Literaten-Hotels in Paris. Ein neuer Trend greift nach der Vergangenheit.

Geschichte 1.9.2013

Paris gilt als Stadt der Liebe und der Romantik, ein Lottogewinn für den Tourismus. Zahlreiche Künstler und Literaten dieser Stadt haben zu diesem Bild beigetragen.  Immer mehr Hotels bedienen die Sehnsucht nach den alten Zeiten der Bohéme. Und das sehr erfolgreich.

Tausende Touristen strömen seit Jahren ins Café de Flore, in dem sich Sartre mit Beauvoir traf oder Picasso „herumgehangen“ ist  und zahlen gerne Unsummen für einen Kaffee aufgrund der Extraportion  Pariser Flair. Ein beliebtes Ziel ist auch Harry’s Bar, in der sich  amerikanische Expats wie Ernest Hemingway betranken, in der die Bloody Mary erfunden wurde und George Gershwin komponierte. Oder die Hemingway Bar, benannt nach dem vielgesehenen Gast, dessen Schreibmaschine und Flinte man dort bewundern kann. Dafür kostet der Martini Cocktail um die 36 Euro.

In den letzten Jahren schmücken sich auch viele Hotels mit ihren berühmten intellektuellen Gästen. So gibt es das Le Marcel, in dem Proust nächtigte oder das R. Kipling Hotel, das dem Zuhause des Schriftstellers nachempfunden wurde. Im L‘ Hotel kann man im Zimmer schlafen, in dem Oscar Wilde verstarb oder im Le Pavillon des Lettres ist jede der 26 Räumlichkeiten einem berühmten Autor gewidmet.

Kulturbegeisterte Amerikaner sehnen sich nach Europa, nach Geschichte und Geschichten. Bezeichnend dafür sind die zahlreichen Woody Allen Filme, in denen er den Europäern und ihren Hauptstädten seinen Stempel aufdrückt: Er stellt London als nobel dar, Barcelona als bohémien oder Paris als Stadt der Avant-Garde.

Zurück in die Belle Époque

In Allen´s „Midnight in Paris“ erzählt er die Geschichte eines vom  Pariser Flair angetrunkenen amerikanischen Schriftstellers, der mit seiner verständnislosen Verlobten in Paris urlaubt. Er will eintauchen in die Welt der Belles-Lettres und so geschieht es, dass er eines Nachts von einer Kutsche abgeholt wird, die ihn zu einem rauschenden Fest bringt. Er trifft dort Intellektuelle wie F.Scott Fitzgerald oder Ernest Hemingway und begreift, einen Zeitsprung gemacht zu haben.

Das Interessante am Film ist, dass sich die Charaktere, denen er in den von ihm idealisierten 1920ern begegnet,  zurückwünschen in die Belle Époque der Jahrhundertwende, sich also in der gleichen sentimentalen Krise wie er befänden: dem Wunsch nach den guten, alten Zeiten. Eine Utopie.

Wer mehr über die Utopie erfahren will, findet in The Guardian eine von Kim Willsher  erstellte Liste mit den Pariser Hotels, die auf der Nostalgiewelle reiten.

 

Bildquelle: CC BY Pablo Sanchez

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