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Duke Gin. Ein lokaler Gin mit internationalem Flair aus München.

Gin 20.2.2012 3 comments

Mit diesem Gastbeitrag der beiden Macher hinter The Duke Gin, Daniel Schönecker und Maximilian Schauerte, setzen wir die lose Reihe der Eigenporträts von erfolgreichen Start-ups im Spirituosensegment fort. Lesen Sie die Entstehungsgeschichte dieses Produktes. Idee, Konzept, Entwicklung – und natürlich auch ein wenig Stolz darf dabei sein.

Wenn wir auf die letzten Jahre seit Gründung der Brennerei im Herbst 2007 zurückblicken, reiben wir uns schon manchmal die Augen. Tatsächlich hat sich so vieles ereignet seit mit einem Gläschen Gin – was sonst – im stillen Winkel einer Bar die Gründung der The Duke Destillerie besiegelt wurde. Einen in Handarbeit gefertigten deutschen Gin mit bayerischem Antlitz wollten wir schaffen, das stand sofort im Zentrum unserer Idee während der Gründungsphase. Und Deutschland war im hochprozentigen Bereich bis ehedem vor allem durch Obstbrände und Geiste in Erscheinung getreten. Da wollte ein deutscher Gin nicht eben landestypisch anmuten. Aber wo ein wirklich starker Wunsch besteht, da finden sich naturgemäß auch gute Gründe, die helfen, ein solches Vorhaben in die Tat umzusetzen. Und an guten Gründen haben wir wahrlich keinen Mangel gelitten, waren wir doch selbst beste Kunden der feinen Wacholderspirituose, was auch so mancher Bartender zu bezeugen weiß. Der Aufbau der Brennerei, die Suche nach der einen Rezeptur und viele behördliche Auflagen haben uns das erste Jahr voll in Beschlag genommen. In stetiger und fruchtbarer Unruhe haben wir uns durch die Landschaft verkostet. Unzählige Wacholderbeeren mussten sich unserem sensorischen Filter stellen, bevor im Dezember 2008 die Batch No. 1 fertiggestellt werden konnte. Glücklicherweise hatte die frohe Kunde, dank beherzter Mundpropaganda unseres Umfeldes, bis zu diesem Zeitpunkt schon seine Kreise gezogen, sodass die ersten Privatkunden und Gastronomen termingerecht zur Stelle waren, als es endlich losging. Aber am besten erzählen wir die Einzelheiten einfach der Reihe nach.

Handgefertigter Großstadt-Gin? Die Standortwahl

Der Aufbau einer Brennerei in einem beschaulichen Münchner Hinterhof, im Herzen der Stadt, gestaltete sich um einiges aufwendiger als wir uns das in unserer romantischen Gründereuphorie ausgemalt hatten. Gleich, nachdem wir die offizielle “Lizenz zum Brennen” erhalten hatten, ging es an die Installation der Werksanlagen. Unsere Destille, ein Schmuckstück, in dem sich altes Handwerk und moderne Technik gleichermaßen wiederfinden, stammt übrigens aus einer alten Kupferschmiede im Schwäbischen. Dort wurde sie, nach sorgfältiger Anpassung an unsere speziellen Ansprüche in Sachen Gin, eigens für uns erdacht und gefertigt. Auch für die weiteren Produktionsschritte wurden Dutzende Gerätschaften benötigt, die wir aus Kostengründen erst Stück für Stück erwerben konnten. Sehr viel Handarbeit und Improvisationskunst, beispielsweise bei der anspruchsvollen Etikettierung, mussten geleistet werden, bevor wir so etwas Ähnliches wie eine “Produktionsstraße” unser eigen nennen durften.

Die ausgesuchte Lage hatte zwar ihre Kehrseite, die aber auf lange Sicht von den klaren Vorteilen mehr als kompensiert wurde. Auf den ersten Blick mag der Aufbau einer Produktionsstätte im Innerstädtischen in der Tat wenig einleuchtend erscheinen. Vor allem bringt es erst einmal höhere Kosten mit sich, und auch in den Expansionsmöglichkeiten gibt es eine natürliche Beschränkung. Überhaupt will eine handwerkliche Herstellung nicht mehr so recht ins Bild dieser Zeit passen, vor dem Hintergrund globaler industrieller Produktion. Aber genau darin lag der Reiz dieser Mixtur. Wir waren der festen Überzeugung, dass gerade für einen handwerklichen Hersteller das Herausstellen lokaler Identität ein Ausweis von Qualität bedeutet. Schließlich kann der von Wacholdergelüsten geleitete Besucher den gesamten Herstellungsprozess auf kleinem Raum nachvollziehen. Mit anderen Worten: Es galt ein Produkt mit lokaler Handschrift auch überregional darzustellen, ohne dass es provinziell wirkt. Die Besucherströme der letzten Jahre haben die Entscheidung zum Standort der Destillerie rückblickend bestätigt.

Über die Geschichte des Gins, den langen Weg von der Arme-Leute-Spirituose zum Genießer-Destillat, ist schon viel geschrieben worden. Deshalb möchten wir dieses Mal lieber den Fokus auf die Geschichte des deutschen Gins, respektive des The Duke Gins legen, die ja noch eine recht junge ist. Was rechtfertigt die Herstellung einer typisch englischen Traditionsspirituose hier in Deutschland? In unserem Fall fiel die Wahl sehr einfach. Gin war es, für den wir brannten, schon damals in Studententagen, als die Hobbydestillation mit dem Lehrstoff in ernsthafter Konkurrenz stand. Gin war es dann auch, als wir Nägel mit Köpfen machten, um die Brennerei in München zu gründen. Natürlich musste anfänglich Überzeugungsarbeit geleistet werden, schließlich war Gin hierzulande nur als Importware bekannt. Aber da Liebe bekanntlich über den Magen geht, haben wir unsere ersten Kunden auf dem direkten Weg der Verkostung gewinnen können. Und bei genauerem Hinsehen spricht gar nichts gegen eine Produktion hierzulande. Die Rohstoffe können wir überwiegend aus der Region beziehen, das unwirtliche Klima treibt die Kundschaft an den Tresen, und Gin & Tonic ist ein Drink, der sich zeitlos allen modischen Kapriolen zu entziehen vermag. Was lag da näher, als eine Brennerei in heimischen Gefilden zu gründen? Dass Gin also aus England kommen muss, gehört in den Bereich der Geschichte. Münchner Hinterhöfe eignen sich hierzu ganz hervorragend.

 

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