Antica Torino Smash. Aperitif-Drink ohne Vergangenheit aber mit Zukunft.

Geschichte 21.8.2012 4 comments

Manch ein Drink kann tief in die Geschichte blicken. So auch die Kategorie der Smashes. Jerry Thomas veröffentlichte schon 1862 in seinem Hauptwerk „How to mix Drinks“ ein Derivat dieser Kategorie. Doch der spezielle Ableger Antica Torino Smash ist deutlich jünger und in seiner Geschichte eher diffus. Können wir Licht ins Dunkel bringen?

Nahezu jeder Cocktail ist heutzutage über das Internet mit wenigen Klicks zu finden. Google anwerfen und schon weiß man Bescheid. Eine Zusammensetzung des Drinks findet man auf jeder nächstbesten Seite. Wer tiefer schürft, kann sich bald diverse Interpretationen des Mischgetränks notieren. Manchen Drinks werden gar ganze Homepages, Blogs oder Foren gewidmet.

Präsent durch die Süddeutsche?

Fast jegliche Zutatenliste wird von Könnern und Nichts-Könnern aus aller Welt bis ins Detail zerlegt und mit unterschiedlichsten Bausteinen wieder zusammengesetzt. Die Geschichte bis zu dem Zeitpunkt der konkreten oder möglichen Entstehung der Cocktails wird penibel aufgearbeitet. Weniges wird dabei außer Acht gelassen. Doch es gibt Ausnahmen. Drinks unter der Oberfläche.

Obwohl auch diesen oftmals eine gewisse Präsenz im Internet zuteilwird, werden sie in ihrer Tiefe wenig beachtet. Keine Geschichte. Keine Internationalität. Kein kreativer Bartender, der sich als Entwickler mit dem Trunk brüstet. So ist es mit dem Antica Torino Smash. Irgendwie scheinen diesen Drink trotzdem einige Bartender zu kennen. Ob es an dem einen Auftritt im Mai letzten Jahres im Magazin der Süddeutschen Zeitung liegt? Ob die dortigen 1355 Klicks ausreichen?

Möglich. Zumindest für eine gewisse Popularität hinter den großen Bühnen kann dieser Auftritt genügen. Weil wir in der MIXOLOGY ONLINE Redaktion jedoch der Meinung sind, dass die augenblickliche Präsenz des Drinks der wunderbaren Textur und Zusammensetzung des Cocktails noch nicht wirklich gerecht wird, legen auch wir noch mal unsere mediale Kraft in die Waagschale, um dem Antica Torino Smash etwas mehr Bedeutung zu verleihen.

München hat es gemacht

Das ändert jedoch erstmal nichts daran, dass auch in unserem Haus nicht wirklich jemand etwas über die Hintergründe des Drinks weiß. Daher haben wir noch fix bei dem Importeur der Mailänder Branca Destilleria Produkte, wozu auch Carpanos Antica Formula zählt, nachgefragt. In der Zentrale des Hamburger Unternehmens Borco kennt man jedoch ebenfalls keine tiefschürfende Hintergründe. Der dort für mixologische Belange zuständige Sven Sudeck erläutert die Sachlage aus seiner Sicht: „Wie viele andere, habe ich den Drink erstmalig im Magazin der Süddeutschen Zeitung gesehen. Eine lange Geschichte vermute ich hinter dem Drink nicht, die Zusammensetzung lässt darauf schließen, dass der Drink in den letzten Jahren entstand. Eventuell sogar in der Schumann‘s Bar selbst?“

Ein einziger Anruf in der Schumann‘s Bar genügt nicht. Viele Anrufe sind nötig, da dort zumeist niemand abnimmt. Aber gut, es ist keine Telefonzentrale, sondern eine Bar. Charles Schumann begrüßt mich dann auf einmal persönlich und urbayerisch knackig am Telefon: „Wie kann ich helfen junger Mann?“ Überraschend für mich, da ich Mario Zils, den Protagonisten des SZ-Videos sprechen wollte. Kurzum ist meinerseits erklärt, dass mir die Geschichte des Antica Torino Smash am Herzen liegen würde. Nach kleinen Debatten auf der anderen Seite wird das Rätsel für uns endlich gelöst und Schumann löst auf: „Mario Zils hat ihn gemacht“.

Hintergrundinformationen sind trotzdem wenig erhältlich. Ein sommerlicher und leicht alkoholischer Smash bedarf jedoch auch relativ wenig Erklärung. Versuchen Sie es einfach mit ihren Gästen! Wir werfen derweil nur noch in den Ring, dass die Stadt Turin im Namen Antica Torino Smash eine Huldigung an die Hintergründe der namensgebenden Wermut-Familie Carpano ist: Der Gründer der Carpano Destillerie (Antonio Benedetto Carpano) führte nämlich 1786 den modernen Vermouth di Torino in Italien ein.

In der Rezeptur des Antica Torino Smash folgen wir dem Trinklaune Blog, wo der Drink vor Kurzem als Sommer-Cocktail empfohlen wurde. Entgegen der sonst aufzufindenden Rezeptur nutzten die Trinklaune-Herren Zuckersirup statt eines Barlöffels Puderzucker und mehr Minze. Auf diese Weise erhält man ein wirklich hervorragendes Ergebnis. Entgegen der traditionellen Smashes empfehlen auch wir, gleich dem Schumann‘s Bartender Mario Zils im SZ-Video, den Drink auf Eiswürfel und nicht auf Crushed Eis zu geben. Crushed Eis im Shaker, wie es Zils für diesen Drink praktiziert, dient primär der Verwässerung des Drinks und muss unseres Erachtens nicht unbedingt sein.

Der Antica Torino Smash ist unterm Strich ein hervorragender Aperitif. Vorzüglich, um in den Abend zu starten, kann er auch ein wunderbarer Begleiter durch die ganze Nacht sein. Finden Sie selbst heraus, wie er Ihnen am besten gefällt, und lassen Sie uns gerne an Ihren Erfahrungen teilhaben.

 

Antica Torino Smash

6 cl Carpano Antica Formula

2 cl Zitrone

1 cl Zuckersirup

2 Stängel Minze

Glas: Tumbler

Garnitur: Orangenzeste

Zubereitung: Alle Zutaten in den Shaker geben, mit Eiswürfeln füllen und ca. 15 Sekunden (15-mal) schütteln. In das vorgekühlte Gästeglas doppelt abseihen.

 

 

Präsentiert von Cocktailian:

Cocktailian, das umfassende Handbuch der Bar für Profis, Einsteiger und Connaisseure entschlüsselt anhand von 13 Key Cocktails die Cocktail-DNA. Dieser erste Band der Cocktail-Enzyklopädie vermittelt auf 528 Seiten alles Wissenswerte rund um die Welt der Cocktails, von den wichtigsten klassischen Rezepturen bis zu den modernsten Arbeitstechniken.

Der zweite Teil der Cocktailian-Serie, “Cocktailian Rum & Cachaça” befasst sich mit der Geschichte und Herstellung von Zuckerrohrdestillaten und den daraus entstandenen Mischgetränken. An Cocktailian 1 und 2 haben neben dem Autoren-Trio Jens Hasenbein, Bastian Heuser und Helmut Adam führende internationale Bar- und Cocktailexperten wie Angus Winchester, Gary Regan, Ian Burrell, Jeff “Beachbum” Berry, Jared Brown und Anistatia Miller als Gastautoren mitgewirkt.

// Cocktailian 1 und 2 sind im Buchhandel erhältlich oder online unter cocktailian.de bzw. amazon.de //

 

Bildquelle: aboutpixel.de / pfefferminztee v.2 © Marta Urbanelis

4 comments

  1. Tim

    Schön geschrieben – ich persönlich habe den Drink im Frühjahr 2012 kennen gelernt. Und zwar aus der Mixology, die ja gar nicht im Artikel erwähnt wird. 😉

    In Ausgabe 2/2012 ist er wie oben beschrieben, lediglich mit 3cl Zitronensaft und nur 1BL Rohrzuckersirup. Sehr angenehm, unabhängig von den Temperaturen in diesem Sommer!

  2. andreas

    Moin, moin.

    Als schöne Longvariante kann man den Smash auch noch mit Soda toppen. Schmeckt sommerlich, herrlich erfrischend.

    Muss man nicht kann man aber mal machen.

    Beste Grüße.

  3. Nils Wrage

    Toller Drink!

    Auch ich muss sagen, dass ich die Variante mit Zuckersirup vorziehe. Die Konsistenz ist dadurch deutlich filigraner…vielen Dank für den Artikel, sonst wäre diese Rezeptur an mir vorübergegangen.

    Grüße aus Kiel

  4. Mario Zils

    Ihr Lieben, ich habe den Drink als „Carpano Antica Smash“ vor etwa 4 Jahren schon im Schumann‘s für einen Stammgast zubereitet (kreiert).
    Er wollte einen Smash mit Minze, aber eben etwas leichter und trozdem lecker!
    Also nicht mit Gin oder Whiskey!
    Mein Vorschlag war eben Carpano Antica Formula!
    Der Drink kam bestens an, und wird seitdem öfters verkauft!
    Ich habe ihn aber ursprünglich auf crushed Ice serviert, wie ihn mein Stammgast immer noch bekommt!
    Die SZ wollte letztes Jahr dann aufgrund der überschwänglichen Begeisterung für den ebenfalls von mir stammenden „London Leaves“ einen Bericht und eben ein Video fürs SZ-Magazin machen.
    Mit mehreren Drinks auf der Basis von „Grünzeug“(Minze/Rosmarin/Fenchel…).
    Und das alles mit Städtenamen als Cocktailname!!!
    Deswegen nennen wir den „Carpano Antica Smash“ jetzt „Torino Smash“.
    Mit Charles Schumann entstanden so auch ein „Tokyo Cherry Blossom“ oder ein „Café de Paris(Schumann‘s Version)“.
    Ich hoffe damit sind einige Fragen beantwortet!
    Über die Rezeptur braucht man wirklich nichts mehr sagen.

    Grüße aus Schumann‘s Bar in München, Mario

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