Gin Mare. Ein katalanischer Kräutergarten.

Gin 1.9.2011 5 comments

Innovation im Segment des Gins ist ein schwieriges Unterfangen. Immer neue Wacholderspirituosen versuchen auf dem dichten Markt, der von Global Playern wie Tanqueray oder Beefeater beherrscht wird, ihre Spuren zu hinterlassen. Viele kleine Brands, wie der Monkey Gin aus dem Schwarzwald oder der Duke Gin aus München haben dies geschafft. Der spanische Marke  Mare versucht nun auch im oberen Preissegment mit ihrem Small Batch Gin auf dem deutschen Markt Fuß zu fassen.

Der erste Eindruck

Der erste Eindruck einer Spirituosen vermittelt sich durch das Packaging. In dieser Disziplin kann der Südländer überzeugen. Die azurblaue Flasche erinnert an die Farbe des Meeres in vielen Urlaubsorten der Mittelmeerregion. Man möchte sofort in diese blaue konische Flasche eintauchen und das Innere erkunden. Abgeschlossen wird der mediterrane Inhalt von einer silbernen edel wirkenden – aber letztlich nur aus Plastik bestehenden – Schraubverschlusskappe. Mit seinem für Gin untypischen Erscheinungsbild hat er mit Sicherheit das Potenzial einen Platz in den Rückbuffets der Bars zu finden.

Gin Mare versucht mit seinem mediterranen Charme zu punkten. Thymian aus der Türkei, Rosmarin aus Griechenland, Basilikum aus Italien und grüne Arbequina-Oliven aus Spanien. Diese Botanicals werden mit Gin-affinen Zutaten, wie Wachholder, 36 Stunden in Alkohol mazeriert. Anschließend wird diese südliche Mixtur im Pot-Still-Verfahren re-destilliert. Die Destillerie des Small Batch Gins liegt nach Aussage der Markeneigner in einem kleinen Fischerdorf an der katalanischen Costa Dorada.

Die wahren Werte des Südländers

Laut Hersteller soll man sich nach dem ersten Schluck an das Mittelmeer versetzt fühlen. Im Geschmack sei er wunderbar frisch und durch sein einzigartiges Aroma sowohl pur als auch im Cocktail ein Genuss der besonderen Art.

In MIXOLOGY, Magazin für Barkultur, Issue 4/2011 in der Kategorie „Verkostest & Bewertet“ schnitt die Wacholdermixtur mit 60 von 100 Punkten ab und konnte damit das Ergebnis „Gut“ erreichen. Bei diesem Test waren fünf namhafte Bartender aus Berlin beteiligt und nahmen den Gin bei einer Bildverkostung unter die Lupe.

Günter Windhorst von der Windhorst Bar in Berlin etwa sagte bei der Purverkostung: „Sehr flache Nase, das Liquid kommt etwas seifig daher und die Botanicals sind nicht ausgewogen proportioniert.“ Konrad Friedeman von der rivabar bar in Berlin fand wiederum, dass einem zuerst die für Gin markanten Wacholdernoten in die Nase steigen und dass dann mehr und mehr florale Düfte in den Vordergrund treten. Friedeman weiter: „Geschmacklich ein sehr weiches, mildes Produkt mit relativ kurzem Nachhall.“

MIXOLOGY ONLINE tritt nun selbst zum Test an und verkostet den Tropfen mit 42,7 % vol. in der Redaktion. Als Erstes steigt der Duft von Wacholderbeere in die Nase, gefolgt von Rosmarin und dem Geruch von Zitronenschalen. Im Mund macht sich neben dem Wacholder zuerst Pfeffer breit, anschließend pocht der Rosmarin auf sein Recht, gefolgt von Zitrusnoten. Im Abgang zeigt sich der Spanier sehr mild und langatmig. Er wirkt sehr ausbalanciert, wobei die Meinungen auseinandergehen, ob der Geschmack zwingend an südliche Gefilde erinnert oder nicht. Aber die Redaktion ist einer Meinung, dass man nicht auf den ersten Eindruck erkennt, dass es sich um einen spanischen Gin handelt. Es bleibt aber festzuhalten, dass es sich um ein sehr komplexes und interessantes Produkt handelt.

Wie schlägt sich der Katalane im Mix?

Pur trinken ist schön, sehr schön. Zu einem wahren Genuss wird Gin aber meist erst in der Kombination mit Tonic oder in einer seiner unzähligen Cocktailvarianten. Deshalb machen wir uns jetzt daran, den Spanier als Mixspirituose zu verkosten. Zunächst ist der Klassiker Gin & Tonic an der Reihe.

In dem Artikel über die chininhaltige Limonade 1724 unterzogen wir Gin Mare bereits dem Test in Verbindung mit dem peruanischen argentinischen Tonic 1724. Damals waren wir überrascht von dem Aromagewitter, die diese Paarung mit sich brachte, und stellten fest, dass die Gin Mare-1724-Mischung weit entfernt von der Definition eines herkömmlichen Gin & Tonics ist. Aber sie konnte trotzdem überzeugen, da sich 1724 ausgezeichnet mit dem mediterranen Geschmacksteppich von Mare verwob. Des Weiteren stellten wir die Behauptung auf, dass diese Variation vor allem beim femininen Publikum Anklang finden wird.

Zur weiteren Probe dieses Longdrinks wird der Klassiker Schweppes aus dem Regal gezogen und in zwei unterschiedlichen Abwandlungen die Kehle hinunter geschickt. Einmal die vom Hersteller empfohlene mit frischem Rosmarinzweig und die Zweite mit einer Zitronenscheibe. Es zeigt sich, dass hierbei der Rosmarinzweig eher ein mediterranes Marketing Tool ist, da er einen kaum wahrnehmbaren Einfluss auf das Aroma hat. Zitrone dagegen gibt dem Drink noch eine weitere herbe Richtung und ist bei der kompletten Redaktion die bevorzugte Mischung. Es lässt sich festhalten, dass man mit dieser Kombination eher ein klassisches Gin & Tonic, das den Sommer nach Deutschland tragen kann, im Glas hat, als dies mit 1724 der Fall ist.

Danach kommt ein Negroni auf den Tisch. Ein italischer Aperitif Klassiker mit Gin, Campari und rotem Wermut. Man kann sagen, dass man auf jeden Fall einen sehr ordentlichen Vertreter seiner Variante im Glas hat, aber der Drink, der ein aufgespritteter Americano ist, wird nicht wirklich neu erfunden. Der Gin tritt in den Hintergrund und der Geschmack des bitteren Camparis und die Süße des roten Wermutes spielt sich nach vorne. Dies war aber auch zu erwarten.

Er zeigt sein wahres Gesicht

Jetzt kommen wir zur Königsdisziplin des Gins, dem Martini Cocktail. Im Rührglas schlägt tatsächlich die Stunde des Mare Gins, es erschließen sich auf einmal alle Aromen, die sich in dem Wacholder Destillat versteckt hatten. Man hat das Gefühl, als hätte man einen ganzen Kräutergarten im Mund. Wachholder und Rosmarin sind die tragenden Säulen dieses Geschmacks. Jetzt kann man sich, Schluck für Schluck, besser in mediterrane Gefilde denken, so wie vom Produzenten versprochen. Lässt man den Martini Cocktail ein paar Minuten unbeachtet und nimmt danach noch mal einen kleinen Schluck, verbreitet sich Rosmarin überfallartig im Mundraum.

Was passiert mit dem Spanier in Zukunft?

Wer sich selbst von Gin Mare überzeugen lassen will und vor dem Kaufpreis derzeit noch zurückschreckt, hat dazu im Oktober auf dem Bar Convent Berlin die Gelegenheit. Gin Mare wird dort einen eigenen Stand haben und dem Besucher wird dort, laut Angaben von Distributor Enólogos, die Gelegenheit geboten, ihn pur oder als Gin Tonic mit 1724 Tonic zu kosten.

Es bleibt aber abzuwarten, ob wir ihn bald in vielen Trinktempeln finden werden. Dies mag vor allem am Preis von etwa 40 Euro pro Flasche liegen. Enólogos hat Mare seit ungefähr drei bis vier Monaten im Programm und zeigt sich sehr zufrieden mit dem Verkauf. „Wir sehen den Markt auch nicht im Einzelhandel, sondern wollen eher die Gastronomie beliefern, da es sich hierbei um ein High-Class Produkt handelt.“ Enólogos hofft, dass Gin Mare bald in jeder guten Bar zu finden ist.

Gin Mare ist unserer Meinung nach ein sehr respektables Produkt, das seine Stärken vor allem im Martini Cocktail zeigt. Dort lässt er seinen südländischen Aromen freien Lauf. Der Preis hingegen ist das Manko, da viele andere Gins in ähnlicher Qualität günstiger angeboten werden.

 

// Mare Gin kaufen: Angeboten wird Mare Gin unter anderem bei vinogusta.com für 39,90 Euro (inkl. MwSt.): vinogusta.com//

 

Produktdaten Mare Gin

Preis: ca.40€

Händler: Enólogos

Herkunft: Spanien

Füllmenge: 0,7 l

Hersteller: Global Premium Brands S.A.

Internet: ginmare.com

Alkoholgehalt: 42,7%

 

(Offenlegung: Die Redaktion hat für die Verkostung Produktproben von Enólogos erhalten. Außer dem Mare Gin – durch die Kehlen der Redaktionsmitglieder – ist allerdings nichts geflossen. Prosit!)

 

5 comments

  1. Oliver Steffens

    Ich hatte die Herkunft des 1724 in unserem Trinklaune-Artikel auch zunächst durcheinander bekommen und Chile als Herkunftsland genannt. Aber es ist weder Chile noch Peru – es ist und bleibt Argentinien.

  2. redaktion

    @ Oliver Steffens
    Vielen Dank für den Hinweis. Ist verbessert. DM

  3. Pingback: „Mediterranean Inspirations“ 2012. Torsten Spuhn fliegt nach Ibiza.

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