Corn N‘ Oil. Ölige Einfachheit aus Barbados.

Klassik 17.7.2012 2 comments

Der inoffizielle Signature Drink von Barbados begeistert heute nicht nur amerikanische Touristenmassen auf der Karibikinsel. Seit der Wiederentdeckung von Falernum-Likör diskutiert die Bar- und Connaisseur-Welt diesen Drink. MIXOLOGY ONLINE versucht ein wenig Licht ins karibische Dunkel zu bringen und prüft den Cocktail auf seinen Namen.

Warum eigentlich Corn N‘ Oil? „Mais und Öl“, wenn man nach der wörtlichen Übersetzung aus dem Englischen geht? Diese beiden Produkte sind auf jeden Fall uramerikanisch und spielten in der Entwicklung der USA zur führenden Wirtschaftsnation eine große Rolle. Maisprodukte sind die Basis der riesigen amerikanischen Süßstoffindustrie und Erdöl ist bei jeder amerikanischen Präsidentenwahl Thema Nummer 1. Allerdings hat die Insel Barbados britische und spanische Wurzeln und mit dem nordamerikanischen Kontinent nur eine Menge Touristen als Gemeinsamkeit.

Das Revival für den Corn N‘ Oil ging auf jeden Fall vor ein paar Jahren von der Cocktail-Nation USA aus und schwappte von dort auf den europäischen Kontinent über. Der erste (wieder) kommerziell vertriebene Falernum Likör John D. „Velvet “ Taylor präsentiert auf seinem Etikett eine Rezeptur für das simple Getränk als Signature Drink, allerdings in einer ordentlich zuckrigen Variante.

Von den Zutaten her gehört der Corn N‘ Oil ganz klar in die Familie der Rum Sours, ist nah verwandt mit den Daiquiris und vor allem den Ti Punches dieser Welt. In diese Richtung müssen wir blicken, wenn wir uns auf die Suche nach dem passenden Rum für das schlicht auf Eis zu verrührende und kein aufwändiges Shaken oder Abseihen erfordernde Getränk machen.

Die Auswahl des Rum

Befragt nach ihrer Basisspirituose für den Drink, nannten unsere Leser vor allem süße und molassige Produkte. Volker Seibert von der Kölner Capri Lounge schwört auf Gosling’s Black Seal Rum, Jonas Hald (bis vor kurzem Marques Bar, Berlin) sieht zwölfjährigen Appleton in diesem Drink und unser Autor Steffen Hubert sogar auf den Jamaikaner Old Pascas Rich & Smooth. Ein weiterer Vorschlag lautet gar Zacapa 23y.

Wir begannen unseren Test an der Office-Bar mit barbadischen Produkten und zwar Doorly’s XO sowie Doorly’s 5 und dem Flaggschiff der Marke Mount Gay, dem Mount Gay Extra Old. Die beiden Doorly’s Rums offenbarten dabei eine starke Grundsüße, die den Drink in der Standardrezeptur kippen lassen. Wenn man diese Qualitäten verwendet, sollte man auf jeden Fall den Anteil an Falernum Likör reduzieren. Sehr charaktervoll und ölig präsentierte sich dagegen die Version mit Mount Gay XO, die allerdings ihren Preis hat.

Der Test mit Rums anderer Insel zeigte, dass tatsächlich stärker gereifte und stark molassige Rums am besten punkten in dieser Mischung. Gosling’s Black Seal war hier unser Favorit. Die von Steffen Hubert favorisierte Variante allerdings ist nur etwas für starke Gaumen. Oder, wie in seinem Fall, Rye Sour Trinker. Gerade nicht verfügbar am Mixology-Tresen, aber in einer ähnlichen geschmacklichen Kategorie wie Gosling’s Black Seal anzusiedeln sind Old Monk Rum 7y und Cruzan Black Strap.

Streitpunkt Bitters

Der Wahl des richtigen Falernums, das im Corn N` Oil definitiv nur die Assistentenrolle einnimmt, auch wenn das die Marken sicher anders sehen, wollen wir uns an dieser Stelle nicht widmen. Ein wichtiger Punkt aber ist die Verwendung von Cocktail Bitters, wie sie auch im Rezept unseres „Cocktailian 2 – Rum & Cachaca“ angegeben wird. Ergebnis unseres aktuellen Tests war, dass Bitters, in diesem Fall Angostura Bitters, maximal in der Menge von einem Dash zugefügt werden sollte. Mehr Bitters drehte das Gesamtergebnis und führte zu einem eher eindimensionalen Geschmack. Wir können aber auch Bartender wie Volker Seibert verstehen, die überhaupt keinen Bitters zugeben. Denn wenn der Rum bereits die tropische Würze mitbringt, hat der Corn N‘ Oil bereits alles, was wir eingangs skizzierten: Süße und Öligkeit. Cheers!

 

Corn N‘ Oil

6 cl gereifter Barbados Rum (z.B. Mount Gay Extra Old)

3 cl Falernum (z.B. The Bitter Truth Falernum)

1 Dash Angostura Bitters

Glas: Tumbler

Garnitur: 2 Limettenviertel

Zubereitung: Alle Zutaten in das Gästeglas geben, mit Eiswürfeln auffüllen und gut verrühren. Je nach Geschmack die Limettenviertel in den Drink pressen.

 

Präsentiert von Cocktailian:

Cocktailian, das umfassende Handbuch der Bar für Profis, Einsteiger und Connaisseure entschlüsselt anhand von 13 Key Cocktails die Cocktail-DNA. Dieser erste Band der Cocktail-Enzyklopädie vermittelt auf 528 Seiten alles Wissenswerte rund um die Welt der Cocktails, von den wichtigsten klassischen Rezepturen bis zu den modernsten Arbeitstechniken.

Der zweite Teil der Cocktailian-Serie, “Cocktailian Rum & Cachaça” befasst sich mit der Geschichte und Herstellung von Zuckerrohrdestillaten und den daraus entstandenen Mischgetränken. An Cocktailian 1 und 2 haben neben dem Autoren-Trio Jens Hasenbein, Bastian Heuser und Helmut Adam führende internationale Bar- und Cocktailexperten wie Angus Winchester, Gary Regan, Ian Burrell, Jeff “Beachbum” Berry, Jared Brown und Anistatia Miller als Gastautoren mitgewirkt.

// Cocktailian 1 und 2 sind im Buchhandel erhältlich oder online unter cocktailian.de bzw. amazon.de //

 

Bildquelle: aboutpixel.de / ZuckerrohrErnte © Sven Schneider

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