Blood and Sand. Moderater Genuss unter martialischem Namen.

Klassik 15.1.2013

Nachdem wir im Dezember mit Empfehlungen für Heißgetränke mit dem aktuellen Klima nur bedingt im Einklang standen, sind wir diese Woche bei einem Drink der unabhängig vom Wetter immer funktioniert. Der Blood and Sand Cocktail, der als Wegbereiter eines Cocktail-Genres gesehen werden darf.

Wegbereiter moderner Rezepturen

Nicht trocken genug um als Aperitif zu genügen aber auch nicht genügend Süße um als Digestif durchzugehen gehört der Blood and Sand zu den „Sipping Drinks“ dessen Konzept sich durch viele Cocktails hindurch verfolgen lässt. Die Kombination aus Spirituose, Likör und Saft erscheint heute selbstverständlich, ist aber im Vergleich zu Old Fashioned oder Martinicocktails eine eher junge Erfindung. Wem diese zuzuschreiben ist, kann man heute nicht mehr sagen, aber der Blood and Sand findet seine ersten Erwähnungen im Klassiker „Savoy Cocktail Book“ von Harry Craddock.

Filmische Inspiration

Sehr bekannt hingegen ist die Geschichte des Namens. Was zu Beginn etwas Martialisches hat und an Schlachtfeld erinnert ist die Hommage an ein Buch und dessen Verfilmung 1922 mit einem der ersten Filmstars, Rudolpho Valentino. Sangre y Arena, wie das Buch im Original heisst erzählt die Geschichte des jungen aus armen Verhältnissen, der zu einem berühmten Torero wird. Irrungen und Wirrungen in der Liebe sind selbstverständlich Dreh- und Angelpunkt des Dramas. Allerdings nur für Freunde des Stummfilms. Für Anhänger des gesprochenen Wortes wurde der Film 1941 noch einmal mit Rita Hayworth und Anthony Quinn aufgelegt. Neben dem Film hat auch Gaz Regan eine hübsche Anekdote zum Blood and Sand Cocktail. Zwei Fremde an einer Bar entdecken, dass sie ein gemeinsames Thema haben.

Variantenreicher Klassiker

Aber zurück zum Cocktail. Ein Paradebeispiel dafür, wie gut Scotch Whisky gemixt funktioniert. Für viele Fans dieser Spirituose für die es einem Sakrileg gleich kommt wenn man etwas anderes sucht als den puren Genuss immer noch ein Grund sich abzuwenden, kann man den Geschmack des Drinks mit gezieltem Einsatz von Scotch in viele Varianten verwandeln. Dabei funktioniert beinahe jeder Scotch. Im Gegensatz zum Cherry Brandy. Hier gilt es aufzupassen. Gesucht wird eine trockene Süße, die neben Kirschgeschmack noch weitere Aromen mitbringt. Cherry Heering mit seinen Fassnoten ist eine sichere Wahl.

Und auch wenn das „Savoy Cocktail Book“ das perfekte Mischungsverhältnis vorschlägt, nämlich alle Zutaten zu gleichen Teilen zu mixen, geht der Trend der letzten Jahre eher dahin dem Scotch ein wenig mehr Raum zuzugestehen. Entweder durch eine simple Verdoppelung des Whiskyanteils, oder wie von Ted Haigh vorgeschlagen, die Menge an Whisky und Orangensaft leicht zu erhöhen. Letztere Variante erschien im Test am überzeugendsten.

 

Blood and Sand (adaptiert nach Ted Haigh, „Vintage Cocktails & Spirits“, 2004)

3 cl Scotch Whisky

3 cl frischer Orangensaft

2 cl Cherry Brandy

2 cl süßer Wermut

Glas: Coupette

Garnitur: Cocktailkirsche oder Orangenzeste

Zubereitung: Alle Zutaten im Shaker auf Eiswürfeln shaken. In vorgekühltes Gästeglas abseihen.

 

Präsentiert von Cocktailian:

Cocktailian, das umfassende Handbuch der Bar für Profis, Einsteiger und Connaisseure entschlüsselt anhand von 13 Key Cocktails die Cocktail-DNA. Dieser erste Band der Cocktail-Enzyklopädie vermittelt auf 528 Seiten alles Wissenswerte rund um die Welt der Cocktails, von den wichtigsten klassischen Rezepturen bis zu den modernsten Arbeitstechniken.

Der zweite Teil der Cocktailian-Serie, “Cocktailian Rum & Cachaça” befasst sich mit der Geschichte und Herstellung von Zuckerrohrdestillaten und den daraus entstandenen Mischgetränken. An Cocktailian 1 und 2 haben neben dem Autoren-Trio Jens Hasenbein, Bastian Heuser und Helmut Adam führende internationale Bar- und Cocktailexperten wie Angus Winchester, Gary Regan, Ian Burrell, Jeff “Beachbum” Berry, Jared Brown und Anistatia Miller als Gastautoren mitgewirkt.

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