Der Palmetto Cocktail, eine rumreiche Verführung.

Drinks 22.4.2014

Nachdem in den letzten Wochen vorrangig Neukreationen vorgestellt wurden, soll in dieser Woche ein Klassiker präsentiert werden. Der Palmetto Cocktail vereint die Alte und die Neue Welt im Glas.

Der Palmetto Cocktail scheint in Europa nur sehr wenige Anhänger zu haben. Jedenfalls ist er eine kleine Rarität, was Sichtungen auf Cocktailkarten angeht. Dabei kann er sich nahtlos in die Reihe der alten Klassiker einbringen, für die eine Spirituose und Wermut gemischt und mit ein paar Tropfen Bitters abgerundet werden. Der von manchen als „Rum Manhattan“ bezeichnete Drink verdient diese Bezeichnung durchaus, das ist aber auch nur die halbe Wahrheit.

Trockener Ursprung

Eine der ersten Erwähnungen eines Palmetto findet man vermutlich in Jack’s Manual aus dem Jahre 1910. Im vorliegenden Rezept werden süßer Wermut und Santa Cruz Rum zu jeweils gleichen Teilen mit 3 Dashes Angostura verrührt. Bei Santa Cruz Rum darf man von einem nicht fassgereiften Rum ausgehen, leicht, ein wenig harsch und mit fruchtigen Noten. Der passende Rum, um dem Wermut ein kräftiges Rückgrat zu geben ohne sich selbst zu sehr in den Vordergrund zu stellen. Die Fassnoten die einen Vergleich zu einem Manhattan zulassen würden, fehlen dem Drink in dieser Variante also.

Angepasster Geschmack

Im Laufe der Jahre hat sich entweder der Geschmack verändert oder es liegt an der besseren Verfügbarkeit, dass moderne Interpretationen meist auf gereiften Rum zurückgreifen oder eine generelle Unterscheidung zwischen einer Sweet und einer Dry Variante machen, wie es von Matt Robold in seinem Beitrag zum Mixology Monday beschrieben wird. Er fügt aber auch hinzu, dass die „trockene Variante“ dem modernen Gaumen kaum beizubringen sei. Wer also eine wohlschmeckende Kombination aus trockenem Wermut und weißem, oder jungem, Rum findet die mit ein paar Tropfen Bitters zu einem Geschmackserlebnis wird, ist angehalten diese zu veröffentlichen.
Anders als bei vielen Klassikern, bei denen sich das Verhältnis von Wermut und Spirituose meist in Richtung Spirituose verschoben hat, mischt man im Palmetto, in beiden Varianten, die Komponenten zu je gleichen Teilen. Durch die Verwendung verschiedener Rums, Wermuts und Bitters ergeben sich unzählige Möglichkeiten, dem Drink einen jeweiligen persönlichen Charakter zu verleihen.

Für alle Bars, die sich mit klassischen Drinks beschäftigen, sollte der Palmetto Cocktail eine willkommene Möglichkeit sein, den Gästen etwas Neues zu präsentieren und sie gleichzeitig dazu einladen, die Welt von Rum und Wermut und auch Bitters vom Tresen aus zu erkunden. Der Palmetto Cocktail, ein in Vergessenheit geratener Klassiker, bei dem man sich nicht zu nahe an das Original halten, sondern den feinen Fassaromen eines gelagerten Rum ihren Platz einräumen sollte.

Palmetto

adaptiert aus Jack's Manual, 1908

Rezept

4cl gereifter Rum
4cl süßer Wermut
3 dashes Cocktail Bitter (z.B. Angostura)

Zubereitung

Alle Zutaten in ein mit Eiswürfeln gefülltes Rührglas geben und ca. 30 Sekunden (30 mal) verrühren. Ins vorgekühlte Gästeglas abseihen, mit den ätherischen Ölen der Zitronenzeste abspritzen und mit ins Glas geben.

Glas

Coupette

Garnitur

Orangen- oder Zitronenzeste nach Geschmack

Photo credit: Palmen via Shutterstock

Schreibe einen Kommentar

Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.

Ähnliche Artikel