Wodka Wanessa. Der Weg zum eigenen Vodka.

Drinks 29.8.2013 4 comments

Eine eigene Spirituose herstellen? Welcher Barmann träumt nicht davon. Wie es geht, hat Vanessa Gürtler herausgefunden. Sie schnuppert derzeit Redaktionsluft bei MIXOLOGY und schildert hier auf MIXOLOGY ONLINE nun erstmals ihre Vodka-Werdung. Mal mit „V“ und mal mit „W“.

Wanessa ist ein im Kupferkessel zweifach destillierter,  österreichischer Wodka aus 100% erstklassigem Dinkel, eine auf meinem Misthaufen gewachsene Schnapsidee.  Ich bin Vanessa und habe an der italienischen Slow Food Universität für Gastronomiewissenschaften studiert und meine Diplomarbeit über Hildegard von Bingen geschrieben.  Die heilige Hildegard war die einflussreichste Geistliche  im Mittelalter.  Sie behauptete „Visionen von Gott“ zu erhalten,  die sie niederschrieb. Sie  verfasste Texte über die Wirkung von Heilpflanzen und Lebensmitteln.  Unter anderem  meinte sie, der Dinkel sei ein Frohmacher. Wenn man also Dinkel destilliert, hat man dann nicht einen „frohmachenden“  Wodka? Einen Zaubertrank? Heureka!

So weit so gut, nach monatelanger Recherche und der Zusage eines Kredits feuerten mein Partner, ein renommierter niederösterreichischer Schnapsbrenner, und ich den Hexenkessel an, mit dem bescheidenen Ziel, einen Zaubertrank herzustellen, der zudem Slow Food Kriterien erfüllen sollte: also aus hochqualitativen,  lokalen Rohstoffen, rein und geschmackvoll.

Nette Geschichte

Nach zweiwöchigem Maischen und Brennen und Putzen und Bangen ob die Wanessa denn etwas wird, immerhin hatten wir keine Ahnung wie ein Dinkelbrand schmeckt, verkosteten wir mit dem mehr als skeptischen Vater meines Brennpartners „in crime“. Er nahm den ersten Schluck und konnte nicht anders als sein breitestes Grinsen aufzusetzen: „ Sehr gut!“, sagte er.  Na, das will was heißen!

Wodka Wanessa entpuppte sich als cremiges und mildes Herzstück mit einer zarten Vanillenote. Wir beschlossen den Kornbrand nur minimal zu filtrieren, um das außergewöhnliche Aroma zu erhalten.

Wie die meisten der MIXOLOGY-Leserschaft wissen, ist  Vodka recht geschmacksneutral, weil durch Filtration oder vielfache Destillation Geschmacks-, und Fuselstoffe entfernt werden.  Allerdings ist Vodka nie geschmacklos! Hochqualitative Vodkas haben auch immer mehr Geschmack. Meiner Meinung nach, weil dafür nicht „Wegwerfgetreide“ verwendet wird, sondern eben bestes Getreide.

Wie beim Obstbrand ist die Qualität der Rohstoffe ausschlaggebend für den Geschmack. Einige bekannte österreichische Brenner, darunter mein neuer Partner Alois Gölles und der in Bars durch seinen Blue Gin bekannte Hans Reisetbauer, haben die Interessensgemeinschaft  Quinta Essentia ins Leben gerufen, die Brennereien verpflichtet  eben ausschließlich vollreife Früchte zu verwenden und ohne Zusatzstoffe zu brennen. Für Wodka Wanessa wird entsprechend erstklassiger, steirischer Dinkel verwendet, seit diesem Jahr biozertifiziert.

Stimmt die Qualität der Rohstoffe nicht, wird in der Branche gerne mal  „gepanscht“:  Beim Obstbrand will man Aroma, also gibt man Aromastoffe und Zucker dazu, beim Vodka filtriert man den sonst untrinkbaren Sprit  bis zur fast vollständigen Neutralität oder gibt Glycerin hinzu. Ich will nichts Geschmackloses herstellen, das macht keinen Spaß, obwohl man damit besser verdient.

4 comments

  1. Marina Zayats

    Hi Vanessa,
    ein sehr gelungener Artikel, der nicht nur informativ sondern auch noch humorvoll geschrieben ist-das geht runter wie guter Vodka! – und das sagt eine gebürtige Weißrussin! 😉

    • Redaktion

      Oh danke! Das f reut mich sehr! Liebe Grüße aus der Redaktion! v

  2. Adrian Franz

    Selü Vanessa,
    hei ä super Artikel, cool!
    Gute Geschichte… – jaja die Aussage: „….Dass Wodka Wanessa ungewohnt viel Geschmack hat, stieß im ersten Jahr viele Leute vor den Kopf. Wanessa sei doch kein Vodka, er habe ja Geschmack! Vodka sei doch aus Kartoffeln! Außerdem sei nur russischer Vodka echter Vodka!…“ kenne ich! Die könnte ich bei meiner Vodka Geschichte auch schreiben:-)) ich ergänze noch weiter, bei mir sagten die Gäste an der Bar: „ich hab’doch kein Tequila bestellt!“ Plus, das Beste zum Schluss:-) unser Vodka (100% Roggen) kann man nicht mit RedBull mischen…das gab die grössten Diskussionen:-) hehehehe

    Ich wünsche dir viel Erfolg! Weiter so:-)

    • Redaktion

      Vielen Dank Adrian! Auch Dir weiterhin viel Erfolg und liebe Grüße aus Berlin, Vanessa

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