Whisky Österreich Jasmin Haider-Stadler

Die Brennerin spricht: Jasmin Haider Stadler

Drinks 6.11.2017

Das älteste Whisky-Haus in Österreich bleibt eines der kreativsten. Dafür verantwortlich ist Jasmin Haider-Stadler. Soeben hat die Brennerin einen Whisky-Kaffee lanciert, parallel erhielten die kantigen Flaschen aus dem Waldviertel ein Makeover. Doch es muss nicht alles ins Fass, zieht die Präsidentin der Austrian Whisky Association im „Die Brennerin spricht“-Interview auch Grenzen.

Wie oft Jasmin Haider-Stadler die Strecke zwischen Roggenreith im Waldviertel und Nürnberg wohl schon zurückgelegt hat? Ihr Mann betreibt in der Frankenmetropole seine Ofensetzerei, Jasmin leitet seit dem Vorjahr die familieneigene Destillerie. Doch Distanzen schrecken die Powerfrau aus Österreich ebenso wenig wie Vorurteile, das macht das Gespräch mit ihr klar. Die Whisky-Erlebniswelt im strukturschwachen Waldviertel steht mittlerweile für eine Erfolgsgeschichte. Vor 22 Jahren begann die Whisky-Zeitrechnung in Österreich, als ihr Vater Johann Haider sich entschied, den Roggen zu brennen anstatt billig zu verkaufen. Was danach geschah, erzählt die Präsidentin des Brenner-Verbands AWA (Austrian Whisky Association) aber selbst.

Wie schwierig waren eigentlich Deine Anfänge als Frau in der Machokultur des Whiskys?

Am Anfang wird man vielleicht nicht gleich für voll genommen. So nach dem Motto „Was will das Mädel da?“ Wenn sich ein gleichaltriger Mann hingestellt und gesagt hätte „Grüß euch, ich bin der Brenner“, wäre die Reaktion sicher anders gewesen. Aber man kann es auch positiv sehen, denn als Frau kannst du schön das Überraschungsmoment nutzen. Dass da nämlich jemand ist, der sich nicht nur für Spirituosen interessiert, sondern sich auch auskennt. Ich habe ja nach meinem Marketing-Studium im Betrieb in diesem Bereich begonnen und wollte dann mein Produktwissen vertiefen. Was nebenbei in Österreich gar nicht so einfach ist. Für die Gesellenprüfung als Destillateurin habe ich eine Prüf-Kommission benötigt, die es nur in Vorarlberg gab. Davor lernt man im Brau- und Getränkelehrgang einiges und nimmt an der Weinbauschule teil, wenn sie das Destillieren durchgehen. Man sollte also nicht den Fehler machen, mich zu unterschätzen (lacht)!

Euer ältester Whisky ist ein 12-jähriger. Was hat sich seit den Anfängen verändert bzw. waren die Lernpunkte in Sachen Austro-Whisky?

Wir haben sogar schon einen 13-jährigen Whisky, den gibt es aber nur mehr als Single-Cask-Abfüllung in Fassstärke. Aber natürlich kommen jetzt die älteren Abfüllungen nach und nach und da gibt es einen gewissen Liebhabermarkt. Am Anfang hatten die Leute noch stark die Gleichung im Kopf „Whisky muss alt sein“. Das stimmt aber so nicht. Er muss das richtige Alter haben. Und auf internationalem Niveau kann man jetzt auch noch eine Schippe drauflegen. Zu den Lernpunkten: Wir werden jetzt keine zweite Destillerie errichten oder eine Pot Still anschaffen. Aber man kann viel mit dem Fass machen. Wir haben gerade einen 100% Roggenmalz-Whisky aus einem Fass mit „Likörwein nach Portweinmethode“ – das muss leider außerhalb Portugals so kompliziert heißen! – gefüllt. Dazu kommt die „Rare“-Abfüllung eines Whiskys mit Süßweinfass-Finish. Früher hieß es halt bei den jüngeren Abfüllungen, das sind Holzbomben und „die brauchen noch“. Wir wollten aber mit regionalen Eichenfässern ohne Vorbelegung arbeiten – und jetzt experimentieren die Schotten auch schon mit „virgin oak“. Vieles ist halt auch ein Vorurteil und keine Geschmacksfrage. Im Verkauf sind bei uns gegenwärtig vor allem sechs Jahre gereifte Brände.

Wie sieht es eigentlich mit den Export-Chancen beim Whisky aus Österreich aus?

Für uns ist sicher nach wie vor Österreich der Hauptmarkt. Ich kann ja auch den 65.000 Gästen, die jährlich in unsere Whisky-Erlebniswelt kommen, schwer erklären: „Ich bin ausverkauft wegen der Nachfrage in Asien.“ Aber in den kommenden Jahren werden dann unsere größeren Lagerbestände zu greifen beginnen, da ist der Export sicher ein wichtigeres Thema als jetzt, wo er im einstelligen Bereich liegt. An einem Webshop für Deutschland arbeiten wir gerade, denn das Land stellt im Export unseren wichtigsten Markt dar.

Wenn Du nur ein Destillat machen dürftest, was wäre das?

Das wäre ein Whisky mit 100% Roggenmalz, am liebsten noch dunkel geröstetes.

Von welchen Destillaten gibt es Deiner Meinung nach zu viel am Markt?

Ich würde sagen, alles was zu schnell auf den Markt gebracht wird, ohne den Destillaten die Zeit zu geben, die sie bräuchten. Also alles, wo das Marketing den Launch treibt und nicht die Logik der Herstellung.

Wie siehst Du eigentlich den aktuellen Gin-Hype?

Da kommt nach wie vor viel Neues nach, aber auch, weil das aktuell den Konsumenten gefällt. Was ich mir wünschen würde, wären allerdings mehr Gins, die auch für den Pur-Genuss gemacht sind. Ich trinke das gerne, aber wir haben auf unseren „BB [Dschin]“ ja auch die Rückmeldung von Konsumenten bekommen, dass er da gut funktioniert.

Spricht das auch dafür, dass es mehr fassgelagerten Gin geben sollte?

Nur weil Whisky meine Spirituose Nummer eins darstellt, muss jetzt nicht alles ins Fass! Aber ich glaube, dass es da keine generelle Antwort gibt. Denn interessante Produkte gibt es immer wieder und in allen Kategorien.

Wie stehst Du eigentlich zum Foodpairing, ohne das keine Whisky-Verkostung mehr auszukommen scheint?

Das Thema interessiert mich und ich koche ja auch gerne. Die Frage, als ich 2012 in die Firma eingetreten bin, war immer, was kann ich an neuen Produkten entwickeln? Da kam natürlich Schokolade und Whisky als erstes Thema, dann habe ich mich für das Kochbuch „Haggis, Whisky & Co. – Mit Robert Burns durch die schottische Küche“ (dessen Mit-Verfasserin sie ist, Anm.) damit beschäftigt. Ich glaube, wenn man sich beruflich mit Sensorik beschäftigt, ist es unausweichlich, dass man dort landet. Zuletzt habe ich für unseren Whisky-Kaffee mit der Rösterin Silvia Maino zusammengearbeitet. Die Gespräche und der Vergleich der beiden Expertisen waren extrem interessant. Ich glaube auch, dass man da immer mit Partnern arbeiten sollte. Man kann nicht in jedem Bereich Bescheid wissen. Wenn sich hingegen jemand in seinem Metier wirklich gut auskennt, dann bekommt man auch selbst einen ganz anderen Zugang.

Was ja gerne untergeht sind die Fruchtbrände eurer Destillerie. Wie sieht es da aus?

Ich bin ja eher beim Whisky daheim und kümmere mich da am liebsten um Fassmanagement und die Produktentwicklung. Insgesamt machen an der Produktion alle Liköre, der Gin und die Fruchtbrände zusammen knapp 10% aus. Der Schwerpunkt liegt also beim Whisky. Aber die Klassiker – Marille, Himbeere oder Vogelbeere – gehen immer gut. Mein Liebling ist die Vogelbeere, das leichte Marzipan mag ich und ich halte sie auch als Frucht für unterschätzt. Hier übrigens finde ich auch Fassreifung spannend. Wir hatten früher einen Traubenedelbrand, der im neuen Eichenfass war. Danach kam Whisky – Single Malt – rein. Oder unseren Zwetschkenbrand, der im Zwetschkenholzfass lagerte. Der war immer legendär!

Jasmin, wir danken Dir ganz herzlich für das Gespräch!

Photo credit: whiskyerlebniswelt.at

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