Der Pisco Punch. Goldgräberstimmung am Tresen.

Drinks 2.4.2013 7 comments

Die Geschichte der Besiedlung Amerikas ist eng geknüpft an die Geschichte des Goldes. Wo immer man vor 175 Jahren Gold fand, wurde im Handumdrehen eine Stadt gegründet und Glückssucher, die sich schon als Millionäre wähnten, kamen aus der ganzen Welt. San Francisco ist eine Stadt, die ihre Wurzeln auch im Goldfieber hat und in ihrer Anfangszeit sämtliche damit verbundenen Schicksale kannte.

Nun, wer Gold suchte, hatte auch immer einen guten Grund zum Trinken. Wer welches fand, um dieses zu feiern, wer kein Glück hatte wollte seinen Kummer ertränken. Und wo es Durst gibt, gab es auch schon immer Bars, oder früher eher Saloons. Neben Glücksspiel und Schießereien gab es dort auch immer etwas Flüssiges ins Glas und neben dem selbst gebrannten Feuerwasser war es in San Francisco oft Pisco, der von chilenischen und peruanischen Glücksrittern mit nach Amerika gebracht wurde.

Und so gab es in San Francisco die Bar „Bank Exchange“, in der die Jagd nach Gold gefeiert wurde. Jeder kannte diesen Ort und lange über den Goldrausch hinaus sollte diese Trinkstätte Ruhm erlangen, der unter anderem in dem dort erfundenen Drink, dem Pisco Punch, begründet war. Erst die Prohibition setzte diesem Ruhm ein Ende und der Besitzer Duncan Nicol verstarb noch vor dem Repeal Day und nahm das ursprüngliche Rezept mit in sein Grab. Man dachte damals jedenfalls, dass mit seinem Tode das Rezept für immer verloren sei.

Aber 1973 veröffentlichte „The California Historical Society“ das Rezept, welches ein ehemaliger Bartender des „Bank Exchange“ ihnen überlassen haben soll.

An der Stelle der ehemaligen Bar „Bank Exchange“ steht heute übrigens ein Wahrzeichen San Franciscos, die Transamerica Pyramid.

Ein wirklicher Punsch

Das Schöne am Pisco Punch ist, dass man ihn so servieren kann, wie es einst gedacht war, also wirklich als Punsch, aber auch als einzelnen Cocktail. Allerdings gehört sowohl zum einen als auch zum anderen ein wenig Vorbereitung dazu will man ein möglichst authentisches Ergebnis erzielen.

 

Pisco Punch (adaptiert nach Duncan Nicol, Bank Exchange, San Francisco, Ende des 19. Jahrhunderts mit Verweis auf den Esquire Artikel von David Wondrich)

1 reife Ananas

250 ml Gomme Syrup

0,7 l peruanischer Pisco

300 ml frischer Zitronensaft

(0,5l Wasser)

Wichtige Zutat in diesem Rezept ist „Gomme Syrup“, eine alltägliche Zutat in Bars vor 150 Jahren, als man seine Rezepte noch an die jungen Kollegen vermachte. Hierbei handelt es sich um eine hoch konzentrierte Zuckerlösung, der zusätzlich Textur und Viskosität durch „arabisches Gummi“ verliehen wird. Arabisches Gummi ist ein Mehrfachzucker, gewonnen aus der Rinde des Akazienbaumes, der in vielen Lebensmitteln eine wichtige Rolle als Verdickungsmittel und Stabilisator bildet. Wie man „Gomme Syrup“ herstellt, ist im Forum unter den selbst gemachten Zutaten erklärt.

Bereits am Abend vorher legt man die klein geschnittene Ananas in Gomme Syrup ein und lässt diese Mischung über Nacht stehen. Am nächsten Morgen nimmt man den entstandenen Ananassirup und mixt diesen mit Zitronensaft und Pisco. Nicol bestand auf die Zugabe von Wasser zum Punch, dies sei aber je nach Geschmack jedem Selbst überlassen.

Der Punsch wird nun kaltgestellt und kann am Abend mit Eiswürfeln in einer Punch Bowl serviert werden. Die Ananasstücke werden mit in die Gläser gegeben.

Natürlich kann man auch den Sirup aufbewahren und die gezuckerte Ananas einfrieren, und sich nach und nach einzelne frische Drinks zubereiten, wenn man gerade keine Gäste erwartet. Gekühlt sollte der Sirup einige Wochen halten.

Und wer jetzt Durst auf einen Pisco Punch hat, aber die Vorbereitung scheut, dem sei das Rezept für einen Drink mit frischer Ananas empfohlen:

 

Pisco Punch Cocktail

6 cl peruanischer Pisco

3 cl frischer Zitronensaft

2 cl Zuckersirup (2:1) – oder Gomme Syrup

5 frische Ananaswürfel

Glas: Sourglas

Garnitur: Ananaswürfel

Zubereitung: 4 Ananaswürfel im Shakerglas mit dem Muddler zerstoßen, restliche Zutaten hinzufügen und mit Eiswürfeln kräftig schütteln. Durch ein Teesieb in das vorgekühlte Gästeglas abseihen.

Wem dieser Drink schmeckt, dem sei dringend empfohlen bei nächster Gelegenheit den Punch für eine größere Gruppe zuzubereiten. Vielleicht für das erste Grillen in den kommenden Wochen.

 

 

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Bildquelle: aboutpixel.deAndiner Ackerbau © MAAL

7 comments

  1. Arno Schmid-Egger

    Danke für den Artikel über den tollen Pisco Punch, der ja in unseren Spähren immer noch recht unbekannt ist. Bleiben noch zwei Punkte zu erwähnen.

    Zum einen sollte man, will man einen möglichst originalgetreuen Pisco Punch zubereiten, einen Pisco vom Typ Italia verwenden. Italia war der damals nach San Francisco importierte Pisco-Typ, wie u.a. in Quellen von Guillermo Toro-Lira nachzulesen ist.

    Zum anderen dass der Pisco Punch ein exzellentes Beispiel dafür ist, wie das Geheimhalten eines Cocktailrezeptes zu einem außergewöhnlichen Erfolg verhelfen kann. Es ist kein Geheimnis dass die Bank Exchange extrem erfolgreich wirtschaftete, und dass vor der Prohibition ein Besuch von San Francisco erst dann als abgeschlossen galt, wenn man einen Original Pisco Punch in der Bank Exchange genossen hatte. Man kann den Pisco Punch also getrost als Gegenbeispiel zu der Aussage des vor 2 Tagen auf Mixology erschienenen Artikels zum Urheberrecht von Cocktails heranziehen, wonach die Erfolgsaussichten der Rezept-Geheimhaltung „düster“ seien. Ganz im Gegenteil: Die Geheimhaltung des Rezepts verhalf der Bank Exchange (zugegeben, neben anderen Faktoren) zu einem Alleinstellungsmerkmal, das sich in bare Münze umwandeln ließ!

  2. Redaktion

    Hallo Arno,
    Danke für deine Ergänzungen zum Artikel.
    Ganz kurz aufklärend zur Geheimhaltung und dem damit verbundenen Erfolg von Bars.
    Der Artikel von vor zwei Tagen war lediglich auf Bartender bezogen. Dass es für manche Bars Sinn machen kann ein Rezept geheim zu halten, um ein Alleinstellungsmerkmal zu haben, ist gut möglich. Ich wollte in dem Artikel zum Urheberrecht lediglich die Bartender ansprechen, die in ihren selbst erfunden Cocktails eine Art Altersabsicherung sehen.
    Schöne Grüße,
    Marco Beier

  3. Joerg Meyer

    Der Artikel hat ein wichtiges Detail ausgelassen. Der Ruhm des Original Pisco Punches beruht auf einer ganz anderen heimlichen Zutat: Kokain.

    War diese Zutat zu Beginn der Bar noch „frei“ verkäuflich, wurde im laufe die Gesetzgebung schärfer und Herr Nicoals ist aus eben diesen Grund in den Keller und hat sein Geheimrezept mit einer Prise Kokain angemixt.

    Seiner Zeit gab es sogar ein Polizeigesetzt was in der Stadt einen maximalen Konsum von zwei Pisco Punch vorschrieb .

    Gruß

    Jörg Meyer

  4. kochschlampe

    Für mich ist das Punsch – Rezept verwirrend aufgeschrieben. Es erklärt zwar was Gomme Syrup ist, mir ist aber nicht klar, wie daraus Ananas-Sirup wird. Legt man Ananasstücke in dem Sirup ein? Die Schalen?

    Viele Grüsse
    Deborah

  5. Redaktion

    @Deborah: Entschuldige die Verwirrung. Ergänzung um den Sirup habe ich hinzugefügt. Danke für den Hinweis.

    @Jörg: Danke für die Ergänzung. Wollte dieses Detail nicht auslassen, sondern wusste es schlichtweg nicht. Einige historische Zutaten werden ihren Weg in die Bar wohl nicht zurückfinden.

    Grüße,
    Marco

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