Trappistenbier

Trappistenbier – Braukunst hinter Klostermauern

Drinks 4.4.2017

Jenseits des Craft Beer-Hypes brauen die Mönche in einem Dutzend Klöster seit Jahrhunderten das vielleicht beste Bier der Welt: Trappistenbier genießt unter Kennern einen grandiosen Ruf. Solch edle Brauwaren, besonders jene von Westvleteren, sind zwar nicht furchtbar teuer, aber dennoch nicht immer leicht zu beschaffen. Ein Einblick in eine kleine, besondere Welt. 

„Liquida non frangunt ieiunium“. Dieser lateinische Leitsatz bedeutet: „Flüssiges bricht das Fasten nicht.“ Und dieser Leitsatz hat uns beispielsweise das Trappistenbier geschenkt. Nahrhaftes und sättigendes Bier half den Mönchen stets dabei, ihre Fastenzeit mit Hilfe von Brauwaren zu überstehen. Das galt für die unterschiedlichsten Ordensgemeinschaften landauf, landab. Die Mönche kultivierten die Braukunst und brachten sie voran. Zahlreiche Marken wie Paulaner, Augustiner oder Franziskaner erinnern auch hierzulande noch heute an die bewährte Tradition, auch wenn die Unternehmen heute weltlich geführt sind. Selbstverständlich brauen noch heute zahlreiche Klöster ein treffliches Bier, und so greift man gerne zu einem Andechser, Scheyern oder Ettal.

Trappistenbier: 1000 Jahre Klosterbräu 

Die frühesten Überlieferungen klösterlicher Braukunst stammen aus dem 9. Jahrhundert und verweisen auf das Kloster von St. Gallen in der Schweiz. Pläne und Grundrisszeichnungen zeigen drei Brauhäuser mit Kühlkellern, Gäranlagen und einer Fasswerkstatt. Nach dem Vorbild dieser Konzeption entstanden in der Folgezeit mehr als 400 weitere klösterliche Braustätten. Aus den Klöstern stammt auch die tägliche Ration an Bier, die einem Mönch oder einer Nonne zustand. Die Menge der Zuteilung lag bei ein bis zwei Litern, von dieser Einheit leitet sich auch die berühmte „Maß“ Bier ab. Zahlreiche historische Abbildungen von Braumönchen und Bier im Klosteralltag helfen uns heute, die Geschichte der Bierkultur nachzuvollziehen.

Einen besonderen Ruf genießen bis heute die Brauspezialitäten, die ihren Ursprung in den Klöstern rings um Flandern und der Wallonie haben. „Trappistenbier“ heißt so, weil begehrtesten Biere von Trappistenmönchen stammen, die wiederum zum Orden der Zisterzienser zählen. Auch wenn das Gründungskloster – La Trappe – in Frankreich liegt und die Trappisten-Biermarke „La Trappe“ aus dem Kloster „Onze Lieve Vrouw van Koningshoeven“ in den Niederlanden stammt, so denken die Bierfreunde der Welt doch in erster Linie an Belgien, wenn es um Trappistenbier geht.

Belgien und die legendären Trappisten

In Belgien durften zuletzt die Knorken knallen. Und zwar als die UNESCO am 30. November 2016 in Addis Abeba dem Belgischen Bier und der dortigen Bierkultur die Auszeichnung zum immateriellen Welterbe zusprach. Eine Auszeichnung, die dem deutschen Bier mitsamt Reinheitsgebot bislang verwehrt blieb (einen Einblick in die Gründe liefert dieser englischsprachige Beitrag). Einige der Kronkorken, die das freudig zischten, waren womöglich auf Flaschen montiert, die das schlichte sechseckige Siegel der Trappisten trugen. Dieses Logo mit der Aufschrift „Authentic Trappist Product“ prangt auch auf so manchem Käse, Wein, Likör oder Pflegeprodukt, den Weltruf des Mönchsordens begründet aber die legendäre Braukunst seiner Mitglieder.

Für Trappistenbier gelten – wie für alle Trappistenprodukte – strenge Regeln: Die Arbeitsabläufe müssen innerhalb der Klostermauern erfolgen und die Produktion darf nicht dem Profitstreben gelten, sondern soll lediglich den Lebensunterhalt der Mönche sichern. Weltweit zählen 20 Klöster zum Orden der Trappisten, darunter fünf Frauenklöster, in denen aber nicht gebraut wird. 12 der Klöster bieten Bier feil. Wiederum 11 davon tragen das Siegel. Das 12. Kloster, Abbaye Sainte Marie du Mont des Cats, erhält das Siegel nicht, da das Bier eben nicht innerhalb des Klosters gebraut wird. Es stammt aus der Chimay-Brauerei.

Lange Zeit repräsentierten nur sieben Biermarken die klösterliche Brauhistorie der Trappisten-Mönche. Sechs davon aus Belgien: Achel, Chimay, Orval, Rochefort, Westmalle und Westvleteren. Dazu noch La Trappe aus den Niederlanden. Seit 2012 kamen dann noch weitere Klöster hinzu: Zunächst Stift Engelszell in Österreich, Zundert in den Niederlanden, Spencer im amerikanischen Massachusetts und zuletzt stieß Italien in den Kreis der Trappistenbiere vor, als 2015 Tre Fontane in Rom damit begann, Bier zu brauen.

Westvleteren – Das beste Bier der Welt?

Für zahlreiche internationale Bierexperten und für viele Nutzer der Bewertungsplattformen Ratebeer und Beer Advocate steht fest: das beste Bier der Welt trägt ein Trappistensiegel und stammt aus der Abdij Sint-Sixtus. Auf beiden Plattformen erhält das Westvleteren XII 100 von möglichen 100 Punkten. Die Biere dieses Klosters sind sehr rar. Neben dem „12-er“ gibt es noch ein „8-er“ und ein „6-er“. Die Ziffern tauchen gerade bei belgischen Brauwaren immer wieder auf und geben zumeist einen Hinweis auf die Alkoholstärke des Bieres.

Nur an 75 Tagen im Jahr brauen die Mönche von Westvleteren ihr Trappistenbier. Der Kauf des Bieres wäre ein Fall für Odysseus, aber der hat vermutlich eher Wein getrunken. Regelmäßig gibt es an bestimmten Tagen ein Zeitfenster, an dem eine Telefonnummer des Sint Sixtus Klosters freigeschaltet wird, um daraufhin ständig besetzt zu sein. Hartnäckigkeit zahlt sich aus und so erklingt irgendwann eine menschliche Stimme, die entweder bedauernd erklärt, dass bereits alle Kontingente vergeben sind, oder es ergibt sich tatsächlich die Option, zwei Kisten à 24 Flaschen Westvleteren-Bier zu erhalten. Dann wird ein Zeitfenster zugewiesen, in dem die Abholung erfolgen muss. Dieses ist exakt einzuhalten. Dazu muss der Käufer sein Autokennzeichen angeben. Rufnummer und Nummernschild werden bei eintreffen überprüft. Die gleiche Rufnummer darf frühestens nach 60 Tagen erneut Bier bestellen und das gleiche Autokennzeichen darf frühestens 60 Tage nach einer Abholung erneut vorfahren. Zudem leisten die Käufer einen heiligen Eid, das Bier nicht weiterzuverkaufen. Bezahlt wird dann nicht in den Klingelbeutel, sondern mit Kreditkarte. So einfach kann Bierkaufen auch im Kloster sein.

Für alle, die sich erstmals mit Trappistenbier befassen wollen, ist das aber vielleicht doch etwas viel Aufwand. Hierzulande leichter zu bekommen ist das Rochefort 10, das dem Westvleteren 12 kaum nachsteht. Derzeit etwas knapp ist das berühmte Orval. Die internationale Nachfrage ist anscheinende gerade immens: Als finaler Probiertipp möge das Westmalle Dubbel gelten, ein dunkles, süß-malziges Bier mit 7% Vol. und einer Opulenz, die sich am idealsten entfaltet, wenn das Bier nicht allzu kalt serviert wird.

Die Trappistenmönche leben nach den Regeln des Heiligen Benedikt: „ora et labora“ – bete und arbeite! Gut, dass zwischendrin auch das eine oder andere Bierchen genehmigt ist.

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