Rye Sour. Trinkt diesen nervigen Engpass weg.

Klassik 15.5.2012 3 comments

Die ersten Sonnenstrahlen streichelten schon die Redaktionsmitglieder und wecken den Durst im Bunde. Durstlöscher sind seit jeher Sours. Zum Beispiel ein schöner Rye Sour. Unser Vorschlag des Tages beinhaltet eine Marktberatung.

Es fehlte nicht viel und Rye Whiskey wäre völlig vom Erdboden verschluckt worden. Die Richtlinien für Rye Whiskey sind in den USA denkbar einfach: Er muss aus mindestens 51% Roggen destilliert werden und minimal zwei Jahre in amerikanischen Eichenfässern gelegen haben. Zumeist haben die Produkte sogar einen höheren Anteil an Rye (ab 71% spricht man von einem Straight Rye) und lagern etwas länger.

Nein, Rye ist leider aus!

Rye war die erste, weitläufig in den USA produzierte Whiskey-Variante. Erst nach der Prohibition und dem Zweiten Weltkrieg überholte Bourbon den bis dato sich mindestens auf Augenhöhe bewegenden Roggen-Kollegen. Wie die Wurzeln der Cocktailgeschichte tief in den USA verwoben sind, kann man auch die Fäden von Rye Whiskey zu gemischten Getränken kaum trennen.

Besonders die Nähe zu Klassikern wie dem Sazerac, dem Old Fashioned oder dem Manhattan unterstreichen die Verbundenheit mit der Barkultur. Während Rye in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts noch ein gewisses Standing hatte und spannende Drinks wie der Toronto, der Scoff Law und der New York Sour durch die Barlandschaft kursierten, kam ab 1950 der große Absturz. Erst mit dem langsamen, aber weltweiten Erwachen einer neuen Affinität zu Cocktails erwuchs auch wieder das Bedürfnis nach Rye.

In den letzten Jahren blühte die Nachfrage derart stark, dass es kaum ein Jahr ohne Engpass gab. Sogar Produzenten wie Jim Beam, begannen wieder im größeren Stile Rye zu produzieren. Doch den Bärenanteil in deutschen Bars decken immer noch Produzenten wie Wild Turkey, Pikesville, Rittenhouse, Old Overholt, und Willet. Schon seit Jahren geht man davon aus, dass sich das Rye-Angebot bald der Nachfrage angeglichen hat. Trotzdem sieht es auch 2012 wieder nicht danach aus, als ob die Produzenten hinterherkommen.

Trink, trink, Brüderlein trink …

Das Einzige, was der Konsument derweil machen kann, ist jeden Rye schnellstmöglich trinken, sobald er im sich im Regal einer Bars breitgemacht hat. Nur dann werden Bartender ihre Lieferanten und diese die Produzenten derart nerven, dass die Lage sich vielleicht doch noch irgendwann stabilisiert und man sich wirklich seinen Lieblingstropfen immer heranziehen kann. Vorsicht ist da lediglich für Sparfüchse geboten. Bei lang gelagerten Abfüllungen kann der Preis des Drinks ganz schnell in unerfreuliche Höhen klettern.

Eine der sommerlichen Erfrischungsdrinks mit Rye Whiskey ist ein Sour. Der Roggenanteil bringt Kanten mit, die dem Drink im Vergleich zu anderen Sours eine respektable Tiefe verleiht. Dazu schaden ein paar Tropfen Bitter und ein halbes Eiweiß nicht. Das wusste schon Robert Vermeire: „… a few drops of white of egg improve all sours“ (Cocktails – How to mix them, 1922). Frischer Zitronensaft ist natürlich selbstverständlich. Für die Abwechslung noch zwei 2 cl Portwein oder Rotwein floaten und der Sommer kann kommen.

 

Die Redaktion empfiehlt:

Rye Sour (adaptiert nach einer Rezeptur aus „Bartenders‘ Guide or How to Mix Drinks“, Jerry Thomas, 1887)

6 cl Rye Whiskey

3 cl Zitronensaft

2 cl Zuckersirup

1/2 Eiweiß (optional)

Bitters (optional)

 

Glas: Tumbler/Sourglas

Garnitur: Zitronenzeste

Zubereitung: Alle Zutaten in einen Shaker geben, mit Eiswürfel füllen und kräftig schütteln. Dann entweder in einen Tumbler auf Eis oder in ein Sourglas ohne Eis geben. Double Strain bietet sich an. Bei der Nutzung von Eiweiß empfehlen sich Kenntnisse über die Lagerungsrichtlinien und eventuell der Dry Shake an.

 

 

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3 comments

  1. oliver ebert

    Auch, wenn ich mich dem Vorwurf der Kasuistik aussetze: Darf ich mir erlauben, darauf hinzuweisen, dass ein Sour mit Bitters kein Sour sondern ein Cocktail ist. Sours sind eine Kategorie der Prä-Cocktail-Ära, die vor der Erfindung des Bitters liegen. Historisch korrekt können Sours dementsprechend keine Bitters enthalten.
    Und auch wenn bereits an anderer Stelle über Sinn und Unsinn von Eiweiß in Sours diskutiert wurde, so gilt es festzuhalten, dass in den allermeisten Rezepten zwischen 1865 und 1910 Drinks mit Eiweiß die Bezeichnung Silver im Namen führen.

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