MIXOLOGY TASTE FORUM: Weltenburger und Buddelship auf Platz 1

Drinks 26.3.2016

Schwarzbier und Bayerisch Dunkel sind keine klassischen Bierstile, die in jeder Bar zu finden sind. Kein Grund für das MIXOLOGY TASTE FORUM, sie zu vernachlässigen. Mit dem Weltenburger „Barock Dunkel“ und dem „Kohlentrimmer“ aus dem Hause Buddelship liegen diesmal nach zwei Flights zudem zwei Biere mit denkbar unterschiedlichem Hintergrund auf den vordersten Rängen.

In gewisser Weise überrascht die Paarung der beiden Sieger des MIXOLOGY TASTE FORUM (MTF) zu den Stilen Schwarzbier und Bayerisch Dunkel, andererseits scheint es plausibel: Die beiden Braustile spielen in der breiten Wahrnehmung derzeit leider keine allzu prominente Rolle. Da liegt es umso näher, dass in der Kategorie Bayerisch Dunkel mit dem „Barock Dunkel“ aus der Klosterbrauerei Weltenburger ein Sud aus einem echten Traditionshaus gewinnt, während beim Schwarzbier der „Kohlentrimmer“ von Buddelship aus Hamburg die Nase vorn hat.

Ein „Craftie“ und ein altes Brauhaus zeichnen also – wie sollte es anders sein – für die besten Sude der beiden Stile verantwortlich. Für die gerade erst rund zweieinhalb Jahre junge Buddelship-Brauerei von Gründer und Braumeister Simon Siemsglüss ist es nach der Kategorie Pils gar bereits der zweite Sieg im insgesamt siebten MTF zum Thema Bier – eine beachtliche Bilanz!

Dunkles Bier: Back to the Roots!

Ganz im Gegensatz zu heutigen Gepflogenheiten und Gewohnheiten waren dunkle Biere bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts deutlich stärker verbreitet als helle Stile. Erst mit neuen technischen Möglichkeiten und der Entwicklung des Pilsener Braustils gewannen ab 1850 vermehrt leichte, goldfarbene Biere wie Pils, Lager oder Bayerisch Hell die Gunst der trinkenden Bevölkerung. Das typische „Dunkel“ ist das malzigere und etwas vollere, aber ebenso süffige Pendant zu ebenjenem Bayerisch Hell, die deutsche Schwarzbiertradition hingegen hat ihre bekanntesten Ursprünge ein kleines Stück weiter nördlich im Gebiet zwischen Thüringen und Franken.

So steht auch bis heute das Schwarzbier aus Köstritz fast synonym für den Stil. Neben alteingesessenen Brauereien nehmen sich jüngst auch immer mehr junge Craft Brewer der beiden dunklen Stile an, die sich im Gegensatz zum ebenfalls schwarzbraunen Imperial Stout vor allem durch ihren niedrigeren Alkoholgehalt und ihre höhere „Drinkability“ auszeichnen.

Weltenburger und Buddelship: Zwei klare Sieger

An den beiden Bieren von Weltenburger und Buddelship führt in der Endabrechnung von MTF-Leiter Peter Eichhorn kein Weg vorbei: Mit stolzen 98 (Weltenburger) und 95 (Buddelship) Punkten distanzieren die beiden Biere aus Regensburg und Hamburg die Verfolger jeweils deutlich und erringen ebenfalls beide das Höchstprädikat „Excellent“. Das Dunkel von Weltenburger überzeugt neben einer perfekt eingebundenen Kohlensäure vor allem durch feine Malztöne, Karamell- und Schokoladennoten sowie eine dezente, nur flankierende Süße, der Nachhall wird dominiert von klaren Trockenfruchtaromen.

Der „Kohlentrimmer“ hingegen repräsentiert eine zeitgemäße, handwerklich herausragend gefertigte Interpretation des deutschen Schwarzbierstils mit klar definierter Röstmalzstruktur, ebenfalls deutlichem Anklang von Schokolade sowie einer präsenten Nuance von Nüssen. Am Gaumen und im Abgang offenbaren Süße und Bitterkeit ein balanciertes Wechselspiel, die Rezenz ist überaus angenehm und das Bier mündet in einen komplexen Abgang. Zwei hervorragende Biere, die zeigen, dass auch jenseits der aktuell favorisierten Craft-Stile noch weitere erlesene Brau-Genüsse auf eine breitere Wiederentdeckung warten.

 

Das MIXOLOGY TASTE FORUM aus renommierten Bartendern, Fachhändlern, Journalisten und Sommeliers testet in jeder Ausgabe unabhängig, frei und in doppelter Blindverkostung Spirituosen, Biere oder andere Produkte mit Bar-Relevanz. Die kompletten Ergebnisse des MIXOLOGY TASTE FORUM Schwarzbier und Bayerisch Dunkel finden Sie in der aktuellen Ausgabe 1/2016 des MIXOLOGY MAGAZIN. Informationen zu einem Abonnement gibt es hier.

Photo credit: Flaschen via Shutterstock.

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