Die MIXOLOGY-Verkostungsrunde Juli 2015

Drinks 28.7.2015

Es wird lakritzig“ in der Verkostungsrunde: Helbing Aquavit, Argalà Pastis und The Drinking Ape Sodas, sie alle bringen ordentlich Würze aus Anis und Süßholz mit. Aber auch der Rest der Produkte, darunter Black Ego Vodka, Wannborga Gin und der Letherbee Besk-Likör, kann sich fast ausnahmslos sehen lassen.

Wie schnell die Zeit vergeht, merken wir in der MIXOLOGY-Redaktion stets daran, dass die Regale mit Tasting-Mustern und Probelflaschen schon wieder voll sind. Jeden Monat versuchen wir, für Sie jeweils eine farbige Mischung an Neuerscheinungen zu probieren und zu bewerten, ohne dabei zu sehr in ein Segment abzugleiten. Diesmal geht die Reise in sehr aromatische, würzige Gefilde: Wer Anis mag, wird „unseren Juli“ lieben. Und auch für Gin-Freunde und Vodka-Apologeten ist etwas dabei. Doch lesen Sie selbst. Cheers!

Black Ego Vodka

Ein wenig erinnert die gezogene, schlanke und gerade, schwarz mattierte Flasche an die Behältnisse teurer Öle oder Essigsorten. Daher gibt sie den Blick auf das Innere auch nicht frei. Die wichtigen Informationen enthält die Flasche uns dennoch nicht vor: vielfache Destillation soll für Reinheit sorgen, dazu ein Alkoholgehalt von gerade einmal 37,5 % Vol. (also dem Mindestgehalt bei Vodka). Im Glas wirkt der Black Ego dann auch recht dünn und flüchtig, er macht keinen viskosen Eindruck.

Die Nase ist dominiert von ebenjenem flüchtigen Eindruck mit deutlich alkoholischer Note. Vor allem das Getreide macht sich nicht bemerkbar. Nach längerer Zeit machen sich sehr zurückhaltende Spuren von Anis und leicht florale Töne bemerkbar. Im Mund ist der Black Ego dann zwar nicht so stechend alkoholisch wie es das Nosing vermuten lässt, an Substanz fehlt es ihm jedoch auch dort. Abermals dominiert ein dünner Eindruck mit wenig Konzentrat und Substanz, einzig eine leichte Süße und feinste Anklänge von Kräutern bleiben kurz stehen. Bei einem Literpreis von knapp 40 Euro bewegt man sich hier auf sportlichem Terrain mit wesentlich fitteren Wettbewerbern.

0,5 l
37,5 % Vol
ca. 20 €

Wannborga Ö Gin

Wildes Land: die südschwedische Ostseeinsel Öland gehört für viele Naturliebhaber und Wandertouristen zu den schönsten Flecken Europas. Stolz prangt deshalb ein großes „Ö“ auf der geraden, elegant-königsblauen Flasche. Von Öland kommt aber auch der Wannborga Ö Gin, der nach Bio-Standard aus 100% Weizenmalz hergestellt wird. Dazu gesellen sich neben Wacholder z.B. Koriander und weißer Pfeffer.

Der Wannborga Gin jedenfalls wird seiner Herkunft gerecht. Voll und aromatisch „springt“ er die Verkoster an und macht mit einem komplexen Bukett aus Beeren, Kräutern, etwas Erde und einer deutlichen, tannig-ätherischen Note vom Wacholder klar, dass man in Schweden eben kraftvolle Aromen mag. Dabei sind die verschiedenen Richtungen sehr gut miteinander verbunden. Es entsteht ein rundes und harmonisches Gesamtbild. Insgesamt kann sich die Runde einer Erinnerung an einen gewissen südwestdeutschen Gin nicht verschließen. Auch im Mund macht der Öländer wirkliche Freude: Balanciert, mild und süffig, ohne dabei zu gefällig zu werden. Die recht deutliche Süße wirkt aufgrund der deutlichen Fruchtaromen durchaus angebracht und nicht deplatziert. Insgesamt ein Gin, der vielseitig einsetzbar sein dürfte. Und das bei einem Preis von rund 30 Euro für die klassische 0,7-Liter-Flasche zu einem durchaus guten Kurs.

0,7 l
40 % Vol.
ca. 30 €

Helbings feiner Aquavit

Für viele gehört er einfach zu einem Hamburg-Trip dazu: Helbing Kümmel. Nun legen die Markeninhaber aus dem Hause Borco ihre neue, zunächst limitierte Qualität vor, den Aquavit. Die Flasche spricht alle Tester an, wobei man sich nicht darauf einigen kann, ob moderne oder antikisierende Elemente dominieren. Das in hellen Tönen gehaltene Label, die Banderole über dem Korken und vor allem die Glasprägung auf der Rückseite erwecken einen sehr noblen Eindruck. Besonders die für Aquavit-Verhältnisse lange Lagerzeit von sechs Monaten in PX-Sherryfässern macht neugierig auf das Produkt.

Im Vergleich mit vielen anderen Aquavits, auch gereiften, zeichnet sich der von Helbing durch ein dunkles, warmes und sehr rundes Aroma aus Nelken, Honig, Anis, Holz und sehr viel Süßholz aus. Dazu tritt rasch eine erfrischende Dill-Tönung, die dem Aroma die nötige Vitalität verleiht. Außerdem besticht der Helbing durch eine schöne, unerwartete Trockenheit und einen langen, stabilen Stand am Gaumen mit einem komplexen Finish. Wie auch beim Etikett weiß man nicht, was überwiegt: der klassische Stil oder dessen moderne Interpretation. In jedem Fall aber ein schönes Produkt, das zum Experimentieren einlädt. Bei einer UVP von 24,90 Euro für den halben Liter vollkommen akzeptabel.

0,5 l
42 % Vol.
24, 90 €

Letherbee Besk

Gleich zu Beginn fragt man sich durchaus berechtigt, ob das 200ml-Gebinde in der Form einer typischen „Hipflask“ nun unheilverheißend oder positiv gewertet werden soll. Schließlich betritt der Besk-Liquer aus der Let-There-Be-Distillery das Bar-Parkett mit stattlichen 50%/Vol. Verstehen darf man den Likör dabei wohl am ehesten als Kräuter- bzw. Gewürzlikör. Laut Etikett wandern Wermutkraut, Sternanis, Holunderblüte, Grapefruit und Wacholder ins Mazerat, das strohgelb und klar im Glas schimmert.

Tatsächlich riecht der Besk zunächst wirklich sehr deutlich nach Holunderblüte. Ein Hugo mit Fassstärke also? Und auch die Grapefruit mit ihren deftigen Zitrusnoten ist überaus präsent, dazu leicht medizinische Töne. Die Wucht des Alkohols zeigt sich erst im Mundraum wirklich, wo der Besk sich wie ein klassischer „Rachenputzer“ ausbreitet. Zunächst mit einer schmeichelnden Süße, holen die Öle aus Wacholder und Wermut am Gaumen mit einer bitteren Keule aus, die doch etwas eindimensional wirkt. Schwierig vorstellbar, wie der Likör an der Bar einzusetzen ist. Vielleicht wie ein Bitters oder zum „Washing“ von Gläsern? Denn auch in Kleinstmengen dürfte er viele andere Zutaten erschlagen. Keine schlechte, aber eine schwierige Spirituose für geübte Hände.

0,2 l
50 % Vol.
ca. 25 €

Argalà Pastis Artigianale

Bei Pastis denken die meisten Menschen wohl ausschließlich an Frankreich. Tatsächlich liegt man im Falle des in kleiner Auflage gefertigten Argalà damit auch nicht falsch: produziert wird der Likör von zwei Brüdern aus der Provinz Cuneo im westlichen Teil des Piemonts, und damit im italienisch-französischen Grenzgebiet, einem jener Teile des früheren Reiches der Savoyischen Herrscher, die der Gegend ein gemeinsames kulturelles Erbe beschert haben.

Die Flasche des Argalà lässt mit ihrer konischen, hohen Form und dem farblosen Glas zunächst eher an einen Single Malt denken. Der Pastis selber hingegen ist traditionell mittelbraun mit grünen Reflexen, dazu kommt die charakteristische Trübung bei der Zugabe von Wasser und Eis.

Ansonsten ist der Argalà eine runde Sache mit komplexem Aroma, das von den beiden typischen Hauptdarstellern Lakritz und Anis dominiert wird. Daneben kommen herbale Noten von Thymian, Salbei und ein wenig Oregano zum Tragen, die dem Duft eine geradezu herzhafte Komponente verleihen. Danach ist der Pastis angenehm süß und würzig, voll und elegant, mit leicht adstringenter Note. Mit Eiswasser entwickelt er sich zu einem schönen Aperitif, und auch als alternative Zutat in Drinks wie z.B. einem Sazerac dürfte er eine gute Figur abgeben.

0,7 l
45 % Vol.
ca. 30 €

The Drinking Ape Liquorice Sodapop

Diesmal zeigt sich die Runde am meisten beeindruckt vom alkoholfreien Produkt. Gleich zwei Sorten eines Lakritz-Erfrischungsgetränks liefern die Herrschaften des Start-ups von The Drinkin Ape ab: angeboten werden die beiden Sorten „Classic“ und „Intense“.

Was bei den Testern zunächst für Skepsis sorgte — eine Limonade auf Süßholzbasis — , konnte auf voller Linie überzeugen.

Die helle Variante „Classic“ ist angenehm trocken und erfrischend, mit nur leichtem, dezent-erdigem Lakritz-Aroma und schönen, leichten Noten, alles eingebunden in eine kräftige Kohlensäure. Geschmacklich entfernte Verwandtschaft zur Mate. Besonders begeistern konnte indes die dunkle „Intense“-Abfüllung mit ihrem satten, aber gut balancierten Lakritzgeschmack und der präzisen Orangen-Note, die dem Getränk etwas von seiner Schwere nimmt. Auch hier sorgt eine nur vorsichtige Süßung dafür, dass der Drinking Ape mit gesunder Trockenheit auf den Tisch kommt. Interessant könnte die „Intense“-Sorte vor allem als Ersatz für klassische Colas sein, deren Aromenprofil sie nicht unähnlich ist. Eine unbedingte Probierempfehlung!

0,33 l
0 % Vol.
ca. 1,60 €

Photo credit: via S. Liewehr

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