Ferdinand’s Gin. Darf es noch ein bisschen Wein sein?

Drinks 13.11.2013 4 comments

Um auf dem Spirituosenmarkt derzeit Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, bedarf es schon ein wenig mehr als nur ein neues Produkt anzukündigen und in den Ring zu werfen. Wo vor ein paar Jahren die Ohren noch gespitzt wurden, nämlich bei deutschem Gin, muss man sich heute schon mehr einfallen lassen.

Man war erfinderisch an der Saar im Saarland. Einer Region in Deutschland, die vor allem für ihren Wein bekannt und beliebt ist. Dass es in diesem Landstrich auch tolle Destillate geben mag sei unbezweifelt, allein, sie tauchten selten im Bewusstsein auf. Seit einigen Wochen nun geistert ein Etikett durch die deutsche Social Media-Landschaft. Ein großes „F“ drängt sich auf und lässt die Frage offen, was denn nun ein „Saar Dry Gin“ sein könnte.

Ein Saar Dry Gin ist offensichtlich ein Gin. Aus dem Saarland und im Stile eines London Dry Gin. Das Besondere an diesem Gin, und dadurch erklärt sich auch der Name, ist die Zugabe von Wein. Den Namen Ferdinand trägt der Gin zu Ehren von Ferdinand Geltz. Als königlich-preussischer Forstmeister war er daran beteiligt den Verband deutscher Prädikatsweingüter zu gründen und aus seiner Linie entstammt das Weingut Geltz-Zilliken, dessen Riesling in den Ferdinand’s Gin einfließt. Dass die Lage des Weines Saarburger Rausch heißt, sei hier nur eine witzige Anekdote am Rande.

Wein in den Gin zu geben: warum, könnte man sich fragen? Der Managing Director von Distributeur Capoulet & Montague, Denis Reinhardt, sieht dies zum Einen als Hommage an die Region die berühmt ist für ihren Wein, zum anderen bekommt der Gin eine sehr dezente florale Note. „Insgesamt verwenden wir knapp über 30 Gewürze, Kräuter und Früchte, welche wir in Harmonie zur Rieslinginfusion komponiert haben, um auch Primär- und vor allem Tertiäraromen des Rieslings zu spiegeln.“ Der Wein ist also elementarer Bestandteil des Gins. Nach dem Destillationsvorgang, bei dem man bis ca. 93% Alkohol über eine Verstärkungskolonne brennt und mit einem Geistkorb arbeitet, in dem noch einmal Botanicals in der Dampfphase hinzugefügt werden, fügt man dem Destillat den Wein hinzu. Je nach Charge des Weines können dies zwischen 1 und 5% der Destillatmenge sein. Nach mehrwöchiger Ruhephase wird das Produkt dann auf Trinkstärke gebracht. Diese beträgt im Fall von Ferdinand’s Gin 44% Vol.

Ein Unterschied zu vielen anderen Produzenten ist, dass man auch den Rohalkohol selbst herstellt, in dem die Botanicals dann mazeriert und weiterdestilliert werden.

Den Korkenzieher bitte.

Aber zurück zum Gin. Die überschaubare Menge von 1-5% Wein im Destillat erscheint im ersten Moment nicht weltbewegend, macht aber laut Reinhardt den entscheidenden Unterschied. „Dadurch erreichen wir die präsenten floralen Noten im Gin die den jungen Wacholder gut unterstützen und den in unseren Augen einzigartigen Geschmack definieren.“

Davon wollen wir uns gern selbst überzeugen. Also wird das Glas poliert und die Flasche geöffnet. Aber Moment. Noch ein Bezug zum Wein. Anstatt eines Drehverschlusses oder ähnliches, ist die Flasche mit einem Weinkorken verschlossen. Ohne Korkenzieher kommt man also nicht ran. Wenige Umdrehungen später ist aber auch dieses Hindernis überwunden. Laut Reinhardt ist man sich des nicht in allen Belangen praktischen Verschlusses im Klaren, nutzt ihn aber bewusst. „Das Öffnen der Flasche ist somit etwas besonderes, wie bei einem guten Wein und der Korken unterstreicht die hohe Qualität des Gins.“

Im Glas dann eine klare Flüssigkeit, alles andere wäre auch überraschend. In der Nase eine deutliche Aromatik von Gin. Wacholderbetont, dabei aber eher fruchtig. Eine leichte Säure, sehr rund. Der Geruch macht auf jeden Fall Appetit. Im Mund setzt sich der frische Eindruck fort. Grüne Äpfel und Kamille lassen sich erahnen. Der Wacholder ist sehr präsent, dabei aber knackig und frisch. Im Abgang dann leichte Holundernoten und Lavendel. Überraschend mild präsentieren sich die 44% Alkohol. Keinerlei Schärfe bei einem sehr deutlichen und einprägsamen Ginprofil.

Aber dann der Schock. Bei der Zubereitung eines Gin & Tonic färbt sich der Glasinhalt milchig-trüb. Ein Zustand, den man von Anisées kennt, der bei Gin aber seltsam erscheint. „Dabei handelt es sich um den Louche-Effekt, der auf die hohen Anteile der im Destillat befindlichen ätherischen Öle zurückzuführen ist. Diese unerwünschte Trübung liegt daran, dass die erste Abfüllung nicht vollständig filtriert wurde. Bei den Folgenden wird dies geschehen und eine Trübung in Verbindung mit Eis in Zukunft ausgeschlossen.“ Beruhigende Worte, aber auch mit der Nachtrübung befindet sich ein wohlschmeckender Gin & Tonic im Glas. Die floralen Noten und die Frische können sich fabelhaft durchsetzen.

Stolzer Preis

Das sollten sie aber auch, wenn man sich einmal mit dem Preis auseinandersetzt. Abgefüllt in 500 ml Flaschen ist der Gin mit 34,95 Euro pro Flasche nicht unbedingt ein Schnäppchen. „Angemessen“, argumentiert Reinhardt. Man sei „Kompromisslos in allen Bereichen der Produktion“. Zudem sind Details wie der Korken, die Zinnkapsel und das Etikettieren von Hand natürlich auch zu beachtende Faktoren. Und nicht zuletzt fügt man dem Gin „prämierte Weine hinzu. Das Weingut Zilliken konnte im letzten Gault Millaut gleich zwei Siegerweine stellen und zählt seit Jahrzehnten zu den führenden Rieslingweingütern“.

Im Resultat ist Ferdinand’s Saar Dry Gin ein ausgezeichneter Gin. Sowohl im Gin & Tonic als auch   für den puren Genuss vorzüglich geeignet. Preislich kein Gin für das Pouring, aber ein Premium-Produkt, das einmal mehr die handwerklichen Fähigkeiten von Brennmeistern im deutschsprachigen Raum unter Beweis stellt.

 

(Offenlegung: Die Redaktion hat für die Verkostung Produktproben von Capulet & Montague erhalten. Außer den Produkten – durch die Kehlen der Redaktionsmitglieder – ist allerdings nichts geflossen. Prosit!)

Ferdinand’s Saar Dry Gin

Preis: ca. 35 Euro

Füllmenge: 0,5 l

Alkoholgehalt: 44 Vol. %

Land: Deutschland

Vertrieb:Capulet & Montague

saar-gin.de

Photo credit: Saar River via shutterstock.com

4 comments

  1. Armin Schneider

    Netter Bericht – aber leider ist schon der 1. Satz falsch: Man war erfinderisch im Saarland.

    Lieber Marco Beier: schau Dir doch bitte mal genau die Deutschlandkarte an, dann wirst Du feststellen, dass die Saar auch durch Rheinland-Pfalz fließt 🙂

  2. Redaktion

    Hallo Armin,
    Danke für deine Nachhilfe in Geographie.
    Leider erkenne ich den Fehler nicht. Verantwortlich für den Gin – und um den geht es ja nunmal in dem Artikel – ist die Firma Capulet & Montague, mit Firmensitz in Saarbrücken. Wenn sich nicht viel geändert hat in den letzten Tagen, dann ist Saarbrücken noch immer die Landeshauptstadt des Saarlandes, oder?

    Schöne Grüße,

    Marco

  3. Michael

    Hallo Marco,

    ja, Saarbrücken ist weiterhin die Hauptstadt des Saarlandes. Dort scheint nur der Vertrieb zu sitzen. Macher, Zutaten und Produktionsstätten kommen offenbar aus Rheinland-Pfalz. Ist aber auch egal, wenns denn schmeckt. 🙂

    Grüße
    Michael

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