Der Last Word Cocktail. Immer noch nicht das letzte Wort.

Klassik 11.9.2012 5 comments

Und noch eine Runde Gin. Auch wenn Gin diese Woche nicht die absolute Hauptrolle in unserem Drink zufällt, soll es mit dem Last Word in den beginnenden Herbst gehen. Kräuter, Säure und Frucht bestimmen diesen Drink, der seit seiner Entstehung bereits zwei Mal für lange Zeit verschollen war.

Diese verdammte Prohibition. Keiner will damals was gemacht haben, und erst Recht hat keiner was aufgeschrieben. Wie so oft ist es schier unmöglich einen solch alten Drink bis zu seiner Entstehung zurück zu verfolgen. Die landläufige Geschichte des Schauspielers Frank Fogarty, der zu Beginn des letzten Jahrhunderts in New York eine Auszeichnung für seine Theaterdarbietungen erhielt, soll hier gleich ad acta gelegt werden. Es gibt weder Belege noch Gründe dafür, dass der als Schauspieler in New York erfolgreiche Fogarty jemals hinter einer Bar stand.

Und erst Recht nicht in einem Detroiter Members Club. Der „Detroit Athletes Club“ hingegen scheint sicher als Ursprungsort dieses Drinks. Eine kurze Anfrage an das Management des immer noch existierenden Clubs lichtet den Nebel ein wenig, lässt aber noch vieles im Dunkeln. So schrieb uns der Pressesprecher Ken Voyles, dass es in der Clubhistorie keinerlei Aufzeichnungen oder Erwähnungen über einen Frank Fogarty gibt. Er stand also wahrscheinlich nie direkt mit dem Club in Verbindung. Dennoch berichten verschiedene Quellen über die Entstehung im DAC in den 1920er Jahren. In einem Artikel den Voyle vor drei Jahren im internen Clubmagazin schrieb, spekuliert er über eine Entstehung in privat genutzten Räumlichkeiten des Clubhauses. Was dort während der Prohibition vor sich ging, daran will sich niemand erinnern. Er hält es aber auch für möglich, dass der Drink bereits vor der Prohibition entstand. Eventuell als Drink um auf eine fertiggestellte Herausgabe eines Clubmagazins anzustossen, mutmasst Voyle weiter.

Die wahre Geschichte wird man wahrscheinlich nicht mehr herausfinden. Und so müssen wir uns damit begnügen, dass der Drink seine erste schriftliche Erwähnung 1951 in Ted Saucier’s Cocktailbuch „Bottoms Up“ fand. Saucier nennt auch den DAC als Entstehungsort, und schreibt weiter, dass es Frank Fogarty war, der den Drink damals in New York populär machte. Wie Fogarty an das Rezept kam, und wieso der „Last Word“ Cocktail auch nach 1951 wieder in der Versenkung verschwand, sind Geschichten, die jeder Bartender selbst erfinden darf, wenn er seinem Gast die Geschichte des Drinks erzählt.

Jedenfalls dauerte es dann noch einmal gute 50 Jahre, bis der „Last Word Cocktail“ von Seattle ausgehend erst Amerika, und dann Europa eroberte. Erwähnenswert hierbei ist, dass sich, bis auf kleine persönliche Nuancen und Vorlieben, alle Quellen auf dasselbe Rezept stützen. Auf den ersten Blick scheint das vermischen von vier Zutaten, von denen zwei Liköre sind, zu jeweils gleichen Teilen etwas ungewöhnlich. Auf den ersten Schluck macht dieses Rezept aber unheimlich Sinn. Maraschino und Chartreuse ergänzen sich hervorragend, und überdecken die jeweiligen Schwächen des Partners, während Gin und Limette ein stabiles Gerüst bauen, an dem sich der Gaumen orientieren kann.

„Man muss dem ungeübten Trinker bei diesem Drink ein wenig helfen,“ so Jan Schäfer, Barchef des Hotels Bayrischer Hof in München. „Viele Hotelgäste sind klassische, starke Drinks nicht gewohnt und sind von den medizinischen Noten des Chartreuse verwirrt!“ Die Nachfrage sei aber steigend, und mit gut geschultem Personal mache der Verkauf dieses Cocktails richtig Spaß. Gleicher Meinung ist Steffen Goubeaud aus der deutschen Chartreusehauptstadt. Er mahnt aber an, „den hohen Alkoholgehalt des Drinks im Blick zu haben. Ansonsten wird das letzte Wort schnell undeutlich und die Erinnerung am nächsten Morgen eine dunkle.“

Aus diesem Grund halten wir uns auch an das allgemein übliche Rezept mit jeweils 2cl. Unter anderem zu finden im Cocktailian.

Dass das sprichwörtlich letzte Wort hier aber noch nicht gefallen ist, zeigt uns ein Blick auf die mittlerweile zahlreichen und großartigen Variationen dieses Klassikers. Unter anderem wären da ein „Gipsy“, mit St. Germain statt Maraschino. Ersetzt man den Gin durch Rye Whiskey, hat man einen „Final Word“ und „The Other Word“ wird gesprochen, wenn man Gin durch einen rauchigen Mezcal ersetzt.

 

 

 

 

 

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Der zweite Teil der Cocktailian-Serie, “Cocktailian Rum & Cachaça” befasst sich mit der Geschichte und Herstellung von Zuckerrohrdestillaten und den daraus entstandenen Mischgetränken. An Cocktailian 1 und 2 haben neben dem Autoren-Trio Jens Hasenbein, Bastian Heuser und Helmut Adam führende internationale Bar- und Cocktailexperten wie Angus Winchester, Gary Regan, Ian Burrell, Jeff “Beachbum” Berry, Jared Brown und Anistatia Miller als Gastautoren mitgewirkt.

// Cocktailian 1 und 2 sind im Buchhandel erhältlich oder online unter cocktailian.de bzw. amazon.de //

Last Word Cocktail

von Frank Fogarty um 1920, adaptiert nach einem Rezept aus "Bottoms Up" von Ted Saucier 1951

Rezept

2 cl Gin (z.B. Beefeater)
2 cl Chartreuse Verte
2 cl Maraschinolikör (Luxardo)
2 cl Limettensaft

Zubereitung

Alle Zutaten im Shaker auf Cubes kräftig schütteln. In das vorgekühlte Cocktailglas abseihen.

Glas

Cocktailschale

Garnitur

keine

5 comments

  1. Patrick

    Achja,
    Der Final Ward hat auch Zitronen- anstatt Limettensaft. 😉 Prost!

  2. Pingback: Bartender´s Choice 2013: Chartreuse Verte.
  3. Vik

    Lieber Patrick, leider Unfug. Der Last Word ist das Original mit Limette und Gin. Der Final Ward ist eine Abwandlung von Herr Ward mit Rye Whiskey und Zitrone. Cheers 😉

    • Hannes

      Ich denke, Patrick bezog sich auf den letzten Satz. Dort heißt es „Ersetzt man den Gin durch Rye Whiskey, hat man einen „Final Word“…“. Da müsste es korrekterweise Final Ward heißen.

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