Giffard Caribbean Pineapple

Die MIXOLOGY-Verkostungsrunde Juli 2017

Drinks 26.7.2017

Nicht nur der neue Giffard Caribbean Pineapple begeistert die Verkostungsrunde. Auch der Fin Spruce Fichtensprossenbrand aus Slowenien überzeugt die Tester. Die beiden Gins im Test lassen die Runde mit offenen Erwartungen zurück, während aus Korsika eine echte Bereicherung kommt.

Man muss das auch mal deutlich so sehen dürfen: Eine optisch so ansehnliche Auswahl durfte die MIXOLOGY-Verkostungsrunde wohl noch nie begutachten. Alle fünf Produkte dieser Ausgabe verdienen praktisch einen Designpreis. Doch geschmacklich haben nicht alle das Zeug fürs Siegertreppchen. Schauen wir dafür zunächst nach Korsika.

L.N. Mattei Cap Corse Quinquina Rouge

Die Produkte aus dem Hause Mattei sind wahrlich nich unbekannt, auf dem deutschen Markt waren sie bislang jedoch nicht zu finden. Das ändert sich nun, die Importspezialisten aus dem Hause Perola holen die beiden Quinquina-Weine exklusiv aufs hiesige Parkett. Über jeden Zweifel erhaben ist dabei das klassisch französische Design der bitteren Weine aus Korsika – klare, erhabene Formsprache auf dem Etikett und der reliefierten Flasche.

Der verkostete Cap Corse Rouge setzt sich zusammen aus ausgesuchten Mistelle-Weinen. Die Bitterkeit kommt aus der zugesetzten Chinarinde. Die Nase des rostroten Cap Corse Rouge ist dicht und ätherisch, es dominieren Töne von konfierter Kirsche, Pinie, Kakao und Eukalyptus. Sehr komplex. Diesen Eindruck transportiert der Wein auch in den Mund. Eine karamellige Süße federt besonders die medizinalen Noten ab und bindet Kirschen- und Beerenaromen ein. Das Finish ist lang, kontraktiv und mündet in eine kraftvolle Bitterkeit. Ein schönes Produkt, lanciert sicherlich mit Hinblick auf eine universelle Einsetzbarkeit im Negroni.

Giffard Caribbean Pineapple

Die Franzosen von Giffard lassen es nicht still werden. Eben erst kam der neue Framboise de Ronce auf den Markt, jüngst folgte mit dem Giffard Caribbean Pineapple der nächste Likör in der Premium-Range, zumal man damit das derzeitige Bartender-Trendaroma Ananas bedient. Das mittlerweile archetypische, zurückhaltende Giffard-Design kommat auch hier zum Einsatz, das an Schöpfpapier angelehnte Label auf der geraden, schlanken Flasche erweckt einen hochwertigen Eindruck.

Mit moderaten 20% Vol. präsentiert sich der Giffard Caribbean Pineapple im Glas überraschend dünnflüssig, was auf eine vorsichtige Süßung schließen lässt. Der Duft des Giffard Caribbean Pineapple geht ganz eindeutig in eine von Karamell geprägte Richtung getrockneter und gegrillter Ananas, leichte Schwefeltöne und Fermentationsnoten schwingen harmonisch eingebunden mit. Auch Anklänge von Bananen macht die Runde aus. Der optische Eindruck aus dem Glas bestätigt sich auf der Zunge: der Giffard Caribbean Pineapple ist mild gesüßt, sehr balanciert und auch pur recht angenehm trinkbar. Hier stehen eindeutig die Fruchtaromen im Vordergrund, es muss nicht übermäßig mit Zucker nachgeholfen werden. Ein wenig vermisst die Runde zwar die charakteristische Säuerlichkeit frischer Ananas, dennoch spricht sie eine klare Empfehlung für den Giffard Caribbean Pineapple aus. Vielseitig einsetzbar, dürfte der Likör sich für zahlreiche Drink-Varianten anbieten.

Krucefix Fin Spruce Fichtensprossenbrand

Eine spannende Neuheit importiert Tom O’Marv Craft Drinks neuerdings aus Slowenien. In der dortigen Društvo-Destillerie entsteht u.a. der Fin Spruce Fichtensprossenbrand, der tatsächlich zu 100% aus fermentierten Fichtennadeln erzeugt wird. Eine hochinteressante Spirituose, überdies in einem tollen Packaging in Form einer klaren Flasche mit Rautengrundriss, Stopfen und einem dezenten grünen Label.

Da kann erfreulicherweise auch der Inhalt mithalten: Ein unheimlich dichter, öliger Duft von Pinie, Harz, Mineralität und leichter Frische prägt das Bukett des Fin Spruce. Dazu gesellt sich eine leichte Holzigkeit. Geschmacklich dann schlank, elegant, aber sehr präsent mit toller Cremigkeit. Eine Vergleichbarkeit mit Gin ist definitiv gegeben, dennoch bleibt der Fin Spruce extrem eigenständig. Eine herausragende Spirituose. Nicht ganz günstig, aber definitiv eine Anschaffung wert!

The Alpinist Swiss Dry Gin

Fast schon ungewöhnlich wirkt eine Flasche mit 700 ml Füllmenge, wenn es um einen neuen Gin geht. Der The Alpinist verspricht quasi die Übersetzung der Schweizer Berggipfel in eine Spirituose. Dazu kommen u.a. prägende heimische Botanicals wie Silberdistel, Frauenmantel und Arnika ins Destillat, das am Ende den Weg in eine fraglos sehr geschmackvolle Flasche mit edler Lederbanderole am Hals findet.

Zunächst treten erwartbare, waldige Wacholdernoten zutage. In der Folge schlagen sich dann die besonderen Botanicals nieder, das Nosing gibt deftige Aromen von Kümmel, Anis und eine ganz leichte Nuance Rauchspeck preis. Leider macht sich im Mund zunächst eine leichte Seifigkeit bemerkbar, danach gleitet der The Alpinist mit recht wenig Textur über die Zunge. Zwei Verkoster machen eine sehr getreidige Note von leichtem Genever aus. Die an der Zungenspitze noch etwas präsente, wacholdrige Frische geht leider recht rasch verloren. Leider ein Gin, der den interessanten Eindruck aus dem Nosing nicht ins Tasting weitertragen kann. Überdies zu einem recht hohen Preis.

Drumshanbo Gunpowder Irish Gin

Als bester irischer Gin bezeichnet sich der Gunpowder Gin aus der Shed Distillery. Allerdings bezieht man sich dabei auf die Tatsache, dass der Gin & Tonic mit Gunpowder zum besten Gin & Tonic bei einem Festival gekürt wurde, doch das nur nebenbei. Der Inhalt der geriffelten, leuchtend blauen Flasche jedenfalls macht neugierig: Der insgesamt mit sehr klassischen Botanicals hergestellte Gin wird bereichert durch Kümmel, Mädesüß und Gunpowder-Tee (leider wird nicht erwähnt, ob es sich dabei um Grünen Tee oder Oolong handelt). Dabei wird ein Großteil der Gewürze mazeriert, einige andere, etwa der Tee, kommen dann mittels Schleppdestillation zum Tragen.

Aromatisch offenbart der Gunpowder Gin zunächst eine etwas unangenehme, stechende Schärfe. Danach drängt sich eine typisch „ginnige“ Note mit Öligkeit und Frische auf, die aber leider recht diffus und wenig strukturiert wirkt. Eher mittelmäßig. Geschmacklich kommt ebenfalls eine recht deutliche Alkoholnote zum Ausdruck, allerdings tritt nun tatsächlich eine herbwürzige, leicht rauchige Tee-Komponente hinzu, die den Gunpowder Gin eindeutig bereichert. Insgesamt kommt dann aber nicht mehr viel nach, so dass der Gin bei der Verkostungsrunde insgesamt einen nicht wirklich empfehlenswerten Eindruck hinterlässt. Schade, nicht nur angesichts der hinreißend schönen Flasche, sondern auch aufgrund der eigentlich guten Idee.

Photo credit: Foto via Sarah Liewehr.

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