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Corpse Reviver #2. Ein Totgesagter feiert Wiederauferstehung.

Klassik 7.8.2012 3 comments

Es ist noch kein Siegeszug den der Corpse Reviver #2 führt. In regelmäßigen Abständen fand der Drink jedoch in den letzten Jahren Beachtung. Zumeist wenn es um das Thema Kina-Lillet-Alternativen ging. Unser Autor Steffen Hubert zeichnet den Weg des Drinks nach. Folgen Sie ihm auf dieser Suche nach der Perfektion.

Erstmalig war von dem Cocktail Corpse Reviver #2 in Harry Craddocks 1930 erschienenem Savoy Cocktail Buch zu lesen. Nachdem es nach dem Zweiten Weltkrieg viele Jahrzehnte leider relativ ruhig um den „Leichen-Beleber“ blieb, erfreut sich der Drink heutzutage einer gewachsenen Anhängerschaft. Schon Craddock selbst lies sich eine Bemerkung zur Nützlichkeit des Corpse Reviver #2 nicht nehmen. Darin heißt es lakonisch: “To be taken before 11 a.m., or whenever steam and energy are needed.” Also liegt uns – passend zum Namen –ein alkoholisches Katermittelchen vor.

Das Kina Lillet Dilemma

Für mich persönlich rangiert der Drink unter den absoluten Favoriten der gemischten Flüssigkeiten. Um es mit Jay Hepburns Worten, dem Cocktail-Enthusiasten hinter ohgo.sh, zu sagen, der sich 2008 ausführlich der Corpse Reviver Kategorie näherte: „This drink, [...] really reminds me of what cocktails are all about – taking base ingredients and creating something greater than the sum of the parts.“ Dabei fehlte Hepburns angegebener Rezeptur (Gin, Cointreau, Lillet Blanc, Zitronensaft, Absinthe) zur Perfektion noch ein kleines Stück. Denn er lies damals außer Acht, dass zur Einführung des Corpse Reviver #2 Kina Lillet gängig war. Und Kina Lillet wurde nunmal erst 1986 zum heute gängigen Lillet Blanc.

Der Wandel des Produktes hinterließ eine Lücke im Segment der Wein-Aperetife, die erst seit Januar 2008 wieder langsam geschlossen wird. Erik Ellestad grub damals Cocchi Americano aus der Versenkung. Ein italienischer Aperitif der die nötigen Bitternoten aufwies, die Cocktail-Geeks seit der Umstellung von Kina Lillet auf Lillet Blanc vermissten. Die losgetretene Welle kam im Februar 2009 auch bei Hepburn an und er konstatierte: „A Corpse Reviver made with Lillet is wonderful, make no mistake, but with Cocchi Americano it was simply sublime.

Himmelhoch jauchzend!

In den Lobgesang über einen Corpse Reviver mit Cocchi Americano stimmen seitdem Bartender und Connaisseurs aus aller Welt ein. Egal, ob bei Toby Cecchini für die New York Times oder bei Daniel Klingenbrunn für den Trinklaune Blog: Der Corpse Reviver, diese entzückende Mischung gleicher Teile Gin, Cointreau, Cocchi Americano, Zitronensaft und einem Spritzer Absinth, hinterlässt Eindruck. Dabei gilt es doch eigentlich noch zwei weitere Fragen zu diskutieren:

1.) Welcher Gin?

2.) Welcher Absinth?

Meine Meinung? Bei Gin streiten sich bekanntlich die Geister sehr schnell. Die besten Ergebnisse für meinen persönlichen Geschmack, erzielte ich bisher mit dem von der holländischen Spirituosenschmiede DeKuyper für die britische Firma Berry Bros. produzierten No.3 Gin. Ein frisches und elegantes Produkt, welches sich dank graziler und floraler Noten gut zwischen Cointreau und Wein-Aperitif fügt. Für Absinthe gibt es in Cocktails meines Erachtens zumeist wenig ehrliche Alternativen. Seit ich Duplais kenne, nutze ich kaum etwas anders und bin auch im Corpse Reviver Anhänger desselben. Welche Varianten werden in GSA-Land sonst noch über den Tresen gereicht?

Wer sich aber wirklich durch mehrere Versionen testen möchte, der sei abschließend erneut an Craddock erinnert. Er wusste:

“Four of these taken in straight succession will unrevive the corpse again.“

 

Corpse Reviver #2

2 cl Gin (z.B. No.3)

2 cl Cointreau

2 cl Cocchi Americano

2 cl Zitronensaft

1 dash Absinthe (z.B. Duplais)

 

Glas: Coupette

Garnitur: Orangenzeste

Zubereitung: Alle Zutaten in den Shaker geben, mit Eiswürfeln füllen und ca. 15 Sekunden (15 mal) schütteln. In das vorgekühlte Gästeglas doppelt abseihen.

 

Cocktailian I und II

Präsentiert von Cocktailian:

Cocktailian, das umfassende Handbuch der Bar für Profis, Einsteiger und Connaisseure entschlüsselt anhand von 13 Key Cocktails die Cocktail-DNA. Dieser erste Band der Cocktail-Enzyklopädie vermittelt auf 528 Seiten alles Wissenswerte rund um die Welt der Cocktails, von den wichtigsten klassischen Rezepturen bis zu den modernsten Arbeitstechniken.

Der zweite Teil der Cocktailian-Serie, “Cocktailian Rum & Cachaça” befasst sich mit der Geschichte und Herstellung von Zuckerrohrdestillaten und den daraus entstandenen Mischgetränken. An Cocktailian 1 und 2 haben neben dem Autoren-Trio Jens Hasenbein, Bastian Heuser und Helmut Adam führende internationale Bar- und Cocktailexperten wie Angus Winchester, Gary Regan, Ian Burrell, Jeff “Beachbum” Berry, Jared Brown und Anistatia Miller als Gastautoren mitgewirkt.

// Cocktailian 1 und 2 sind im Buchhandel erhältlich oder online unter cocktailian.de bzw. amazon.de //

 

Bildquelle: aboutpixel.de / Die Toten sind längst vergessen © jutta rotter

3 comments

  1. Nic

    Nur eine kleine Pingeligkeit. Die Überschrift sollte CorpsE Reviver heißen. Ein Corps ist eine große Formation, oftmals militärischer Art.
    Wobei, wenn man den Drink in rauen Mengen anbietet, dann passt das vielleicht schon wieder ;)
    Gruß.

    • Redaktion

      Danke für den Hinweis. Das “e” ist gekauft und ergänzt. :) Grüße, HA

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