Tikki Mug

Der Mai Tai. Geschichte des berühmtesten aller Tiki-Cocktails.

Klassik 16.9.2011 2 comments

Wer glaubte, alles über einen der berühmtesten Cocktails der Welt zu wissen, wird hier einer strengen Prüfung unterzogen. Die babylonische Verwirrung ist groß. Er ist »Mai Tai – Roa Ae: nicht von dieser Welt«. Erfahren sie alles über seine Geschichte, die Erfinder und die Vielfalt der Ingredienzien.

Der Mai Tai ist nicht nur einer der berühmtesten Cocktails der Welt, er ist auch zweifellos der beliebteste Drink aus der Ära der Tiki-Bars, die auf die Prohibition in den USA folgte. Jetzt, wo Tiki-Drinks und Tiki-Bars eine Renaissance erleben, rückt auch der Cocktail wieder in den Mittelpunkt des Interesses, obwohl er seit seiner Kreation, also seit gut sechzig Jahren, auf jeder Cocktailkarte zu finden ist. Im Gegensatz zu so populären Cocktails wie dem Manhattan und dem Cosmopolitan können die Zutaten eines Mai Tais erheblich variieren.

Babylonische Verwirrung

Die Basis eines Mai Tai bilden immer Rum und Limettensaft, aber das sind nur zwei feste Größen. Bei meinen Nachforschungen stieß ich auf Mai-Tai-Rezepte, bei denen der Saft von Orangen, von Passionsfrucht und/oder von Grapefruit verwendet wird sowie Mandelsirup oder Amaretto, Falernumsirup, einfacher Sirup, Kandiszuckersirup und/oder Vanillesirup, Orangen- oder auch Aprikosenlikör, Grenadine oder Maraschinosaft und manchmal auch Magenbitter. Garniert wird der Mai Tai mit Limetten-, Orangen- oder Ananasscheiben, mit einer Kirsche, Minze, einer Orchidee, mit einem Schirmchen und/oder einem Swizzle Stick. Manchmal wird auch hochprozentiger Rum darüber gegossen und angezündet.

Das Originalrezept nennt nur Rum. Limettensanft, Curacao, Orgeat und Zuckersirup, garniert mit einer Limettenschale und einem Minzezweigchen. Doch diese Version ist heutzutage vielen Mai-Tai-Trinkern völlig unbekannt.

Geschichte des berühmtesten aller Tiki-Cocktails

Der Mai Tai ist meine ureigene Erfindung.Jeder, der etwas anderes behauptet, ist ein gemeinerLügner: Victor Bergeron alias Trader Vic

Eingeleitet wurde die Ära der Tiki-Bars von Donn Beach alias Don the Beachcomber 1933, nach dem Ende der Prohibition. Seine Bar, die ebenfalls Don the Beachcomber hieß, war als Südseeparadies gestylt und wurde innerhalb kürzester Zeit zu einem beliebten Treff für Hollywood-Berühmtheiten wie Charlie Chaplin und Howard Hughes.

Auch Donn Beach beanspruchte für sich, 1933 den Mai Tai erfunden zu haben, aber diese Behauptung lässt sich nicht verfizieren. Jeff ›Beachbum‹ Berry, Verfasser von fünf Tiki- Büchern, ist jahrelang dieser Frage nachgegangen und kam zu dem Ergebnis, dass Donn möglicherweise einen Drink mit dem Namen Mai Tai kreiert hat, aber nicht den weltweit berühmten Mai Tai.

Der Mai Tai, wie er im Trader Vic ausgeschenkt wurde, kann aber auch auf einen anderen von Don the Beachcomber lancierten Drink zurückgehen, den Q.B. Cooler. In seinem Buch Beachbum Berry’s Sippin’ Safari beschreibt Berry den Cooler: »Geschmacklich weist dieses Rezept erstaunliche Ähnlichkeit mit Vic’s Mai Tai auf. Noch erstaunlicher ist jedoch, dass Vic den Q.B. Geschmack mit ganz anderen Zutaten erzielte: Außer Limetten und Rum haben die beiden Drinks nichts gemeinsam«.

Berry folgert daraus, dass »Vic vielleicht versuchte, den Q.B. zu klonen, dabei aber eine eigene neue Formel entdeckt hat«.

Vic’s Mai Tai wurde weder zu dem Zeitpunkt seiner Entstehung noch in den darauf folgenden 25 Jahren bekannt. Donn, Vic und all die anderen Tiki-Barbesitzer lieferten sich einen unerbittlichen Wettkampf und hielten ihre Rezepte streng geheim. Donn kodierte sogar seine Flaschenlabels, so dass nicht einmal die Bartender wussten, was die Drinks enthielten.

Trader Vic’s Mai-Tai-Rezept – oder zumindest die Version, die er publik machen wollte – wurde schließlich 1972 in der revidierten Auflage von Trader Vic’s Bartender’s Book abgedruckt.

»1944, nach dem Erfolg meiner exotischen Rum-Mix-Getränke, hielt ich es für an der Zeit, einen neuen Drink zu kreieren. Ich dachte über die großen, erfolgreichen Drinks nach – Martinis, Manhattans, Daiquiris … alle basierten auf einer recht einfachen Rezeptur.«

Mai Tai – nicht von dieser Welt

»Ich stand hinter dem Tresen meines Restaurants in Oakland, holte eine 17 Jahre alte Rumflasche herunter, einen J. Wray Nephew aus Jamaica, erstaunlich goldfarben, mittelstark, aber mit diesem für die jamaikanischen Verschnitte typischen pikanten Aroma. Ich nahm eine frische Limette, fügte etwas holländischen Curacao Orange, einen Schuss Kandiszuckersirup und einen Tropfen französisches Orgeat hinzu, um einen leichten Mandelgeschmack zu bekommen. Eine gute Portion geschabtes Eis und ein kräftiges Durchschütteln bewirkte die Verbindung, die mir vorschwebte. Die Hälfte der Limettenschalen fügte ich wegen der Farbe hinzu. Ich steckte ein frisches Minzezweigchen hinein und gab Ham und Carrie Guild, zwei Freunden aus Hawaii, die an diesem Abend bei mir zu Gast waren, zwei Becher. Carrie nahm einen Schluck und sagte: Mai Tai – Roa Ae, was im Tahitianischen »nicht von dieser Welt« bedeutet. Tja, so war das. Den Drink taufte ich »Mai Tai.«

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