bitters

Der Angostura Fizz. Ein Cocktail ohne Basis.

Geschichte 27.11.2012

Die einfachste Einteilung von Cocktails ist die in der Unterscheidung ihrer Basisspirituose. Und wenn es keine gibt? Dann ist es ein alkoholfreier Cocktail, und verkehrt unter dieser Bezeichnung. Aber ist das immer so? Muss das so sein? Nein, eine Bande kleiner Fläschchen führt einen „bitteren“ Kampf am Mixplatz, und wehrt sich heftigst nur in Tropfenform in den Drink zu gelangen.

Die kleine Flasche mit dem gelben Deckel

In vielen Bars steht direkt am Mixplatz auf dem Barbrett eine kleine Armada an Fläschchen. Mit ziemlicher Sicherheit ist immer eine dabei die, so scheint es, nicht so richtig in ihr Etikett passen will. Angostura Bitters. Dann und wann greift der Bartender zum Fläschchen und fügt einem Drink einige wenige Tropfen dieses Elixiers hinzu. Nicht selten folgt darauf ein Gespräch darüber, was Bitters eigentlich sind und welchen Sinn sie haben. Meist geht es dann um die „fehlende Komponente“ die den Drink erst interessant macht oder das „Abrunden“ eines Geschmacksprofils. „Bitters Bridge the Gap“ hat einmal jemand gesagt, und das ist vielleicht die schönste Umschreibung.

Jigger statt Dashes.

Aber was, wenn der Bitter nicht die abrundende Komponente für einen Drink ist, sondern die Basis? Ist er dann noch trinkbar? Gar genießbar? War doch der eigentliche Ursprung ein medizinischer. Gegen Malaria sollte er wirken und ein fiebersenkendes Mittel sollte er sein. Aber schon bald setzte sich das Produkt als Zutat in der Küche und hinter der Bar durch und bereits 1908 erschien das Dr. Siegert‘s Angostura Bitters Recipe Booklet, in dem der Angostura Fizz zum ersten Mal erwähnt wird. Wirklich bekannt gemacht hat ihn aber erst der Eintrag in Bakers „The Gentleman‘s Companion II“.

Aroma und Beigeschmack

Als Ergebnis steht ein voluminöser Drink, der einen bei jedem Schluck mit neuen Aromen überrascht. Würzige und fruchtige Noten wechseln sich ab und ergeben mit Limette einen gleichfalls frischen und belebenden Drink. Beim Einsatz von Angostura ist allerdings leichte Vorsicht geboten. Zum einen ist der Angostura Fizz alles andere als ein alkoholfreier Drink, zum Anderen ist die Kalkulation im Auge zu behalten. Durch tröpfchenweise Verwendung scheinen Bitters keine kostenintensive Zutat zu sein. Wer aber genauer hinschaut, sieht, dass der Preis pro Liter jenseits der 40,00 Euro liegen. Ein Preis, den nicht jede Basisspirituose eines Cocktails hat. Dennoch ein großartiger Drink für den Winter und eventuell ein Geheimtipp an der Bar.

Der Angostura Fizz (adaptiert aus Bitters, Brad Thomas Parsons, 2011)

3 cl Angostura Bitters

3 cl frischer Limettensaft

0,75 cl Zuckersirup

0,75 cl Grenadine

1,5 cl Sahne

1 Eiweiss

Sodawasser

Zubereitung: Alle Zutaten bis auf das Sodawasser ohne Eis im Shaker schütteln bis Eiweiß und Sahne sich vermischt haben (Dry Shake). Eis hinzugeben und weitere 10 Sekunden shaken. In vorgekühltes Gästeglas abseihen. Mit Sodawasser toppen.

Glas: Coupette

Garnitur: keine

 

 

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