten Wachstums im Gin-Markt kann eine solche Verkostung aktuell nur als Zwischenstand begriffen werden. Es bleibt abzuwarten, ob der Markt die Dynamik, aber auch die Qualität beibehalten kann, mit der er sich aktuell präsentiert.

Bei Farthofer indes wird man sich auch dann noch freuen dürfen. Denn die Qualität dieses Produktes braucht den Vergleich mit anderen nicht zu fürchten.

 

Autor des Print-Artikels in der MIXOLOGY Printausgabe 2/15 ist Peter Eichhorn.

Photo credit: Niederösterreich via Shutterstock

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