Babička Vodka. Ungewöhnliche Kombination mit gutem Ausgang.

Drinks 27.11.2013

Vodka ist einfch nicht totzukriegen. Vor allem, wenn es sich um etwas sehr Spezielles handelt, werden auch die letzen Ohren hellhörig. Ein Engländer schickt sich gerade an, das Feld der Flavoured Vodka neu zu definieren. Wermutkraut ist sein Zaubermittel und die daraus entstehende Spirituose ist eine Spezielle ihrer Art.

Einen besonderen Vertreter dieser Spirituosenkategorie konnte man sich auf dem diesjährigen Bar Convent Berlin ansehen. Babička Vodka heißt der Tropfen und wurde das erste Mal einem breiten Publikum in Deutschland vorgestellt. Das Besondere an Babička ist die Aromatisierung mit Wermut. Allerdings geht man hier bei weitem dezenter mit dem Kraut um, als das bei anderen Spirituosen der Fall ist.

Der ehemalige Barmann Alex Clarke, der in mehreren Bars in London und Australien gearbeitet hat, ergriff die Chance seine eigene Spirituose zu kreieren. Die Faszination für Absinth, die ihn in Australien ergriffen hat, bewegte ihn dazu sein Destillat mit Wermut zu versetzen. Das finale Produkt ist Babička, der erste Wermut-Vodka.

Aus einer Gastronomenfamilie stammend, hat Clarke sämtliche Stationen des Gastgeschäfts durchlaufen und beizeiten seine Liebe zur Bar entdeckt, welcher er dann erlegen ist. Er experimentierte mit eigenen Ansätzen für flavoured Vodka, indem er mit Mazerationen arbeitete und laut eigener Aussage „wurde dort der Wunsch geweckt, einen Vodka zu kreieren, der nicht – flavoured – ist, aber dennoch einen definierten Geschmack mitbringt“.

Als er durch einen Freund mit der Destillerie in Tschechien in Kontakt gebracht wurde, war die Entscheidung schnell gefallen und Clarke begann seinen eigenen Vodka zu planen. Angesprochene Begeisterung für Absinth und der Fakt, dass im Osten Tschechiens eines der größten Anbaugebiete für Wermut ist, ließen die Idee reifen, den Vodka mit Wermut zu aromatisieren.

Kein Vodka ohne große Geschichte

Man kennt dieses Bedürfnis von anderen Vodkamarken, kein neues Produkt kommt ohne eine ausgefeilte und durchdachte Geschichte aus. Auch Babička macht da keinen Unterschied, auch wenn man sich mit Superlativen und betonter Einzigartigkeit dezent zurückhält. Und so musste auch Clarke im Gespräch auf dem BCB lachend zugeben: „Ob die Welt wirklich noch mehr Vodka benötigt weiß ich auch nicht, aber wir hatten die Chance es zu versuchen und das Ergebnis gefällt uns und einigen die ihn bisher probiert haben.“

Was ist also die Geschichte hinter einem in Tschechien produzierten Vodka, den ein Engländer erfunden hat? Babička ist die Bezeichnung der älteren Frauen, die vor Hunderten von Jahren in der Region lebten und für ihre magischen Kräfte verehrt wurden. Eines ihrer größten Geschicke war es, mystische Tinkturen und Getränke herzustellen, welchen heilende und andere magische Wirkungen zugesprochen wurden. Der Überlieferung nach enthielten diese Tinkturen oftmals Wermut. Und so lag es nahe diese Geschichte zu nutzen und den alten Hexen mit der Namensgebung ein Denkmal zu setzen.

Dass die Produktion in Tschechien stattfindet, hat laut Clarke einen einfachen Anlass. „Zum einen ist dort diese alte Destillerie die bereits tollen Vodka und Absinth produziert, zum anderen sind die Zutaten, das Getreide und das Wermutkraut bereits vor Ort. Es gibt also keinen wirklichen Grund woanders zu produzieren.“

Während aus dem Getreide in dreifacher Destillation ein Vodka produziert wird, lässt man das Wermutkraut und weitere Kräuter und Gewürze mazerieren. Dieses Mazerat wird erneut destilliert und dann mit dem Vodka vermischt. Nach einem erneuten, abschließenden Destillationsvorgang wird das Produkt filtriert und für zwei Monate gelagert damit sich die Aromen final miteinander verbinden können. So weit nicht ungewöhnlich abgesehen davon, dass man bisher keinen mit Wermut aromatisierten Vodka kannte. Aber wie schmeckt er denn?

Die Verkostung

Das Äußere verrät sofort den Inhalt. In einer für Vodka nicht unüblichen schlanken Milchglasflasche präsentiert sich das Destillat. Ein imitierter Klebestreifen mit dem handschriftlichen Namenszug gibt Auskunft und in großen Buchstaben steht „Original Wormwood Vodka“ auf der Flasche. Man bekommt Informationen zu Alkoholgehalt, nämlich 40% Vol., und an der Seite ist eine Skala aufgezeichnet, welche zur Hälfte grün ist und die ein „Thujone Meter“ sein soll. Der Wirkstoff der Wermutpflanze soll mit mindestens 10mg pro Kilo im Vodka enthalten sein. Nicht wenig, aber auch nicht unglaublich viel, wenn man Absinth mit bis zu 35mg pro Kilo betrachtet.

Nach Überführung des Vodka aus der Flasche in das Glas gibt es vorerst keine Überraschungen. Kristallklar präsentiert er sich. Nach dem Schwenken laufen langsame und dicke Tränen am Glasrand herunter. In der Nase eine dezente Süße und deutliches Aroma von Wermut, flankiert von weiteren Kräutern. Ganz entfernt erinnert der Geruch an den von gemixtem Chartreuse. Jene typischen Aromen, die in Cocktails immer noch durchblitzen.

Dies setzt sich aber im Geschmack nicht fort. Sehr leicht und ohne eine alkoholische Schärfe gibt sich der Vodka. Eine sehr dezente Süße macht sich breit und schafft es den Mundraum auszufüllen, ohne dabei penetrant zu sein. Mehr noch, sie transportiert die Aromen des Wermut hervorragend. Ein sehr eigener Geschmack. Im ersten Moment nicht typisch Vodka, weckt Babička aber auch keine anderen Assoziationen. Er steht vielmehr für sich. Und das macht er richtig gut.

Durchaus ein Vodka, der pur genossen werden kann. Als Signature Cocktail gibt die zugehörige Internetseite einen Martini Cocktail an. Naheliegend also, dies zu probieren. Und der Test gibt der Empfehlung recht. Ein Vodka Martini mit einem prägnanten Eigengeschmack. Natürlich anders als Gin aber trotzdem nicht so einseitig wie ein normaler Vodka Martini. Eine ganz klare Empfehlung mit einem einzigen – vorsicht Wortspiel – Wermutstropfen. Derzeit gibt es noch keinen Importeur für Deutschland. Ein Zustand, der sich hoffentlich noch ändert.

Nachtrag: Wie sich herausstellte ist Markeninhaber Alex Clarke über die Verbreitung seines Produkts nicht vollkommen im Bilde. Entgegen seiner Aussage ist Babička Vodka sehr wohl in Deutschland erhältlich. Er wird vertrieben von www.beverage-brands.de

 

Babička – Original Wormwood Vodka

Herkunft: Tschechien / England

Füllmenge: 0,7 l

Alkoholgehalt: 40%

Preis: ca. 20,00 Euro

Vertrieb: Beverage Brands & Sale GmbH

Internet: www.babickavodka.com

 

(Offenlegung: Die Redaktion hat für die Verkostung Produktproben von Babicka Vodka erhalten. Außer den Produkten – durch die Kehlen der Redaktionsmitglieder – ist allerdings nichts geflossen. Prosit!)

Bildquelle: Old Russian Woman via shutterstock.com

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