Hot Buttered Rum. Ein Drink für Bastler.

Klassik 25.12.2012 4 comments

Rum mit heißem Wasser, Gewürzen und Butter. Das klingt im ersten Moment nur wenig appetitlich. Und dennoch ist er in dieser Jahreszeit ein oft angefragter Drink in der MIXOLOGY-Redaktion. In einer auf Facebook durchgeführten Umfrage zum Thema „Heiße Cocktails“ wählten ihn unsere Leser mit großem Abstand auf Platz 1. Betrachten wir das Ganze einmal etwas näher, es gibt ja schließlich mehr als nur einen Weg diesen Drink zuzubereiten.

Ein Drink für frierende Cowboys

Zugegeben, schaut man in den ehrwürdigen Bar-Tenders Guide von Jerry Thomas, findet man den „Hot Spiced Rum“. Zucker und heißes Wasser sollen mit Jamaica Rum vermischt werden, ein Stückchen Butter auf den Drink und Muskatnuss drüberreiben. Ein Drink, der im 19. Jahrhundert bestimmt keine Seltenheit war, um an kalten Tagen das Gemüt zu erwärmen, aber bestimmt nicht genug um den modernen Gaumen in Ekstase zu versetzen.

Bereits vor drei Jahren probierte Thorben Bornhöft an seinem ganz eigenen Rezept für einen Hot Buttered Rum. Ihm fehlte ein wenig Frucht, also füllte er mit heißem Apfelsaft statt heißem Wasser auf. Und mit seiner selbst gemachten Gewürzbutter schickt er den Glühwein endgültig zurück in die Neunziger Jahre.

Diese Butter. Wieso eigentlich Butter in einen Drink geben? David Wondrich zitiert auf diese Frage Charles Brown: „It‘s there only to lubricate your Moustache!“ Der einzige Nutzen soll also das geschmeidig halten des Schnäuzers bei eisigen Temperaturen sein. Ein schöner Nebeneffekt, aber bestimmt nicht der Hauptgrund des Einsatzes. Vielmehr darf davon ausgegangen werden, dass Fett als Geschmacksträger und Verstärker genutzt wurde. Gewürze waren vor ca. 200 Jahren kein allgegenwärtiges Gut und man dosierte sparsam. Durch die Butter wurden die Aromen verstärkt, und außerdem bildet sich an der Oberfläche eine etwas kühlere Schicht, sodass man den Hot Buttered Rum einfacher trinken kann.

Bastelstunde für Gewürzbutter

Für die Nase ein sehr viel angenehmeres Ergebnis erzielt man tatsächlich, wenn nicht der Rum oder der Zucker gewürzt wird, sondern man sich die Mühe macht, eine eigene Gewürzbutter herzustellen. So schwimmen die Aromen oben auf dem Drink und steigen direkt in die Nase.

Rezepte für eine Gewürzbutter finden sich in den weiten des Internet einige. Manche klingen fantastisch, andere sind schier überladen mit Aromen, sodass man sich fragen darf, ob sie auch „überwürzt“ werden kann. Der persönliche Favorit des Autors ist eine Mischung aus dem Bornhöftschen Rezept und der Vanilleeisversion. Die Sahne im Vanilleeis macht die Mischung ein wenig leichter.

 

Hot Buttered Rum (adaptiert von Torben Bornhöft, www.trinklaune.de, 2009)

5cl würziger Rum (Old Monk oder ein würziger Jamaikaner)

12 cl heißer Apfelsaft

1BL Puderzucker

1 großzügiger Barlöffel Gewürzbutter (hausgemacht)

1 Zimtstange

Glas: Becherglas (vorgewärmt)

Deko: Muskatnuss

Zubereitung: Puderzucker, heißen Apfelsaft und Rum vermischen. Gewürzbutter auf die Mischung geben und mit Zimtstange zum Umrühren servieren.

Rezept Gewürzbutter:

200g ungesalzene Butter

1 Kleine Kugel Vanilleeis mit echter Vanille

1 Kleine Zimtstange

3 Nelken

3 Pimentkörner

Butter in einem Topf langsam erhitzen, bis sie flüssig ist. Nelken, Pimentkörner und Zimtstange im Mörser pulverisieren und zur Butter geben. Vanilleeis hinzugeben und unter ständigem Rühren abkühlen lassen damit sich die Gewürze nicht absetzen. Über Nacht im Kühlschrank aushärten lassen.

 

 

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Der zweite Teil der Cocktailian-Serie, “Cocktailian Rum & Cachaça” befasst sich mit der Geschichte und Herstellung von Zuckerrohrdestillaten und den daraus entstandenen Mischgetränken. An Cocktailian 1 und 2 haben neben dem Autoren-Trio Jens Hasenbein, Bastian Heuser und Helmut Adam führende internationale Bar- und Cocktailexperten wie Angus Winchester, Gary Regan, Ian Burrell, Jeff “Beachbum” Berry, Jared Brown und Anistatia Miller als Gastautoren mitgewirkt.

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Foto: Tim Klöcker

4 comments

  1. Joerg Meyer

    Werte rMarco,

    ein klasse Drink, auch wenn es gestern und heute eindeutig zu warm dafür in München war. Der gute Mann heißt Torben Bornhöft (ohne H) … das sei der Form halber erwähnt.

    Eine kleine stilistische Anregung: Wenn du beim Rezept mit „Adaptiert von Torben Bornhöft“ verlinkst solltest Du, so mein Empfingen, dieses Rezept auch original wiedergeben, bzw. Änderungen erklären. Bei Torben ist meines Wissens im Rezept nicht die Rede von Jamaika Rum und außerdem benutzt er hausgemachten Zimtsirup und keinen Puderzucker.

    Das „einbringen“ von Eigenen Vorlieben sollte der Übersicht halber besser gekennzeichnet sein.

    Beste Grüße

    Jörg Meyer

  2. Redaktion

    Werter Jörg,
    vielen Dank für den Hinweis des überflüssigen „h“ im Namen.
    Torben, entschuldige bitte den Fauxpas.
    In meinem Verständnis besagt das Wort „adaptieren“ schon, dass man etwas nicht 1:1 übernimmt. So würde ich voraussetzen, dass wenn etwas adaptiert wird, Abänderungen zum Original erwartet werden können.
    Aber ich verstehe Deinen Einwand und werde mich in Zukunft bemühen deutlicher kenntlich zu machen wenn Veränderungen vorgenommen werden.
    Im übrigen war ein Hot Buttered Rum wahrscheinlich eines der letzten Getränke an das man bei 20 Grad am Heiligabend gedacht hat. Es wurde Gin+Tonic improvisiert.
    Guten Rutsch, Dir und deiner Truppe.
    Marco

  3. Joerg Meyer

    Das Gin Tonic improvisiere ist eine klassische Notwehrmassnahme des gestandenen Bartenders … sehr nachvollziehbar!

  4. Pingback: Cocktail Mixing -Zimt, Nelken & Co: Cocktails für den Nikolaus

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