Bombay Sapphire East. Mit Asien im Container auf dem Weg zu neuen Ufern.

Drinks 8.5.2013

Es hat ein wenig länger gedauert, aber mittlerweile ist die Innovationswelle bei Gin auch über die Reling der großen Schiffe geschwappt. Nach langer, ruhiger Fahrt mit überschaubarem Wellengang, haben in den letzten Jahren die kleinen wendigen Boote aufgeholt und neue Wege zum durstigen Ufer, den Bartendern und Gästen, gefunden. Die großen Vertreter kommen jetzt langsam mit Beibooten und versuchen den Kurs nachzujustieren.

Eines dieser Beiboote ist Bombay Sapphire East. Als Testschiff gestartet und in den Häfen von New York, Sydney und Toronto für gut befunden soll nun auch der alte Kontinent erobert werden.

Das gleiche charakteristische Blau der Flasche glänzt im Regal und auf den ersten Blick verrät nur das dunklere Etikett einen anderen Inhalt als den bislang gewohnten. Mit 42% Vol., also etwas mehr, als Bombay in Deutschland üblicherweise hat, und der ausdrücklich Erwähnung der Dampfdestillation, kommen neben den zehn bekannten Botanicals, unter anderem Wacholder, Mandeln, Iriswurzel und Koriander, im Bombay Sapphire East auch noch Zitronengras aus Thailand und schwarzer Pfeffer aus Vietnam zum Zuge.

The B.East in the East

Und dieser Pfeffer scheint es zu sein, der den Gin dominiert. In der Purverkostung spürt man sofort eine pfeffrige Schärfe, die den gesamten Mundraum einnimmt. Erst spät und nach dem zweiten Schluck stellen sich die gewohnten Aromen ein. Wacholder spielt die zweite Geige und das Zitronengras scheint eine trockene Bitterkeit mitzubringen. Ein Exot, und definitiv nicht für jeden Gaumen optimiert. Der Pfeffer zwingt zu einem Wortspiel und macht aus Bombay East ein B.East.

Eingeschworene Fans des normalen Bombay Sapphire werden sich schwertun. Wer allerdings neuen Eindrücken gegenüber offen ist und eine Affinität zu gesunder Schärfe hat, der könnte am Bombay Sapphire East durchaus gefallen finden.

In der Nase irritiert anfangs der an Parfüm erinnernde Geruch, macht aber dann Raum für Wacholder, Pfeffer und leichte Säure. Auf der Zunge die bereits beschriebene dominante Schärfe, hinter der sich Wacholder und weitere Aromen aber gut positionieren können. Eine unausgesprochene Einladung an jeden Bartender mit diesem Gin zu spielen.

Die erste Ernüchterung

Sagen wir es gleich. Der optimale Partner für Tonic ist dieser Gin nicht. Vor allem nicht, wenn man mit dem Tonic spielen möchte.

Während die Kombination mit Schweppes einen trinkbaren Gin & Tonic ergibt, tut sich ein Thomas Henry schon schwerer. Zu fein scheinen die Aromen und der Gin erschlägt das Tonic. Während im Fever Tree keinerlei Merkmale des Gins mehr übrig bleiben, überzeugt Fentimans am ehesten. Wenn auch der – nennen wir es Duft – gewöhnungsbedürftig ist, nimmt man deutlich Wacholder und Pfeffer wahr und kann mit einer Grapefruitzeste einen hervorragenden Longdrink kreieren. Komplett unmöglich scheint die Kombination aus Bombay Sapphire East und Gents Tonic, welches leichte Enzianaromen mit sich bringt. Das Ergebnis ist unheimlich süß und erinnert nur noch ganz entfernt an einen Gin & Tonic.

Aber stellen wir dem Gin doch etwas anderes zur Seite als Tonic. Rühren und schütteln wir ihn. Die würzige Schärfe des Pfeffers verleiht vielen Cocktails einen neuen Charakter. Wie schon in der Verkostung, nicht jedermanns Sache, aber wer Pfeffer mag, dem wird die Ergänzung im Backboard gefallen.

Im Test wusste der Bombay Sapphire East sowohl im Martini Cocktail als auch im Gimlet zu gefallen. Die Kirsche im Singapore Sling harmoniert toll mit der Schärfe und gibt dem Drink einen asiatischen Touch, der einem das Gefühl von Urlaub gibt.

Fazit: Ein Produkt mit ausgesprochener Berechtigung. Bietet es ein wirklich neues Aroma im Vergleich zum Flagschiff Bombay Sapphire. Die spezielle Schärfe des Pfeffers wird aber die Menge in Liebhaber und Skeptiker spalten.

 

// Kaufen: Bombay Sapphire East ist über die meisten Großhändler und diverse Online-Shops zu beziehen. Die unverbindliche Preisempfehlung liegt bei 32 Euro pro Liter. //

 

(Offenlegung: Die Redaktion hat für die Verkostung Produktproben von Bacardi Deutschland erhalten. Außer den Produkten – durch die Kehlen der Redaktionsmitglieder – ist allerdings nichts geflossen. Prosit!)

 

Bildquelle: aboutpixel.deAo Nang Beach © quarim

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