Die Spreewaldbrennerei mit Gin Dobre.

Drinks 11.12.2013 1 Kommentar

Wenn man versucht sich eine Übersicht zu verschaffen, welche Ginmarken derzeit in Deutschland produziert werden, verliert man schnell den Überblick. Und wenn eine Liste fertig ist, ist sie meist auch schon überholt. Gäbe es eine Instanz, die sich mit dem Import von Wacholderbeeren beschäftigt, sie dürfte sich derzeit verwundert die Augen reiben. Ein neuer Abnehmer der Beeren ist seit 2011 die Spreewald Brennerei. Guten Tag, oder: Gin Dobre“.

Mit einem anderen Produkt aus der Brennerei, dem Sloupisti Whisky, haben wir uns in anderer Form vor zwei Wochen beschäftigt. Der Single Malt ist Hauptzutat im Hackensprac. Dies aber nur am Rande. An dieser Stelle soll der Gin thematisiert werden.

Ein Gin mit langem und holprigem Vorlauf. „Bereits 2003 wollten wir Gin produzieren“, berichtet Dr. Torsten Römer von Spreewaldini, der Spreewälder Feinbrand- und Spirituosenfabrik. „Zollvorschriften und Ähnliches verhinderten damals aber unser Vorhaben. Erst 2011 haben wir ein spezielles Brenngerät installiert, mit dem wir nun Gin brennen können.“

Und man möchte ein paar Dinge anders machen. Nichts was die Spirituosenwelt revolutioniert oder auf den Kopf stellt, aber Kleinigkeiten, die das Endergebnis in eine spezielle Richtung verschiebt.

Man möchte mit Gin Dobre ein wenig Rückbesinnung schaffen. Rückbesinnung auf „ein niederdeutsches Getränk, welches als Soldaten und kleine Leute Ansporn- und Fluchtgetränk begann und im Laufe der Geschichte eine exotische Karriere in England, Indien und den Bars der Welt hinter sich hat.“, so Römer.

Dementsprechend soll der Wacholder ganz klar im Vordergrund stehen. Eine unglaubliche Menge an Wacholderbeeren wird für Gin Dobre mazeriert. Diese Konzentration auf Wacholder führt später noch zu einem kleinen Problem, welches aber gelöst scheint.

Dr. Römer betont das Ziel. auf den Ursprung von Gin zurückzukommen. Neben der Betonung des Wacholders spiegelt sich dieses Vorhaben in der Alkoholkonzentration wieder. 47% weist das Etikett aus. Man wolle bewusst keinen „parfümierten Softgin produzieren“, so Dr. Römer.

Bevor der Gin im Glas landet und später mit Tonic vermischt wird, gibt es aber noch ein wenig technisches Hintergrundwissen. Neben dem Wacholder, der vor der Mazeration angeröstet wird, nutzt man Orangen- und Zitrusschalen (Orange, Pomeranze und Bergamotte), Lavendel, Sternanis sowie Koriandersamen und Thymian als Botanicals. Alle Gewürze werden einige Tage mazeriert. Allerdings nicht, wie bei vielen anderen Produzenten, in Neutralalkohol, sondern in hochreinem Weizenfeinbrand, der auf 68% Alkohol verdünnt wurde.

Nach der Destillation wird Gin Dobre auf Trinkstärke verdünnt, hierzu bedient man sich entionisierten Wassers, und filtriert, bevor der Gin abgefüllt wird. Diese Filtration scheint bei der vorliegenden Abfüllung noch nicht intensiv genug gewesen zu sein. Ähnlich wie der kürzlich besprochene Ferdinand’s Gin wird auch Gin Dobre trüb sobald Eis und Tonic hinzugegeben wird. Dieses Problem ist aber behoben verspricht Dr. Römer.

Die Verkostung

Widmen wir uns also dem Destillat. Das Äußere der Flasche ist sicherlich Geschmackssache. Eine Standardflasche mit Drehverschluss. Dazu ein Etikett, das auf der Flasche beinahe verschwindend klein wirkt. Die Vermutung, dass das Etikett am heimischen Drucker selbst produziert wurde, lässt sich nicht von der Hand weisen. Hier besteht durchaus noch Optimierungsbedarf. Bis dahin muss Gin Dobre dann durch den Inhalt überzeugen.

Ins Glas eingeschenkt weht einem sogleich eine Wacholderfahne entgegen. Die Ankündigung sich auf diesen Hauptgeschmacksgeber konzentrieren zu wollen, scheint also kein leeres Versprechen zu sein. Lässt man den Gin ein paar Minuten atmen, kämpfen sich noch weitere Aromen an die Oberfläche und brechen die Dominanz des Wacholders. Lavendel ist deutlich wahrzunehmen, ebenso die frischen Noten von Zitrusschalen und selbst die Koriandersamen machen sich bemerkbar.

Auf der Zunge spürt man die 47% Alkohol recht deutlich. Nicht unangenehm, aber doch sehr präsent. Eine leichte Süße eröffnet sich im Mundraum, bevor die volle Wucht des Wacholders sich erst einmal über alles legt. Legt sich diese Welle, dringen wieder die Fruchtnoten durch, und im Abgang ist die Koriandersaat deutlich zu spüren. Eine interessante Purverkostung, die sie deutlich von anderen modernen Gins unterscheidet. Eben wirklich die volle Wucht des Wacholders.

Natürlich folgte auch der obligatorische Gin & Tonic-Test. Nach kurzer Verwunderung über die Austrübung war die Überraschung groß. Die Lavendelnoten, die sich in der puren Verkostung versteckt haben, werden vom Tonic nach vorn getrieben und sind sowohl in der Nase als auch im Geschmack sehr dominant. Natürlich steht auch der Wacholder wieder sehr im Vordergrund, aber der Lavendel sticht schon deutlich hervor und weckt Erinnerungen an Parfüm. Wer Lavendel mag, wird diesen Gin lieben, wenn man mit der Pflanze auf Kriegsfuß steht, wird man seine Probleme mit Gin Dobre haben.

Der Gin bietet eine schöne Alternative zu vielen modernen Gins. Die Rückbesinnung auf die deutliche Wacholdernote macht Spaß und zeigt sehr schön, wo diese Spirituose ursprünglich herkommt.

 

Gin Dobre

Herkunft: Deutschland

Alkoholgehalt: 47%

Inhalt: 0.7 l

Preis: ca. 32 Euro

Internet: www.spreewaldbrennerei.de

 

Bildquelle: Wacholderbeeren via shutterstock.com

 

 

Ein Kommentar

  1. Pascal Grob

    Dass der Gin bei der Zugabe von Eis trüb wird hat nichts mit der Intensität der Filtration zu tun. Das ist der sogenannnte Chill Haze, welcher entsteht, wenn das Getränk tiefere Temperaturen erreicht, als es während der Filtration hatte. Dieser Effekt tritt bei vielen Getränken ( wie z.B. auch Whiskey oder Bier) auf.

Schreibe einen Kommentar

Ähnliche Artikel